Eishockey : Eine unglaubliche Reise

Die Philadelphia Flyers haben gegen die Chicago Blackhawks die Möglichkeit, zum ersten Mal seit 35 Jahren den Stanley-Cup wieder in die Sportstadt Philadelphia zu holen.

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Er kennt nur ein Ziel. Ian Laperriere (l.) möchte mit seinen Flyers den Stanley-Cup wieder nach Philadelphia holen. Foto: AFP
Er kennt nur ein Ziel. Ian Laperriere (l.) möchte mit seinen Flyers den Stanley-Cup wieder nach Philadelphia holen. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Ian Laperriere ist schon jetzt ein Held für die Eishockey-Fans in Philadelphia, obwohl er noch gar nichts gewonnen hat. Ein Held deshalb, weil er sich kopfüber in einen Schuss warf, der ihn gut und gerne das Augenlicht hätte kosten können.

Über 100 Kilometer war der Schlagschuss seines Gegenspielers Paul Martin schnell, welchen der 36-Jährige mit dem Gesicht stoppte. Doch es waren nicht die vielen Zähne, die Unmengen an verlorenem Blut oder die Gehirnerschütterung, die Laperriere am meisten schmerzten. „Draußen zu stehen und nicht dabei sein zu können, wenn die Jungs Großes vollbringen, das tat wirklich weh“, erzählt Laperriere, der nicht zum ersten Mal wegen solch einer waghalsigen Aktion pausieren musste, bei einem international übertragenen Pressegespräch. „Großes“, wie Laperriere es nennt, vollbrachten seine Mannschaftskollegen in der Tat während seiner Abwesenheit.

Ohne ihren „Grinder“, also „Aufräumer“ stürmten die Philadelphia Flyers in die heute beginnende Finalserie der nordamerikanischen Profiliga NHL und haben nun in der Best of seven-Serie gegen die Chicago Blackhawks die Möglichkeit, zum ersten mal seit 35 Jahren den Stanley-Cup wieder in die Sportstadt Philadelphia zu holen. Vor allem die Art und Weise, wie die Außenseiter aus Philadelphia ins Finale stürmten, hat ihnen auch außerhalb ihrer Heimat viele Sympathien eingebracht. Erst am letzten Spieltag der regulären Saison qualifizierten sich die Flyers im dramatischsten aller Szenarien, dem Penaltyschießen, für die Play-offs. Den anschließenden Erstrundensieg über die favorisierten New Jersey Devils bezahlte Philadelphia mit den Ausfällen ihrer Topstürmer Simon Gagné und Jeff Carter, sodass niemand der Mannschaft in der kommenden Runde gegen die Boston Bruins eine Chance aufs Weiterkommen einräumte. Schon gar nicht, nachdem Boston die ersten drei Spiele für sich entscheiden konnte. Am Ende gelang es den Flyers, die zwischenzeitlich auch noch ihren Torhüter wegen einer Verletzung verloren, erst als drittes Team in der 93-jährigen Geschichte der NHL, einen 0:3-Serienrückstand noch zu drehen. „Es ist bis hierhin eine unglaubliche Reise gewesen und nun wollen wir sie erfolgreich beenden“, sagt Verteidiger Kimmo Timonen vor dem heutigen ersten Endspiel in Chicago.

Die Blackhawks stellen im Finale den Gegenpart zu den Überlebenskünstlern aus Philadelphia. Jung, dynamisch, hochtalentiert – Chicago geht als klarer Favorit in die Endspielserie. In Jonathan Toews, Brent Seabrook und Duncan Keith hat das Team drei kanadische Goldmedaillengewinner aus Vancouver in seinen Reihen.

„Wir haben ebenfalls sehr viel Qualität“, sagt Philadelphias Trainer Peter Laviolette, der in der Endspielserie wieder auf Ian Laperriere zurückgreifen kann. Dessen schnelle Genesung und sein großer Einsatzwillen, als er sich in den Schuss seines Gegenspielers warf, waren der NHL einen Werbetrailer für das Finale wert. „What if Ian didn’t believe in sacrifice?“ - fragt ein Schriftzug den Fernsehzuschauer nach Ende des Spots. „Was, wenn Ian nicht an Opferbereitschaft geglaubt hätte?“

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