Eishockey : Kanada verliert - USA im Schützengraben

Gegen den Nachbarn USA musste die Eishockey-Nation Kanada eine Niederlage einstecken. Kaum auf dem Eis, schlugen die Amerikaner schon zu. Und das Glück blieb den Kanadiern ebenfalls verwehrt.

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Chris Drury Dan Boyle
Wieder vorn. Chris Drury erzielt das 2:1 für die USA. Kanadas Verteidiger Dan Boyle kann nur machtlos zuschauen. -Foto: ddp

VancouverEishockey kann furchtbar sein, kaum zu ertragen: „Man trägt nicht so leicht 30 Millionen Leute auf seinen Schultern“, sagte Kanadas Angreifer Corey Perry mit traurigem Blick. Er sprach von seinen eishockeysüchtigen Landsleuten, die vom Team Canada bei den Olympischen Spielen in Vancouver Gold erwarten. Und nichts als Gold. So viel Druck kann selbst die härtesten Jungs aus der NHL nervös machen. Nach Ende der olympischen Gruppenspiele steht fest: Falls die kanadischen Kufencracks ihre nationale Mission noch erfüllen sollten, wird es kein Durchmarsch. Im letzten Gruppenspiel erlitten sie ein peinvolles 3:5 (1:2, 1:1, 1:2) gegen den frechen Nachbarn USA, dessen olympisches Team in Vancouver ohnehin schon von Erfolg zu Erfolg eilt. Die US-Profis waren entschlossener als die streckenweise etwas tapsigen, weil nervösen Kanadier – und ihr Torhüter Ryan Miller hielt besser als sein kanadischer Kollege Martin Brodeur.

So müssen die gepriesenen Kanadier nun am Dienstag, welche Schande!, in der olympischen Qualifikationsrunde um den Einzug ins Viertelfinale spielen. Ihr Gegner ist das deutsche Team, das nichts zu verlieren hat. „Jetzt müssen wir ein Extra-Spiel machen“, sagte Kanadas Star-Stürmer Sidney Crosby – und gestand ein: „So hatten wir uns das wahrscheinlich nicht vorgestellt.“  Dass Kanadas Stars mit den hohen Erwartungen nicht klar kommen würden, hatte sich schon im zweiten Spiel beim knappen Sieg gegen die Schweiz gezeigt. Zweifel an der Stärke des kanadischen Teams kamen auf, im TV, in den Zeitungen, überall in Kanada wurde die Mannschaft ausgiebig analysiert und kritisiert. Was für ein Druck!

Schon nach 41 Sekunden gingen die US-Boys in Führung

Und dann standen sie am Sonntag kaum auf dem Eis, da schlugen die Amerikaner auch schon zu: Nach 41 Sekunden erzielte Brian Rafalski das 1:0. Das Momentum, das kleine Stückchen Glück, war eindeutig auf Seiten der dynamischen und kämpferischen Amerikaner. Und da blieb es auch, denn nachdem Eric Staal das 1:1 in der neunten Minute erzielt hatte, schlug Rafalski nur 22 Sekunden später erneut zu. Zwar glichen die Profis mit dem Ahornblatt durch Dany Heatley ein zweites Mal aus (24.), Chris Drury (37.) und Jamie Langenbrunner (58.) brachten das US-Team aber auf Siegkurs. Nach dem 3:4 durch Crosby (57.) bestürmten die Kanadier das Tor von Ryan Miller – ohne Erfolg. Im Gegenzug gelang Ryan Kesler ein Treffer ins leere Tor. Vorbei, verloren für Kanada,

„Alle Teams haben heute Fehler gemacht“, sagte US-Profi Bobby Ryan. „Das ist normal, wenn man erst seit ein paar Tagen zusammen spielt. Aber wir hatten heute unseren Torhüter Ryan Miller, der uns gerettet hat.“ Vielleicht hat es die US-Profis, die in drei Gruppenspielen drei Siege landeten, tatsächlich weitergebracht, dass sie sich auf eigenwillige Art auf die Olympischen Winterspiele vorbereitet haben. Um dem Team die richtige Haltung zu verpassen, luden sie US-Soldaten in ihr Trainingscamp, die in Vietnam, Afghanistan und dem Irak gekämpft haben und verwundet wurden - eine Idee von US-Teammanager Brian Burke, der ein bekennender Militärfan ist.

Die Eishockey-Profis bekamen Vorträge über Zusammenhalt im echten Krieg und im Schützengraben zu hören – und fanden das gut und lehrreich: „Sie sprachen darüber, wie sie im Krieg zusammen fanden mit ihren Kampfesbrüdern“, berichtete Bobby Ryan. „Sie haben uns klar gemacht, dass wir ihnen in dieser Hinsicht ähneln.“  Vor den Winterspielen wurde jeder US-Profi von einem Veteranen aus seiner Heimatstadt adoptiert, für jeden Spieler gab zudem es ein kleines Paket mit Dingen wie Fotos, aufmunternden Botschaften  – und herausoperierten Gewehrkugeln. Stürmer Ryan Kesler findet: „Es ist wirklich motivierend, ihre Geschichten zu kennen zu lernen.“ Wahrscheinlich kann man nur so Kanada besiegen.

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