Sport : Eishockey: Goc folgt Sturm

Eishockeyprofi Marcel Goc könnte schon bald gemeinsam mit seinem Nationalmannschaftskollegen Marco Sturm bei den San Jose Sharks auf Torejagd in der nordamerikanischen Profiliga NHL gehen. Der Klub aus Kalifornien entschied sich bei seinem ersten "Pick" beim jährlichen Draft der besten Nachwuchsspieler aus Nordamerika und Europa für den 17 Jahre alten Angreifer der Schwenninger Wild Wings.

"Der Klub ist mir eigentlich egal. Hauptsache, ich werde gedraftet", hatte Goc vor der mit Spannung erwarteten Spielerziehung gesagt. Insgeheim hatte er wohl auf einen Ruf aus San Jose gehofft. Bei der Weltmeisterschaft in Deutschland hatte er sich sehr intensiv mit Sturm ausgetauscht. Die WM war für Goc die große Bühne zum Vorspielen für die Talentspäher aus der NHL. Sogar der frühere Weltstar Wayne Gretzky, der die WM als kanadischer Teammanager verfolgt hatte, schwärmte von dem Milchgesicht aus dem Schwarzwald. "Der Junge steht auf unserer Liste", sagte Gretzky, der nach seiner aktiven Karriere jetzt den Phoenix Coyots als Teambesitzer vorsteht.

Dass es sogar zu einem Pick in der ersten Runde reichen würde, überraschte die Fachleute doch ein wenig. "Kompliment an Marcel. Das ist die Bestätigung für seine guten Leistungen. Er hat die Zukunft noch vor sich. Ein bis zwei Jahre in Deutschland werden ihm aber sicherlich noch gut tun", sagte Sportdirektor Franz Reindl vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB).

Goc wurde als insgesamt 20. Spieler gezogen und ist damit dritter Deutscher nach Sturm (1996) und Torwart Olaf Kölzig (1989/Washington Capitals), der gleich in der ersten Runde gedraftet wurde. Ein sofortiger Wechsel des Jungstars scheint allerdings eher unwahrscheinlich. Einstweilen haben sich die Sharks nur die Rechte an Goc gesichert, ein Vertrag wird wohl erst später ausgehandelt. Der Mittelstürmer wird wohl zunächst eine weitere Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielen, ehe er seinem fünf Jahre älteren Bruder Sascha nach Nordamerika folgt. Sascha Goc wurde 1997 vom diesjährigen Vizemeister New Jersey Devils gezogen und absolvierte in der abgelaufenen Saison seine ersten elf Einsätze in der stärksten Liga der Welt. In den Jahren zuvor hatte er ausschließlich im Farmteam der Devils gespielt.

Dass sich die Sharks abermals für einen deutschen Spieler im Draft entschieden, ist kein Zufall. Zum einen sammelte der Klub gute Erfahrungen mit Marco Sturm, zum anderen ist San Joses Vorliebe für Europäer bekannt. Sechs ihrer letzten 13 Erstrunden-Verpflichtungen waren Europäer. General Manager Dean Lombardi schwärmt von den Profis aus der Alten Welt: "Ich mag deren Mentalität. Die europäischen Spieler sind bereit, hart an sich zu arbeiten."

Das gilt wohl auch für den Russen Ilja Kowaltschuk. Der 18-Jährige wurde als erster Spieler gezogen und spielt künftig für die Atlanta Thrashers. "Das war die beste Entscheidung für die Zukunft unseres Klubs", sagte General Manager Don Waddell erfreut. Kowaltschuk ist der erste russische Spieler, der als Nummer eins gedraftet wurde. In der russischen Liga erzielte er in 40 Spielen 28 Tore und weitere elf Treffer in sechs Partien bei der Junioren-WM in Lahti.

Kanadas Nachwuchsstar Jason Spezza war am Samstagabend nur zweite Wahl. Der Mittelstürmer spielt künftig für die Ottawa Senators, die sich den zweiten Pick durch den Transfer des Russen Superstars Alexej Jaschin zu den New York Islanders sicherten. Spezza benötigte in der Ontario Hockey League nur 56 Spiele, um 43 Treffer zu erzielen und 73 Vorlagen zu geben.

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