Eishockey : Endstation Stockholm: Greiss nicht im Team

Während andere Deutsche in der nordamerikanischen Profiliga sogar Titelchancen haben, steht Nationaltorwart Thomas Greiss zum NHL-Start vorm Aus.

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Von Finnen verdrängt. Thomas Greiss hat seinen Platz im Tor der San Jose Sharks kurz vor Saisonbeginn verloren.
Von Finnen verdrängt. Thomas Greiss hat seinen Platz im Tor der San Jose Sharks kurz vor Saisonbeginn verloren.Foto: p-a/Landov

Berlin - Die Reise nach Stockholm hatte sich Thomas Greiss anders vorgestellt. Der deutsche Eishockey-Nationaltorwart, der in der nordamerikanischen Profiliga NHL für die San Jose Sharks spielt, wollte in Schweden beweisen, wie gut er spielen kann. Daraus wird nun nichts werden. Greiss hat es nicht ins Team geschafft.

Am Donnerstagabend startet die NHL in Helsinki mit dem Spiel der Carolina Hurricanes gegen Minnesota Wild in ihre neue Saison. Einen Tag später greifen dann auch die Sharks ein, sie spielen in Stockholm gegen die Blue Jackets aus Columbus. Seit Jahren verlegt die NHL ihren Auftakt in europäische Städte – vor allem, um die eishockeybegeisterten Zuschauer in Skandinavien für die Liga zu gewinnen.

Auch Thomas Greiss wollte in Stockholm für Begeisterung sorgen, doch anstatt auf dem Eis zu stehen, wird er von der Tribüne aus zusehen müssen. Dabei hatte es vor wenigen Monaten noch gut ausgesehen für Greiss. Jewgeni Nabokow, ein russischer Startorhüter, verließ San Jose Richtung Sankt Petersburg. Der Weg schien frei für Greiss, der bei seinen Einsätzen für die Sharks in der vergangenen Saison einen guten Eindruck hinterließ. Doch dann verpflichtete der Klub aus Kalifornien die finnischen Spitzentorhüter Antero Niittymaki und Antti Niemi. Letzterer führte die Chicago Blackhawks in der vergangenen Saison zur Meisterschaft, Niittymaki spielte in Tampa Bay ebenfalls eine überragende Serie. Für Greiss ist da kein Platz mehr.

So wie Thomas Greiss ging es zuletzt einigen deutschen Eishockeyspielern in der NHL. Christoph Schubert wurde weder in Ottawa noch in Atlanta richtig glücklich und kehrte nach Europa zurück. Schubert wird künftig für Vastra Frölunda in Schweden spielen. Die deutschen Nachwuchstalente Marcel Müller und Korbinian Holzer, in diesem Sommer gerade erst nach Nordamerika gewechselt, müssen sich in dieser Saison zuerst bei der Ausbildungsmannschaft der Toronto Maple Leafs, den Toronto Marlies beweisen. Verteidiger Alexander Sulzer pendelt in Nashville zwischen der ersten Mannschaft und dem Ausbildungsteam Milwaukee Admirals, durchsetzen konnte er sich bisher nicht. Sulzers Teamkollege Marcel Goc ist da schon weiter. Er etablierte sich in der vergangenen Spielzeit bei den Nashville Predators unter den ersten zwölf Angreifern und gehört auch in der neuen Saison wie vier weitere deutsche Spieler zum Stammpersonal bei einem NHL-Klub.

Um den Stanley-Cup werden Goc und seine Predators laut Expertenmeinung aber nicht mitspielen. Genauso wenig wie Jochen Hecht und seine Buffalo Sabres. Zu den Meisterschaftsfavoriten zählen die Fachleute andere. Die Vancouver Canucks etwa, mit ihrem Verteidiger Christian Ehrhoff oder die Boston Bruins, bei denen mit Dennis Seidenberg und Marco Sturm gleich zwei Deutsche im Team stehen. Sturm wird aber nach seinem zweiten Kreuzbandriss innerhalb von 17 Monaten frühestens im November wieder spielen können und so den Saisonauftakt seiner Mannschaft am Freitag in Prag gegen Phoenix verpassen.

Ob Thomas Greiss im November noch in der NHL sein wird, ist fraglich. San Joses Trainer Todd McLellan hatte vor der Abreise nach Stockholm im amerikanischen Fernsehen gesagt: „Es kann gut sein, dass wir nach den Spielen gegen Columbus noch etwas an unserem Kader verändern und Spieler abgeben.“ Greiss wäre wohl einer der ersten Kandidaten für einen Wechsel. Der 24-Jährige hatte zwar immer wieder betont, in der NHL bleiben zu wollen, doch momentan sind bei den meisten Klubs die Torhüterplätze vergeben. Nicht so in Minnesota, wo Josh Harding wegen einer Verletzung lange ausfallen wird.

Aus diesem Grund hat Minnesota Dennis Endras ins Trainingscamp nach Helsinki bestellt. Endras, der deutsche WM-Held, steht in Minnesota bereits unter Vertrag, soll aber erst 2011 dorthin wechseln. So lange spielt er noch in der DEL bei den Augsburger Panthern. In Helsinki wollen sich die Verantwortlichen der Wild schonmal ein Bild von ihm machen. Endras könnte in Skandinavien den Grundstein für eine NHL-Karriere legen. Für Thomas Greiss endet sie dagegen wohl in Schweden.

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