Eishockey in Berlin : Die NHL will wiederkommen

Die National Hockey League ist mit dem Spiel Buffalo Sabres gegen Los Angeles Kings durch Berlin gerauscht – und will nächstes Jahr wiederkommen.

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Hart und wenig herzlich. Zwischen Buffalo und Los Angeles ging es in Berlin heftig zur Sache, schließlich war es ein Punktspiel der NHL. Foto: dapd
Hart und wenig herzlich. Zwischen Buffalo und Los Angeles ging es in Berlin heftig zur Sache, schließlich war es ein Punktspiel...Foto: dapd

Als die große Show vorbei war, waren sie zufrieden mit Berlin die vielen verantwortlichen Herren mit den grauen Anzügen von der National Hockey-League (NHL) und die Profis auch. „Das Publikum hier war unglaublich“, sagte Thomas Vanek. Der österreichische Eishockeyprofi in Diensten der Buffalo Sabres erzählte, dass er auf dem Eis „innerlich vor Aufregung gezittert“ habe: „Dass die Zuschauer meinen Namen gebrüllt haben, hat mich erst abgelenkt, aber dann motiviert.“ Immerhin gewann Vanek mit den Sabres 4:2 gegen die Los Angeles Kings.

Die Sympathien der 14 300 Zuschauer waren klar auf Seiten Siegers. Schließlich spielen in Buffalo neben Vanek auch der beste deutsche Verteidiger Christian Ehrhoff und zudem Stürmer Jochen Hecht, der am Sonnabend allerdings verletzt war. Dabei hatten sich die Kings viel Mühe gegeben, das Publikum zu gewinnen. Das Team aus Kalifornien trug bei den Aufwärmübungen das Emblem der Berliner Eisbären auf dem Trikot. Zwar hatte der Klub aus der NHL ein Heimspiel in der Arena am Ostbahnhof, trotzdem waren die Kings nur Gast im eigenen Haus, in dem sonst die Eisbären spielen – sie teilene allerdings mit dem Berliner Klub denselben Eigner, die Anschutz-Gruppe.

Die Idee, in Berlin ein Punktspiel der noch jungen NHL-Saison abzuhalten, war ein kulturelles Experiment, in dem das Drumherum für die europäischen Zuschauer so spannend war, wie das von vielen Werbepausen unterbrochene Spiel selbst. Eingeleitet wurde das Ganze mit der US-amerikanischen und deutschen Nationalhymne, gesungen von einer Gospelsängerin. Davor und danach wurde viel krachende Rockmusik gespielt, gab es Checks und scheppernde Banden auf dem Videowürfel zu bestaunen. Aber es wurde auch Eishockey gespielt – und nicht. Wenn das Spiel stoppte und im US–TV Werbespots liefen, wurden die Zuschauer – auf Englisch – mit einem „Trivia Quiz“ auf dem Videowürfel unterhalten. Frage: Wer war der deutsche Spieler in der NHL mit den meisten Strafminuten? Antwort: Uwe Krupp, 660 Strafminuten.

Wenn die Spieler spielen durften, war es ruhiger als in den Werbepausen. Christian Ehrhoff war nach dem Spiel aber trotzdem mit der Atmosphäre zufrieden. „Als ich das letzte mal in Berlin war, habe ich mit Krefeld noch im Wellblechpalast gespielt“, sagte er. Die neue Arena sei schon eine andere Dimension. „Ich habe sie mir schon mal angeschaut, als sie im Bau war“, sagte er. Überhaupt wirkte Ehrhoff, der bodenständige Rheinländer, nach dem Spiel gerührt. „Für mich war es ein besonderer Tag. Es war schön, wieder in der Heimat zu spielen.“ Schließlich sei es schon komisch: in Amerika Sportstar und im eigenen Land nicht besonders prominent. „Aber das ändert sich. Als ich vergangene Saison mit Vancouver im NHL-Finale war, habe ich viele Anrufe von Journalisten aus Deutschland bekommen.“ Und dann sagte er tatsächlich: „Ich hoffe, dass das so weitergeht.“ Kaum hatte Ehrhoff seinen letzten Satz auf deutsch gesprochen, wurde er schon von den NHL-Bodyguards Richtig Umkleidekabine delegiert. „Mister Ehrhoff won’t allow any extra questions“, hieß es. Mister Ehrhoff scherte sich nicht drum, gab noch ein paar Interviews, bevor er dann mit der Chartermaschine zurück nach Buffalo flog.

Die NHL ist durch Berlin durchgerauscht als bunter Luftballon, was Spiel und Stimmung im Stadion betraf. Es war etwas anderes als ein übliches Eishockeyspiel in Deutschland. Weniger Stimmung in der Halle, mehr Werbung, viel mehr Professionalität und sehr kühler Charme. Aber daran lässt sich ja noch arbeiten, sagte Ehrhoff. Nach dem Spiel hatte er die Kollegen motiviert, mit ihm zusammen auf die Zuschauertribünen zuzufahren und die Welle zu machen. „Das habe ich meinen Mitspielern bei unserem Testspiel am Dienstag in Mannheim beigebracht.“ Hoffentlich haben die Kollegen aus Los Angeles mitbekommen, wie das funktioniert. Schließlich war am Sonnabend zu hören, dass die NHL kommende Saison wieder ein Spiel in Berlin abhalten will, womöglich sogar das Saisoneröffnungsspiel – mit den Kings als Gastgeber. Vielleicht sollten die Kalifornier dann in Trikots der Eisbären spielen, um die Berliner Fans auf ihrer Seite zu haben.

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