Eishockey : Eine Liga zieht um

Nun spielen auch die Eisbären in einer Großarena - andere Eishockeyklubs machen das schon länger.

Claus Vetter
Eisbären
Die Eisbären Berlin spielen jetzt in der O2-World. -Foto: dpa

BerlinDie Halle trägt die „2“ schon in ihrem Namen. Und irgendwie passt das. Berlin ist nicht die Nummer eins im deutschen Eishockey, was eine moderne Halle betrifft: Am Sonntag beherbergte die O2-World, die neue Mehrzweckhalle am Ostbahnhof, erstmals ein Spiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) – endlich. Denn die Eisbären, die zum Heimspielauftakt die Augsburger Panther empfingen (bei Redaktionsschluss noch im Gange), haben jahrelang auf eine große Arena gewartet. Sieben andere Teams spielen bereits zum Teil seit Jahren in großen Mehrzweckarenen, fünf von diesen Hallen fassen mehr als 10 000 Zuschauer. Die größte von ihnen ist die Kölnarena, dort sind bei Eishockeyspielen bis zu 18 600 Zuschauer dabei – rund 4500 mehr, als in die neue Berliner Arena passen.

Größer ist vielleicht für manchen konservativen Eishockeyfan nicht immer schöner. Aber die Hallen sind auch voller: Die DEL verdankt ihren Zuschaueranstieg vor allem den großen Hallen. Zwischen dem Zuschaueraufkommen bei den Kölner Haien (seit Jahren im Schnitt rund 13 000 Besucher pro Spiel) und den Füchsen Duisburg liegen Welten. Dort verlieren sich oft nur 2000 Zuschauer in der alten Duisburger Eishalle.

Die Kölnarena ist ein gelungenes Beispiel für einen Umzug in eine andere Dimension im Eishockey: Großes Geld verdienen die Kölner Haie angesichts des Vertrages mit dem Hallenbetreiber zwar nicht, aber immerhin konnte der Klub seine Popularität deutlich steigern, sagt Geschäftsführer Thomas Eichin. Allerdings müsse man sich auch anstrengen, um die Halle voll zu kriegen. „Wir arbeiten in Köln seit Jahren mit Konzepten und Aktionen.“ Einmal im Jahr werden 3000 Kölner Erstsemester zu einem Spiel der Haie eingeladen und es gibt zu einer Saisonpartie Tickets für Taxifahrer. „Denn wenn es denen bei uns gefällt, erzählen sie das den Touristen im Taxi weiter“, sagt Eichin. „Die Leute müssen wissen, das bei uns etwas los ist.“ Ansonsten aber gebe es bei den Haien wenig umsonst, sagt Eichin. „Man darf sein Produkt schließlich nicht verramschen.“

In komfortabler Situation sind auch die Mannheimer Adler. Klubeigner Dietmar Hopp hat 2005 die SAP-Arena errichtet, wie die Haie haben die Adler seitdem einen Zuschauerschnitt, der über der 10 000er-Marke liegt. Aber Mannheim ist eben Mannheim: Dort ist Eishockey seit Jahren die Nummer eins, und da beeinflusst es auch nicht die Zuschauerzahlen, dass mit der TSG Hoffenheim auch ein Fußball-Bundesligist übergangsweise in Mannheim spielt.

Andernorts gestaltete sich der Umzug nicht so einfach: Am schwierigsten hat es die Düsseldorfer EG. Vor zwei Jahren ist der traditionsreichste Klub aus der DEL aus dem maroden Stadion an der Brehmstraße in den Stadtteil Rath umgezogen – in eine moderne, aber ungemütliche Großarena mit dem Namen ISS Dome, die bislang kein einziges Mal beim Eishockey ausverkauft war. Vor dieser Saison hat die DEG eine große Werbekampagne gestartet, bislang hat es nicht geholfen. Zum Derby gegen die Kölner Haie kamen nur knapp 9000 Zuschauer, früher in der Brehmstraße waren es stets 11 000. Dabei sind die Fanblöcke bei DEG–Spielen immer voll, schließlich gibt es mehr Stehplätze direkt am Eis als in jeder anderen großen Arena. Vielleicht ist das ein Fehler. In Köln zum Beispiel habe man sich auf das Werben aller Zuschauerschichten konzentriert, sagt Geschäftsführer Eichin. Von den „harten“ Fans aus dem alten Stadion an der Lentstraße habe man nur 80 Prozent mitnehmen können.

Ähnlich könnte es bei den Eisbären in Berlin laufen, schließlich hat die neue Arena mit der kuscheligen Atmosphäre im Wellblechpalast wenig gemein. Mancher Fan trauerte schon vor dem Umzug in die O2-World der alten Halle nach. Eisbären-Manager und Geschäftsführer Peter John Lee sagte jedenfalls schon mal: „Die Haie sind für uns das Vorbild, wir haben bei denen auch schon genau hingeschaut, da können wir viel lernen.“

Interessant ist zudem, dass sportlicher Erfolg beim Gewinnen neuer Publikumsschichten im Eishockey wohl nicht überall die vorrangige Rolle spielt. Die Düsseldorfer EG zum Beispiel erreichte vergangene Spielzeit in den Play-offs immerhin das Halbfinale, ausverkauft war die Halle trotzdem nicht. Ganz ohne sportlichen Erfolg geht es aber auch nicht: Der 2002 gegründete Retortenklub Hamburg Freezers hatte im Schnitt stets eine fünfstellige Besucherzahl – bis zur vergangenen Saison. Offensichtlich lässt sich ohne sportlichen Fortschritt – die Freezers stagnieren seit Jahren – auf Dauer kein Publikum halten.

Zumindest das Problem sollten die Eisbären nicht haben. Der Deutsche Meister ist seit Jahren das bestimmende Team in der DEL und hat nun auch die zweitgrößte Halle in der Liga, was zu Berlin passt: Das Olympiastadion ist das zweitgrößtes Fußballstadion und dann entsteht ja der zweitgrößte Flughafen des Landes in Berlin.

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