Eishockey: Eisbären Berlin : Mal schlampig, mal genial

Constantin Braun personifiziert mit seinen schwankenden Leistungen die diesjährigen Eisbären. In den ersten beiden Halbfinalspielen gegen Krefeld zeigten sich Braun und die Eisbären von ihrer starken Seite. Gelingt dies auch im dritten Spiel am Sonntag?

von
Blueliner mit Bums. Constantin Braun (r.) überzeugte in Spiel zwei gegen Krefeld mit einem Tor und drei Assists.
Blueliner mit Bums. Constantin Braun (r.) überzeugte in Spiel zwei gegen Krefeld mit einem Tor und drei Assists.Foto: dpa

Constantin Braun ist eine imposante Erscheinung. Selbst in Badelatschen. Oder erst recht. Wenn er in Shorts und T-Shirt nach Spielen der Eisbären vor der Berliner Umkleidekabine über Geschehenes plaudert, liegt der Blick frei auf die vielen Tattoos, die den Körper des großgewachsenen Verteidigers zieren. Dann gibt es entweder den Niederlagen- oder den Gewinner-Braun. Der Niederlagen-Braun gibt bevorzugt übelgelaunt Kurzsätze ab. Am späten Freitagabend hatte aber der Gewinner-Braun seinen Auftritt und der gab mit sonorer Stimme Strukturiertes von sich. Er war in Topform, wenn es darum ging, den rechten Ton zu treffen.

Ein Tor und drei Assists hatte Braun zum 5:2-Erfolg der Berliner über Krefeld im zweiten Play-off-Halbfinalspiel um die deutsche Eishockeymeisterschaft beigetragen, eine strahlende persönliche Bilanz. Aber Braun sagte, danach gefragt, korrekt, die Mannschaft habe Komplimente verdient. „Ich wäre genauso happy auch ohne einen einzigen Punkt.“

Die Mannschaft hatte den Gegner vorgeführt. Die Krefeld Pinguine scheinen im Halbfinale gegen die Eisbären kein Mittel zu finden. Nach zwei Siegen können die Berliner am Sonntag mit einem Erfolg in Krefeld (14.30 Uhr, live auf Servus TV) in die Finalserie einziehen – und das, obwohl sie bislang in den Play-offs nicht immer überzeugt haben. Constantin Brauns Leistungsschwankungen stehen für ein Team, das Auszeiten nimmt, dann aber Chancen eiskalt nutzt. Der einst von Trainer Don Jackson vom Stürmer zum Verteidiger umfunktionierte Mann aus Lampertheim kann zulegen, wenn es nötig ist.

Constantin Braun ist auch mal schlampiges Talent, allerdings ein sehr großes Talent. Seine harten Schüsse von der blauen Linie treffen oft nicht das Ziel, aber sie sind heftig und können Nachwirkungen haben – wie der Abpraller von der Bande, der am Freitag im zweiten Spiel gegen Krefeld zum 1:0 für die Eisbären durch Mads Christensen führte. Aber so am Tor vorbei an die Bande zu ballern, dass der Puck vor das Tor zurückprallt, ist ja auch ein Mittel auf dem Weg zum Torerfolg im modernen Eishockey. Auch das wird geübt und Präzisionsdistanzschützen wie etwa den Hannoveraner Sascha Goc, der jeden Schuss von der blauen Linie auf den Torwart bringt, gibt es halt in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ganz wenige.

Constantin Braun ist eher der Mann, der es mit brachialer Gewalt versucht und aufgrund seiner Übersicht und läuferischen Fähigkeiten eben häufig in gute Schusspositionen kommt. Am Ende seiner Entwicklung sei Braun allerdings nicht, sagt Trainer Jackson: „Wir arbeiten daran, dass er noch besser wird.“ Da sei noch viel Potenzial. Vielleicht sogar zu viel für die DEL, denn einst haben sich die Los Angeles Kings aus der nordamerikanischen Profiliga NHL die Rechte an dem im Nachwuchs der Adler Mannheim groß gewordenen Braun gesichert. Allerdings warfen ihn Verletzungen und Formschwankungen immer wieder zurück, so dass es mit nunmehr 25 Jahren für Braun doch eher nach einer langen Karriere im Wohlfühlbecken Eisbären aussieht. Schließlich spielt dort auch sein jüngerer Bruder Laurin und so schlecht ist eine Karriere beim seit Jahren erfolgreichsten deutschen Eishockeyklub ja auch nicht.

Wieder einmal scheinen die Eisbären auf dem Weg zur nächsten Finalteilnahme zu sein – für Constantin Braun wäre es schon die sechste Endspielserie. Doch er wusste am Freitag natürlich, dass er davon noch nicht sprechen durfte. „Wir haben zwei Spiele in einer Best-of-five-Serie gewonnen. Da kommt noch ein hartes Stück Arbeit auf uns zu. Krefeld muss gewinnen, und die werden um ihr Leben kämpfen am Sonntag“, sagte der Spieler der Eisbären, der besonders stark ist, wenn er kämpft.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben