Eishockey : Eisbären bäumen sich zu spät auf

Die Eisbären kommen gegen Hamburg lange nicht ins Spiel und verlieren den Play-off-Auftakt mit 2:4. Aber immerhin zeigen sie gegen Ende der Partie, wie Play-off-Eishockey aussehen kann.

Katrin Schulze
Eisbaeren
Ein Bein gestellt. Die Eisbären stolperten über Hamburg. -Foto: dpa

BerlinDie Nervosität war nicht zu übersehen. Oder war es etwa der Respekt vor dem Gegner, der die Eisbären anfangs so angespannt agieren ließ? Schließlich hatten die Berliner gegen die Hamburg Freezers ihre schlechteste Bilanz der Hauptrunde hingelegt und nur zwei von zwölf möglichen Punkten geholt. Vielleicht gab Trainer Don Jackson jedem seiner Spieler deshalb vor der Partie noch einen zusätzlichen Motivationsschub, indem er einem nach dem anderen einen ordentlichen Klaps auf den Rücken verpasste. Doch geholfen hat das nicht: Viel zu nachlässig stellten sich die Berliner im Play-off-Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Hamburger am gestrigen Abend an – und verloren das erste Spiel der Best-of-seven-Serie 2:4 (0:2, 2:1, 0:1).

„Es ist die Zeit, auf die jeder wartet“, hatte Jackson vorher gesagt. „Die Hauptrunde ist wichtig, aber in den Play-offs geht es halt um alles.“ Was der Berliner Trainer vor dem Spiel so bedeutungsvoll formulierte, konnten seine Profis auf dem Eis nicht umsetzen. Während die Eisbären den Gästen viel zu oft hinterherliefen, präsentierten sich die Freezers vor 5000 Zuschauern im ausverkauften Sportforum in Play-off-Laune. Das kam nicht von ungefähr, denn sie zogen in der Qualifikation gegen Ingolstadt nicht nur zum sechsten Mal in Folge ins Viertelfinale ein, sondern konnten sich vergangene Woche auch auf den Rhythmus der Endrunde einstellen.

Der hohe Einsatz der Hamburger sollte sich bereits in der zweiten Minute auszahlen: Marc Beaucage schoss aus Nahdistanz ins Tor von Eisbären-Goalie Rob Zepp. Doch auch davon wachten die Eisbären vorläufig nicht auf, sondern mussten sogar noch den 0:2-Rückstand durch Brad Smyth hinnehmen. Selbst mit zwei Überzahlsituationen wussten die Berliner, denen mit Steve Walker ihr wichtigster Spieler wegen eines Kreuzbandteilrisses fehlte, im Anfangsabschnitt nicht viel anzufangen. Vielmehr waren sie damit beschäftigt, sich auf Provokationen des Gegners und Diskussionen mit den Schiedsrichtern einzulassen. So wurde auch Don Jackson zunehmend lauter. Auf einem Zettel, dessen sorgfältige Faltung er in regelmäßigen Abständen überprüfte, musste er sich einige unerfreuliche Notizen machen.

Auf der anderen Seite zeigten die Hamburger, warum sie „gegen die Eisbären immer sehr gut aussehen“, wie ihr Sportdirektor Bob Leslie sagt. Fast alle Zweikämpfe konnten sie für sich entscheiden und ließen den Gastgebern kaum Platz. Logische Konsequenz: das 3:0 durch Francois Fortier. Die Niederlage der Berliner schien besiegelt. Doch irgendwie schafften es die Eisbären nach gut der Hälfte der Partie, der robusten Spielweise des Gegners etwas entgegenzusetzen. Endlich waren auch die Berliner nach einer Pause von gut einer Woche und 30 Spielminuten in den Play-offs angekommen: Durch zwei Überzahlspiele, in denen Stefan Ustorf und Andrè Rankel trafen, gelang ihnen der 2:3-Anschluss. Und auch danach übten sie mehr Druck auf das Hamburger Tor aus und machten eine schon verloren geglaubte Partie noch spannend. Allerdings konnten André Rankel und Stefan Ustorf auch beste Chancen nicht verwerten – das Aufbäumen der Eisbären kam zu spät. Die Berliner mussten kurz vor Schluss durch einen Schuss von Benoit Gratton ins leere Tor sogar noch das 2:4 hinnehmen.

Schließlich verloren die Eisbären eine hitzige und dramatische Begegnung, weil sie erst viel zu spät ins Spiel fanden. Aber immerhin zeigten sie gegen Ende der Partie, wie Play-off-Eishockey aussehen kann, und dass Nervosität in dieser Phase der Saison fehl am Platz ist. Am Donnerstag folgt Teil zwei der Serie in Hamburg.

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