Eishockey : Die Saison als Baustelle

Für das Jahr bis zum Umzug in die neue Halle sehen sich die Eisbären Berlin gut gerüstet – doch Favoriten für die heute beginnende Saison sind andere.

Claus Vetter
Eisbären Berlin
Das Mannschaftsfoto für die kommende Spielzeit. -Foto: City-Press

BerlinEin arbeitsames Völkchen sind sie beim EHC Eisbären. Das jedenfalls lassen die neuen Bilder vermuten, die der Klub vor der heute beginnenden Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verbreitet. Da posiert etwa Verteidiger Tobias Draxinger, den Blaumann weit heruntergezogen, lässig als schnieker Bauarbeiter, und sein Kollege Mark Beaufait – Oberkörper nicht entblößt – trägt eine Rohrzange geschultert über eine Baustelle. Eine Baustelle? Die Baustelle natürlich, die Berliner haben selbst ihr Teamfoto auf dem Baugelände neben dem Ostbahnhof ablichten lassen – dort, wo zurzeit die O2-World, die neue Riesenarena Berlins, entsteht.

Das neue Stadion können die Eisbären allerdings erst ab September 2008 bespielen. Das ist insofern problematisch, als dass sie nun noch eine Saison in der alten, unkomfortablen Halle in Hohenschönhausen hinter sich bringen müssen. Und das in die Öffentlichkeit getragene Bild lässt mit seiner hämmernden Bildsprache vermuten, dass die künftigen Großarenenbespieler gar keine Lust auf die Saison vor dem Umzug haben. „Das ist aber Unsinn“, sagt ihr neuer Trainer Don Jackson. „Die Saison nehmen wir sehr ernst.“ Schon das erste Spiel sei der erste Charaktertest für seine Spieler, sagt Jackson. Der erste Charaktertest ist allerdings für die Eisbären erst am Sonntag: Die DEL-Eröffnungspartie bestreiten heute die Kölner Haie und die Hamburg Freezers. Die Eisbären greifen auch am Freitag noch nicht ein, am ersten Spieltag haben sie spielfrei – die von 14 auf 15 Klubs aufgestockte Liga macht das möglich. Erst am Sonntag sind daher die Berliner dran, mit einem Auftritt beim Meister Adler Mannheim.

Die Zielsetzung ist für die Eisbären klar: Nach einer völlig verkorksten Saison, die für den Meister auf Platz neun und mit dem Verpassen der Play-offs endete, wird von Jackson mehr als von seinem Vorgänger Pierre Pagé erwartet, der die Berliner nach einem unschönen Saisonende, aber insgesamt doch schönen fünf Jahren in Berlin verließ. Der ruhige, große US-Amerikaner Jackson ist bei seinen Auftritten so etwas wie das Gegenteil von Pagé. Während der Kanadier oft mit weltmännischer Geste, Humor oder auch mit Gezeter öffentliche Auftritte zelebrierte, ist Jackson eher in sich gekehrt. Allerdings sind die Aussagen des 51 Jahre alten ehemaligen Weltklasseverteidigers nicht eben defensiv. „Ziel ist es, bestes Team in der Hauptrunde und dann bestes Team in den Play-offs zu sein.“ Und, natürlich wollen die Eisbären jedes Spiel gewinnen, sagt Jackson.

Naturgemäß wird dieses Vorhaben bei nun 56 Hauptrundenspielen schwierig für die Berliner. Auch sollte bei der Umsetzung des hehren Zieles erschwerend hinzukommen, dass sich die Mannschaft im Vergleich zur enttäuschenden Vorsaison kaum verändert oder verbessert hat, im Gegenteil: Für die drei Verteidiger Jeff Jillson, Ian Moran und Cole Jarrett kam mit Brandon Smith nur ein neuer Verteidiger. Und in der Offensive ist allein der aus Mannheim gekommene Kanadier Nathan Robinson eine große Verstärkung. Jackson sieht das natürlich anders, verweist auf die vielen guten jungen deutschen Spieler und überhaupt: „Ich bin sehr zufrieden mit der Saisonvorbereitung, Einstellung und Teamwork stimmen bei uns.“ Tatsächlich überstanden die Berliner die Vorbereitung ungeschlagen, am Dienstag gab es sogar zum Abschluss noch einen 3:2-Erfolg beim Tschechischen Meister Sparta Prag.

Doch der Titelfavorit in der neuen Saison kommt nicht aus Berlin, sondern aus Mannheim. Die Adler sind personell am stärksten besetzt, das müssen sie auch sein, wie ihr Sprecher Matthias Fries sagt: „Wir müssen schließlich eine große Halle füllen.“ Das müssen die Eisbären dann in einem Jahr auch. 14 200 Zuschauer werden in der O2-World Platz haben, und die Vorfreude darauf ist selbst bei den Sponsoren groß: So unterschrieb die Gasag gestern schon mal einen Vertrag für die neue Arena, Laufzeit bis 2011. „Der Dreijahresvertrag ist der neuen Arena angemessen“, sagt ihr Sprecher Klaus Haschker. Allerdings ist die neue Arena ja noch im Bau, und bis zur ihrer Eröffnung müssen die Eisbären, wenn sie dann mal nicht auf ihrer Baustelle sind, in ihrer alten Halle vor maximal 5000 Zuschauern in Hohenschönhausen spielen – auch wenn einige in Gedanken schon am Ostbahnhof sind.

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