Eishockey : Eisbären: Schatten und Nebel

Die Eisbären suchen den verlorenen Spaß am Spiel. Am Freitag treten die Berliner bei Adler Mannheim an.

Claus Vetter

Ein wenig muss sich Don Jackson zurzeit so vorkommen wie Woody Allen in „Schatten und Nebel“. In seinem kafkaesken Film irrt Hauptdarsteller Allen durch die düsteren Gassen eines Pseudo-Prags und fragt verzweifelt alle möglichen Menschen nach „dem Plan“. Natürlich kennt ihn keiner. Nun ist Jackson auch Regisseur im weiteren Sinne und auch einer, dem momentan in seiner Funktion als Trainer der Eisbären Berlin der ganz große Plan zu fehlen scheint. Das ist problematisch, zumal viele Gegner des Deutschen Eishockeymeisters wissen, was zu tun ist, um die Berliner zu ärgern. Selbst dem Tabellenletzten Duisburg gelang das zuletzt mit einem erstaunlichen 4:2 in Berlin. Warum? „Weil wir uns an den Plan gehalten haben“, sagte Duisburgs Trainer Willy Mühlenhaus.

Die Sache mit den gegnerischen Planspielen. Auch Deron Quint führt das als Erklärung für die wechselhaften Auftritte seiner Mannschaft an. Der Verteidiger der Eisbären sagt: „Wir spielen gegen Gegner, die gegen uns mit einer enggesteckten Taktik arbeiten. Duisburg macht das genauso wie Hannover. Die hauen den Puck aus dem eigenen Drittel raus, so oft es geht, und kontern dich dann aus.“

Laut Trainer Jackson sollen seine Spieler mehr Spaß haben

Es ist nicht erstaunlich, dass die Berliner den Plan ihrer Gegner erkannt haben. Doch welchen Plan setzen die Eisbären jetzt dagegen? „Unser Plan sieht so aus, dass die Spieler Spaß haben sollen“, sagt Jackson. Daran ändere sich auch nichts nach einer Niederlage. Es scheint aber so, als habe der Regisseur einen sinkenden Spaßfaktor bei seinen Akteuren beobachtet. So hat Jackson tatsächlich gesagt: „Wir spielen schlechter als letztes Jahr.“ Und er hat eine für ihn nebulös erscheinende Unsicherheit bei seinem lange leistungstragenden Personal festgestellt. „Warum Denis Pederson nicht mehr in guten Situationen den Puck sofort aufs Tor schießt, anstatt ihn nach einem Pass zu stoppen – ich weiß es nicht“, sagt der Trainer.

Viele Teams in der DEL haben zurzeit eine Schwächephase

Vielleicht steckt Jacksons Team auch in einer Januar-Depression, was rund sechs Wochen vor Beginn der Play-offs in der Deutschen Eishockey-Liga nicht unüblich ist. Mit einem Mangel an Kontinuität kämpfen momentan viele Teams, auch der Berliner Gegner am Freitag, die Adler Mannheim. Dabei ist das Spiel zwischen dem Tabellendritten und dem Zweiten aus Berlin ein kleines Endspiel um Rang zwei. Der Ausgang der Partie ist schwer vorauszusagen: Zu planlos zeigten sich beide Teams zuletzt.

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