Eishockey : Die Eisbären Berlin sind urlaubsreif

Die Eisbären verlieren das vierte Halbfinalspiel gegen München 1:3 und stehen vor dem Saisonende. Den Berlinern scheint die Kraft zu fehlen.

Claus Vetter
Münchens Frank Mauer (M) versucht, den Puck vorbei an Berlins Frank Hördler (l), Kyle Wilson (r) und Bruno Gervais zu spielen.
Münchens Frank Mauer (M) versucht, den Puck vorbei an Berlins Frank Hördler (l), Kyle Wilson (r) und Bruno Gervais zu spielen.Foto: dpa

Gekämpft, geführt und trotzdem geschlagen. Die Eisbären haben sich am Freitag gegen Favorit RB München alle Mühe gegeben, die Play-off-Serie gegen den deutschen Eishockeymeister auszugleichen. Doch am Ende reichte das nicht um im vierten Halbfinalspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zum zweiten Sieg zu kommen. Die Berliner unterlagen den cleveren Münchnern 1:3 (1:0, 0:2, 0:1). Ein Sieg fehlt den Bayern noch, und dann stehen als Sieger der „Best-of-Seven“-Serie wieder im Finale. Oder aus Berliner Sicht formuliert: Verlieren die Eisbären am Sonntag in München, dann ist die Saison für sie vorbei.

Was die Spieler der Eisbären und ihr Trainer am Dienstagabend in München nach einer 1:5-Klatsche von sich gegeben hatten, klang nach Zweckoptimismus. Von wegen, wir kommen wieder und sind noch lange nicht geschlagen. An sich sei ja noch nichts Großes passiert, hatte Trainer Uwe Krupp gar gesagt. „München führt 2:1.“ Und vier Siege brauche man, um Weiterzukommen. Stimmte nur alles, doch so erschöpft wie sich die Eisbären 72 Stunden zuvor bei den Bayern präsentiert hatten, war im vierten Halbfinalspiel gegen RB München am Freitag nicht unbedingt mit einer erfrischenden Darbietung der Mannschaft von Krupp zu rechnen.

Am Dienstag hatte der Stadionsprecher in München noch damit geprahlt, dass in so einer alten kleinen Eishockeystadion wie der Olympiahalle die Stimmung besser sei als in den modernen Großarenen. Wenn der Herr am Freitag in Berlin war, dann hatte er hoffentlich Ohrenschützer dabei. Mehr als doppelt so viele Menschen waren in der ausverkauften Arena von Berlin (14 200 Zuschauer) im Vergleich zu München in der Halle (6142 Zuschauer) und mehr als doppelt so laut war es auch. Es war offen hörbar, dass die Fans der Eisbären Lust auf weitere Heimspiele hatten. Sitzplätze blieben weitestgehend ungenutzt, stehend und dauerklatschend tobte das Volk. Doch der Wunsch nach einem Heimsieg blieb unerfüllt.

Vehanen war mal wieder gut in Form

München zeigte mit dem ersten Bully die bessere Spielanlage. Aber so ein Vorteil ist ja dann im Sport keiner, wenn keine Tore fallen. Eisbären-Torwart Petri Vehanen war wieder mal in ansprechender Form und die Eisbären überstanden die erste Druckperiode des Meisters recht ordentlich und checkten schließlich immer konsequenter vor. Das wurde belohnt, mit einem kuriosen Treffer gelang Verteidiger Jonas Müller der Berliner Führungstreffer. Der Puck segelte aus Nahdistanz und vom fallenden Verteidiger Daryl Boyle abgefälscht am machtlosen Danny aus den Birken ins Tor der Münchner.

Das Tor von Müller war ein Treffer ins Münchner Selbstbewusstsein, die Bayern wirkten irritiert. So eben mal über die Runden schaukeln konnten sie das Ding nicht und fortan reduzierten die Eisbären geschickt das Tempo, blieben aber aggressiv in den Zweikämpfen. Spencer Machacek, nach einigen Spielen Pause am Freitag erholt wieder dabei, vergab im zweiten Drittel die sehr gute Chance auf das 2:0 – aber auch, weil Torwart aus den Birken wieder einmal genau aufgepasst hatte. Nick Petersen vergab danach eine andere gute Gelegenheit, die Bayern wirkten in diese Phase recht lax vor dem eigenen Tor. So viel Platz für gute Angriffe wie im Mittelabschnitt hatten die Eisbären zuvor in der gesamten Serie nicht. Daher war es aus ihrer Sicht ganz bitter, dass nach einem Konter der Münchner und einem Fehler das 1:1 fiel. John Matsumoto war der Torschütze.

Binnen drei Minuten gaben die Eisbären das Spiel aus der Hand, Derek Joslin gelang nach einem weiteren Abwehrfehler vor Vehanen das 2:1 für München. Die Geschichte aus dem ersten Berliner Heimspiel der Serie wiederholte sich also - nur die Torfolge betrachtet. Vom Spiel her allerdings sah das anders aus, bei ihrer 1:2-Niederlage in Spiel zwei waren die Eisbären München klar unterlegen. Diesmal sah das anders aus. München wirkte angeschlagen, doch die Eisbären setzten nicht die nötigen Wirkungstreffer. Und dann machten sie in der eigenen Zone schlimme Fehler, die wohl der allgemeinen Müdigkeit im Team geschuldet waren. Micki DuPont legte beim 1:1 für Torschütze Matsumoto auf und Darin Olver säbelte vor dem 1:2 am Puck vorbei. Es waren Fehler, die diesen erfahrenen Spielern sonst nicht oft passieren.

Den Eisbären fehlte im letzten Dritte einfach die Kraft, um noch einmal zurückzukommen. Kurz vor Schluss traf Steve Pinizzotto noch zum 1:3. Am Sonntag in München werden es die Berliner schwer haben, das jähe Saisonende zu vermeiden. Und der DEL droht einmal mehr das triste Finale München gegen Wolfsburg – die Niedersachsen führen in ihrer Serie gegen Nürnberg ebenfalls 3:1.

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