Sport : Eishockey: Kein Geld, kein Trainer

Claus Vetter / Sven Goldmann

Um halb drei war Schluss. Das Vormittagstraining durfte Chris Valentine noch leiten, gleich danach kam das erwartete Gespräch mit dem ebenso erwarteten Verlauf: Die Berlin Capitals suspendierten ihren kanadischen Trainer, der gerade vier Monate im Amt war. Tags zuvor hatten die Capitals in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) 0:4 bei den Revier Löwen in Oberhausen verloren. Die offizielle Begründung verkündete Teammanager Lutz Schirmer: "Chris Valentine war nicht in der Lage, der Mannschaft sportliche Impulse zu geben. Wir haben bei der Mannschaft Leidenschaft, Aggressivität, Kampfgeist vermisst." Beim heutigen Spiel gegen die Nürnberg Ice Tigers (15 Uhr, Jafféstraße) steht Kotrainer Karel Slanina an der Bande, unterstützt vom dauerverletzten Stürmer Pavel Gross.

Valentine war erst im November vergangenen Jahres als Nachfolger von Michael Komma an die Jafféstraße gekommen. Komma war damals nicht aus sportlichen Gründen entlassen worden, er hatte mit lautstarken Forderungen nach einem neuen Vertrag um seinen Rauswurf beinahe gebettelt. Als er entlassen wurde, wirkte er fast erleichtert. Auch Valentine hatte in den letzten Wochen wohl nicht mehr die rechte Freude an seinem Job.

Offiziell waren es sportliche Gründe, die zur Trennung führten. Als Tabellensiebter stehen die Capitals sechs Spieltage vor dem Play-off-Auftakt alles andere als gut da. Die Capitals werfen Valentine vor, er habe sich nicht mit angemessenem Engagement in seine Aufgabe gestürzt. Kritiker sehen andere Gründe. Da ist zum einen Valentines angespanntes Verhältnis zum Teammanager Lutz Schirmer. Der verdingte sich vor einem Jahr noch als Chauffeur des damaligen Managers Roger Wittmann. Seitdem dieser sich zu Beginn dieser Saison offiziell zurückzog, gilt Schirmer als Statthalter und Erfüllungsgehilfe von Wittmann, der im Hintergrund immer noch seine Hände im Spiel hat. Lorenz Funk, der öffentlichkeitswirksam vom Lokalrivalen EHC Eisbären verpflichtete Sportdirektor, spielt im internen Machtgefüge eine untergeordnete Rolle.

Und dann ist da noch die Sache mit den offenen Gehaltszahlungen. Schon am Donnerstag monierte Valentine laut und öffentlich, "dass seit Anfang Januar keiner bei uns Geld gesehen hat. Und das ist in der Kabine natürlich ein Thema. Niemand hat den Kopf frei. Ich habe keine Lust mehr, mich nach einer Niederlage hinzustellen und zu sagen, dass wir verloren haben, weil wir ein paar Verletzte haben, wenn ich weiß, dass es andere Gründe gibt." Die offizielle Begründung, dass Mäzen Egon Banghard aufgrund gesundheitlicher Probleme mit den Gehaltszahlungen im Verzug sei, mochte Valentine nicht akzeptieren: "Wenn ich krank bin, muss ich doch auch meine Miete zahlen."

Das Gehalt für Januar war Anfang Februar fällig, dass für Februar Anfang März. Bis zum Freitag waren keine Überweisungen eingetroffen, es gab nur eine entsprechende Zusage von Gerhard Brüderer, dem Prokuristen der Capitals. Valentine legte nach: "Egal, ob ich 1000 Mark im Monat verdiene oder eine Million - wenn ich mein Geld nicht bekomme, dann ist das ein Thema. Die Jungs sind normale Menschen, ausbleibende Gehälter spielen eine Rolle. Ich habe das schon einmal in Düsseldorf erlebt. Das hat uns damals getötet. So etwas soll hier nicht passiert."

Die DEL ist nicht gerade für seriöses Wirtschaften bekannt. Dass Gehälter verspätet gezahlt werden, gehört fast zum guten Ton - dass Spieler und Vereinsoffizielle in diesen Fällen schweigen, ebenso. Die Capitals reagierten auf Valentines Äußerungen mit der Aggressivität, die sei bei der Mannschaft auf dem Eis vermissten. Schon vor dem Spiel in Oberhausen rumorte es hinter den Kulissen. Wittmann kündigte bereits am Freitag Valentines Suspendierung an. Welcher Arbeitgeber lässt sich schon gern von einem seiner Angestellten in der Öffentlichkeit bloßstellen?

Valentine wusste um das Risiko seiner deutlichen Worte. Für ihn war Berlin nach Düsseldorf, Landshut und Mannheim die vierte Kurzzeitstation in vier Jahren. "Natürlich geht so eine Trennung nach so kurzer Zeit an meinen Ruf", sagt Valentine. "Aber hätte ich denn schweigen sollen? Das war ich der Mannschaft als Trainer schuldig."

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