Eishockey : Hannover Scorpions: Der Bau bröckelt

Eishockeymeister Hannover Scorpions scheidet schon im Viertelfinale aus und verliert Leistungsträger. Der Geldgeber reagiert und geht nun ans Fundament: Der Etat soll gekürzt werden.

Ron Ulrich

Berlin - Es muss für Bauunternehmer besonders schmerzlich sein zu sehen, wie ein Konstrukt in sich zusammen bricht. Günter Papenburg ist Bauunternehmer – und Mäzen der Hannover Scorpions. War im letzten Jahr mit dem überraschenden Titelgewinn der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) noch ein echter Coup gelungen, steht man in Hannover nun vor den Trümmern.

Der Titelverteidiger ist am Donnerstagabend gegen Krefeld bereits im Viertelfinale der Play-offs ausgeschieden, einen Tag später wurde der Abgang des ehemaligen Nationalspielers Klaus Kathan gen München bekannt. Weitere Leistungsträger wie Tore Vikingstad und Thomas Dolak verlassen ebenfalls den Verein. Der Ausverkauf droht. Der Geldgeber reagiert und geht nun ans Fundament: Papenburg kündigt an, den Etat zu kürzen.

Für den Geschäftsführer Marco Stichnoth sind es keine leichten Tage. Er erklärte nach dem Ausscheiden: „Wir hätten die Spieler gerne behalten, weil sie eine Ära mitgeprägt haben.“ Doch jene Ära endete spätestens am Donnerstagabend, als die Krefeld Pinguine den amtierenden Meister mit 5:1 abschossen. Tore Vikingstad, ein echter Ausnahmespieler der Hannoveraner, kämpfte nach seinem letzten Spiel mit den Tränen.

„Dieses Ende ist sehr traurig nach dieser langen Zeit“, erklärte Vikingstad, der nach zehn Jahren DEL und 475 Spielen in seine norwegische Heimat zurückkehrt. Geschäftsführer Stichnoth arbeitete zur gleichen Zeit die Geschehnisse im Play-off-Viertelfinale auf: „Wir konnten die Ausfälle einfach nicht kompensieren.“ Mit Sascha Goc und David Wolf fehlten den Hannoveranern in den entscheidenden Spielen wichtige Kräfte verletzungsbedingt.

Der Kader war zu klein, um die Ausfälle aufzufangen. Wie groß der Aderlass war, zeigte das fünfte Spiel der Serie, als Hannover nach bereits 38 Minuten mit 1:5 zurücklag.

Ebenso fehlte es an der Konzentration. Immer wieder war Krefeld nach Abprallern erfolgreich, als Hannovers Spieler zu spät reagierten. Im Raum vor dem eigenen Tor häuften sich die Fehler. Nicht zuletzt lag das frühe Ausscheiden auch an Hannovers Angstgegner: den Krefeld Pinguinen. „Gegen dieses Team haben wir eine schreckliche Bilanz“, hatte Stichnoth schon vor dem ersten Play-off-Spiel bei einer Pressekonferenz in Berlin düstere Vorahnungen geäußert. Neben ihm saß damals Hans Zach und prognostizierte: „Gegen Krefeld wird es eng.“ Zach war es gewesen, der Hannover im letzten Jahr zum Titel geführt hatte – als der Bau noch keine Risse hatte.

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