Sport : Eishockey: Eisbären als Lachnummer

Claus Vetter

Der EHC Eisbären, ein Eishockey-Klub zum Anfassen? Das war einmal. Seit dem Einstieg der amerikanischen Anschutz-Gruppe im Sommer 1999 sind die Zeiten passé, in denen hemdsärmelige Manager und Präsidenten mitunter schulterklopfend beim Bierchen die Dinge im Sportforum Hohenschönhausen regelten. Finanziell wurden die Eisbären nicht immer solide geführt, am sportlichen Erfolg gab es aber in den drei Jahren vor Anschutz wenig zu mäkeln.

Der neue Eigner hat den Klub vor dem Finanzkollaps gerettet, sein Abonnement auf die Play-offs hat der EHC allerdings abgeben müssen. In der Vorsaison wurden die Eisbären Drittletzter, elf Spiele vor Ende der Hauptrunde dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sind sie Vorletzter. Die Abstiegsrunden-Tristesse aus dem Vorjahr ist längst wieder im Sportforum eingekehrt. Zum Glück wird in der DEL kein Absteiger mehr ausgespielt, sonst würden die Gegner auch noch nach Ende der Hauptrunde am 18. März ihren Schabernack mit den Eisbären treiben dürfen. So wie die Scorpions am Dienstag. Die Hannoveraner hatten sich ohne Spielwitz zu einem 5:3 beim EHC gestolpert, und deren Trainer Olle Öst wirbelte nach dem Geschenke-Abend eine Video-Kassette mit der Aufzeichnung des Spiels durch die Luft. "Die hier will ich mir gar nicht anschauen", sagte Öst. "Da hole ich mir lieber morgen einen Lotto-Schein."

Uli Egen fand das nicht amüsant. Kein Wunder, denn es erscheint fraglich, ob der EHC-Coach ein neues Vertragsangebot bekommt. Was heißt es schon, dass am Dienstag zwei Verantwortliche der europäischen Anschutz-Filiale verlauten ließen, man werde mit Egen verhandeln? Die Herren antworteten trotz englischer Amtsbezeichnungen zwar auf Deutsch, angesichts des dürftigen Informationsgehaltes hätten Chris Reynolds, neuer "Director of Hockey Operations" bei Anschutz, und Detlef Kornett ("Managing Director") aber auch serbokroatisch sprechen können.

Beim Eisbären-Eigner wird alles hinter verschlossener Tür geregelt. Da kommen sich Journalisten vor wie bei einer Game-Show, in der der Jackpot nicht zu knacken ist. Kostprobe: Bis wann läuft der neue Vertrag von Manager Peter John Lee? Antwort Kornett: "Lee hat den Vertrag nicht verlängert bekommen, der hatte immer schon einen." Ein unbefristetes Arbeitsverhältnis also? "Ein Vertrag läuft dann aus, wenn sie ihn auflösen." Ach so. Und die Spieler haben auch Rentenverträge? Natürlich nicht, sagt Kornett, da wird momentan verhandelt. Aber bitte keine Namen. Nur das: Man rede mit guten Spielern, schließlich wolle man ein Spitzenteam zusammenstellen. Also wird ordentlich reingebuttert? "Nein, wir müssen sparen", sagt Reynolds. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass der Etat für die kommende Saison Geheimsache ist. Manchmal, aber nur manchmal, wünscht man sich die alten Zeiten bei den Eisbären zurück.

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