Eishockey : Die Zweifel sind wie weggespielt

Die Berliner Eisbären wähnen sich nach dem Erreichen des Halbfinals auf dem Weg zurück zur früheren Dominanz. Es gibt wieder ein Wir-Gefühl.

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Alle für einen. Nach dem Viertelfinal-Aus in der vergangenen Saison kehrt das Wir-Gefühl bei den Eisbären zurück. Foto: City-Press GbR
Alle für einen. Nach dem Viertelfinal-Aus in der vergangenen Saison kehrt das Wir-Gefühl bei den Eisbären zurück.Foto: City-Press GbR

Ein bisschen jünger fühlen sie sich in diesen Tagen, die Eisbären. Etwa so, als hätten sie sich noch einmal zurückversetzt in alte, vielleicht auch in bessere Zeiten. „Dominant wie früher“, findet zum Beispiel Verteidiger Frank Hördler das Auftreten seiner Mannschaft. Früher spielten die Berliner andere Mannschaften der Deutschen Eishockey-Liga in einer Verlässlichkeit schwindelig, dass es beinahe schon langweilig wurde. Im Play-off-Viertelfinale gegen den ERC Ingolstadt lieferten sie nun eine vage Erinnerung daran ab. 4:1 stand es am späten Dienstagabend für die Eisbären; das reichte locker, um in die nächste Runde einzuziehen – und um Trainer Don Jackson „mächtig stolz auf meine Jungs“ zu machen.

Nun mag der Halbfinaleinzug eines viermaligen Deutschen Meisters nicht sonderlich überraschend daherkommen. Doch man muss an dieser Stelle daran erinnern, dass die Eisbären im vergangen Jahr bereits nach dem Viertelfinale in den Urlaub fuhren und dadurch diesmal schon etwas verunsichert waren, wie Stürmer Steve Walker es vor kurzem ausgedrückt hatte. Mit dem Ausscheiden im zurückliegenden April ging zwar auch die Regelmäßigkeit der Berliner Erfolge dahin, inzwischen allerdings dürften sich die Eisbären die letzten Zweifel an der eigenen Stärke weggespielt haben.

Hinten kompakt, vorne effektiv

Gegen eine Mannschaft, der sie in der Hauptrunde viermal gnadenlos unterlegen waren, traten sie, als es darauf ankam, in drei von vier Begegnungen der Best-of-five-Serie souveräner und abgeklärter auf. Ingolstadts Trainer Rich Chernomaz sah den Sieg der Eisbären in der „besseren Defensivarbeit“ begründet, Berlins Trainer Don Jackson fügte noch „ein verbessertes Überzahlspiel und eine bessere Chancenverwertung“ hinzu. Hinten kompakt, vorne effektiv – so lautet die Kurzformel des Berliner Erfolgs. Als richtiger Makel dieses Viertelfinals lässt sich lediglich die Schwächeperiode in Duell drei werten. Aber natürlich finden die Beteiligten in diesen guten Tagen der Eisbären auch darin etwas Positives. Dass sie so souverän zurückgekommen sind, zeuge doch wohl von einem ordentlichen „Willen und Konzentrationsvermögen“, sagt André Rankel.

Persönliche Bestleistungen

Der Angreifer zählt nach einer holprigen Hauptrunde im Moment zu den besten Spielern des Teams. Und steht damit für eine interessante Entwicklung in der bisherigen Endrunde. Plötzlich machen Profis den Unterschied, die sich bei den Berlinern vorher eher im Hintergrund gehalten haben oder lange verletzt waren. Da spielt Verteidiger Frank Hördler so gut, wie ihn sein Trainer Don Jackson „überhaupt noch nie gesehen“ hat, und da bildet das Trio André Rankel/Stefan Ustorf/Travis Mulock den „Topsturm des Viertelfinals“. Es kommt nicht allzu oft vor, dass der Berliner Coach so hohe Lobpreisungen für seine Profis parat hat, gerade jedoch scheint im Berliner DEL-Team nicht viel Platz für Kritik – Motivation ist angesagt und sogar ein wenig Freiraum. Am heutigen Donnerstag gewährt Jackson seinen Gewinnern einen Tag Pause, bevor es ab Freitag mit den Vorbereitungen auf den Halbfinalgegner weitergeht.

Blick nach vorn

Auch im Falle der Düsseldorfer EG könnten Frank Hördler und seine Kollegen übrigens jede Menge Geschichten aus der alten Zeit erzählen. Zum Beispiel wäre da die von den jüngsten drei Meistertiteln der Eisbären, die jeweils über die Rheinländer führten. Nur will ihr Trainer von dieser Herangehensweise lieber nicht viel wissen. „Ich denke nicht gerne an die Vergangenheit“, sagt Don Jackson. „Die Gegenwart ist mir wichtiger. Und da warten genug Aufgaben auf uns.“

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