Eishockey : Eisbären gegen Hamburger Hartnäckigkeit

Die Eisbären stehen im Play-off-Viertelfinale vor einer schweren Serie. Das Los, in der Best-of-seven-Serie auf die Hamburger Freezers zu treffen, ist nach statistischen Werten gesehen für die Berliner eine Katastrophe.

Claus Vetter

BerlinVor ein paar Wochen haben sich die Freezers bei der Hamburger CDU keine Freunde gemacht. Um für Zuschauer zu werben, ließ der Klub 2500 Plakataufsteller der Volkspartei überkleben – mit Köpfen von Freezers-Spielern. Statt dem Regierenden Bürgermeister Ole von Beust stand nun Stürmer Alexander Barta zur Wahl: Eine dreiste Aktion, die aber irgendwie zu den Hamburgern passt. Nach vielen peinlichen Auftritten in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) war das teure Hamburger Team längst Gespött der Liga. Dann aber fertigte der Außenseiter Titelfavorit Eisbären 7:1 ab. Seit diesem 17. Februar haben die Freezers nur eines von elf Spielen verloren. Mit Dreistigkeit haben sie sich über den Umweg Qualifikation ins Play-off-Viertelfinale gekämpft. Dort spielen sie ab heute nun gegen die Eisbären. Ausgerechnet.

Das Los, in der Best-of-seven-Serie auf die Freezers zu treffen, ist nach statistischen Werten gesehen für die Berliner eine Katastrophe. Die Saisonbilanz gegen die ebenfalls der Anschutz-Gruppe gehörenden Hamburger: 9:19 Tore, zwei von zwölf Punkten. Das lässt sich nicht herunterspielen. Don Jackson versucht es auch kaum. Natürlich habe seine Mannschaft zwei der schlechtesten Spiele gegen „diesen Klub“ aus Hamburg gezeigt, sagt der Eisbären-Trainer, aber: „Niemand hat gesagt, dass das nun nicht interessant wird.“

So sieht es aus, der Tabellenzweite aus Berlin ist nicht klarer Favorit gegen den Siebten. Die Freezers haben zuletzt keine Nerven gezeigt. Die Qualifikationsserie gegen Ingolstadt war mentales Training für die Play-offs: 22 Sekunden haben in Spiel zwei Hamburg zum Saisonaus gefehlt – dann glichen die Freezers aus, gewannen nach Verlängerung und in Spiel drei. Die Berliner dagegen hatten seit Januar schwankende Form. Bundestrainer Uwe Krupp, der sich heute das erste von bis zu sieben Spielen im Sportforum anschaut (Beginn 19.30 Uhr), weiß um dieses Problem. „Hamburg ist hartnäckig, die Freezers spielen zurzeit ihr bestes Eishockey der Saison.“ Die Eisbären müssten versuchen, die Erinnerung beim Gegner an schlechte Saisonphasen aufzuhellen: „Die müssen die Hamburger am eigenen Selbstbewusstsein zweifeln lassen.“

Wie kann das funktionieren? Mit schnellem, offensivem Spiel, das die Stärke der Eisbären ist: 231 Tore haben die Berliner in der Hauptrunde geschossen, aber da hat Steve Walker noch mitgeholfen. Der Topscorer fehlt nun wegen seines Kreuzbandanrisses – genau wie Torwart Youri Ziffzer (Adduktorenprobleme). Hinter Rob Zepp wird Etienne Renkewitz als Reservekeeper fungieren. Der 20 Jahre alte Berliner hat keine DEL-Erfahrung. Was nun, wenn sich Zepp verletzt? „Ich traue Renkewitz zu, dass er in die Rolle hineinwächst“, sagt Eisbären-Kotrainer Jeff Tomlinson. Auf der Torwartposition sind die Freezers mit den beiden US-Amerikanern Philippe Sauvé und Jean-Marc Pelletier aber wohl besser besetzt als die Eisbären. Zudem agieren die Hamburger robuster als die Berliner – in jeder Hinsicht. Nach der Plakatüberkleberei kamen wieder mehr Zuschauer in die Hamburger Arena – der CDU schadete die Aktion übrigens nicht, sie wurde erneut stärkste Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft.

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