Sport : Eishockey: Gegen die Besten geht es besser

Claus Vetter

Wenn der erfolgsverwöhnte Trainer vom deutschen Eishockey-Meister München Barons, Sean Simpson, feststellen muss, dass sich seine Mannschaft auch einmal "einen schlechten Tag erlauben darf", dann müssen die Capitals vorbeigeschaut haben. Denn die Berliner spielen derzeit lieber auswärts - etwa beim Vizemeister der vergangenen Saison, den Kölner Haien, oder, wie vorgestern, beim Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in München als im eigenen Stadion gegen den Letzten (Essen) oder den Vorletzten (Augsburg). Zwei Niederlagen hatten die Capitals kurz vor dem Jahreswechsel zu verdauen, ehe kurz darauf in Köln (2:1) und schließlich am Freitag 5:2 in München gewonnen wurde. Die Erklärung für diese nicht alltägliche Bilanz fällt vergleichsweise simpel aus. "In Köln und München haben wir eben die Tore geschossen", sagt Trainer Chris Valentine, "die wir gegen Essen oder Augsburg nicht geschossen haben."

Nüchtern betrachtet verlangen die jüngsten Resultate der Capitals gegen Vereine der gehobenen Gesellschaft der DEL großen Respekt. Seit Freitag sind die Berliner wieder Tabellenzweiter. Nach fünf sieglosen Spielen in Folge und dem damit verbundenen Sturz auf Platz sechs war dieser Aufschwung nicht unbedingt zu prognostizieren. Oder doch? Ein Spiel gegen den Tabellenletzten Essen sei eben nicht so einfach wie es scheine, meint etwa Verteidiger Mike Pellegrims. "Da hatten wir mit unserer Einstellung große Probleme, auch wenn so etwas eigentlich nicht passieren darf." Starke Gegner wie Köln oder München seien nach den Niederlagen gegen Teams aus dem Tabellenkeller gerade recht gekommen. Da habe die Mannschaft keine Motivationshilfe nötig.

Freilich haben auch andere Umstände mitgeholfen. Mit Yvon Corriveau ist ein Spieler in den Kader zurückgekehrt, der für die nötige Härte im Zweikampf sorgt. Nicht zuletzt profitiert davon sein Sturmpartner Robert Guillet, der, wie Corriveau, nach einer verletzungsbedingter Pause nun wieder Torjägerqualitäten zeigt: In München erzielte Guillet das Tor zum 2:0. Zudem hat Pellegrims mit Toren in Köln und München demonstriert, dass er wieder in Schwung gekommen ist.

Gemessen an ihren jüngsten Taten müssten die Capitals der nächsten Aufgabe gelassen entgegen blicken. Heute kommt nämlich mit den Mannheimer Adlern ein Mitfavorit um den Titel in die Eissporthalle an der Jafféstraße (Beginn 15.30 Uhr). Eine Ansetzung, die nicht ohne Brisanz ist. Mannheim war vor den Capitals die letzte Trainerstation von Chris Valentine. Und bei den Adlern hat man den Kanadier in der zurückliegenden Saison erst beurlaubt und ihn im Nachhinein auch nicht gerade mit Komplimenten überhäuft. Mannheims Manager Marcus Kuhl plappert gern davon, dass sich Valentine am liebsten die Cowboystiefel angezogen habe, um dann in seiner Kabine im Fernsehern statt Videoaufzeichnungen von Spielen Western zu glotzen. Es spricht für Valentine, dass er sich am eher niveaulosen Mannheimer Komödienstadel nicht beteiligt, sich hinsichtlich der Äußerungen von Kuhl bedeckt hält.

Die Konzentration gilt bei Valentine allein dem sportlichen Teil und da galt es gestern wieder ein paar negative Botschaften zu verdauen. Verteidiger Dandenault bekam in München den Schläger eines Gegenspielers ins Gesicht und darüber dürfte sich nur sein Zahnarzt gefreut haben. Wie bei Liimatainen (Muskelverhärtung) ist der Einsatz von Dandenault für heute fraglich. Schiffl (Muskelfaserriss) wird hingegen in jedem Fall passen. "Verletzte haben die anderen auch", meint aber Pellegrims. Das entschuldige keine Niederlagen.

So weit soll es heute bei den Capitals nach Wunsch auch nicht kommen. "Wir werden die gleiche Linie wie beim 5:2 von München spielen", sagt Valentine, "stark im eigenen Drittel und nicht mit zu viel Euphorie." Nur so hat man wohl die besten Voraussetzungen bei den Capitals, dass nach dem heutigen Spiel Mannheims Trainer Bill Stewart seinem Team einen schlechten Tag gestattet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben