Sport : Eishockey: Gute Nachricht, schlechte Nachricht

Sven Goldmann

Der Eishockeyfan hierzulande ist derart konditioniert, dass er auch im Sommer stets an seine Sportart denkt. Prozesse, Konkurse und Betrügereien, dafür ist das deutsche Eishockey auch bei 25 Grad im Schatten immer zu haben. Die neueste Meldung kommt aus Hannover. Beim dortigen Arbeitsamt sollen sich ein paar Profis eine Million Mark an Arbeitslosengeld erschlichen haben.

Das ist schade, für den Steuerzahler, die mitleidenden Fans - und für Marcel Goc. Denn der Betrug von Hannover verschleiert ein wenig, dass es in diesem Sommer auch eine positive Nachricht gibt. Eben die von Marcel Goc, der beim Draft, der alljährlichen Spielerziehung der nordamerikanischen Profiliga NHL, als einer der 20 besten Nachwuchsspieler der Welt eingestuft wurde.

Marcel Goc ist ein Ausnahmetalent und doch kein Einzelfall. Neben dem 17-jährigen Schwenninger wurden beim Draft drei weitere Deutsche gezogen: Christian Ehrhoff, Dimitri Pätzold und Christoph Schubert. Das heißt zunächst wenig. Mit dem Draft sichern sich die Klubs allein die Rechte an den Spielern für eine eventuelle Karriere in Nordamerika. Die Auswahlkriterien sind mitunter schwer nachzuvollziehen. Mal zählt allein die Körpergröße, manchmal auch die Zahl der Strafminuten. Das führt dazu, dass die überwiegende Mehrzahl aller gedrafteten Spieler nie in der NHL spielen wird.

Und doch ist es im konkreten Fall das Symbol, das zählt. Vier Deutsche in einem Draft, das hat es noch nie gegeben (im Vorjahr war kein einziger dabei). Die NHL ist aufmerksam geworden, nicht erst seit der perfekt organisierten Weltmeisterschaft in diesem Frühling. Vielleicht also werden die deutschen Fans den einen oder anderen Spieler künftig nicht mehr live zu sehen bekommen. Aber dafür müssen sie im Sommer nicht mehr ausschließlich von Konkursen, Prozessen und Betrügereien lesen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar