Sport : Eishockey: Kein Geld, keine Leistung

Claus Vetter

Mannheimer Fans, die bei Spielen der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im baufälligen Stadion am Friedrichspark etwas sehen wollen, haben schwer zu tragen. Auf Kisten, Styroporquadern und ähnlich sperrigem Gerät reckten sich am Freitag auf den Stehtribünen alle, die sehen wollten, was ohnehin alle wussten: Diese Berlin Capitals konnten ihrer Mannschaft nicht gefährlich werden. Das wurde zum Auftakt der Play-offs beim Mannheimer 5:1-Sieg deutlicher, als den Berlinern lieb sein konnte.

Heute geht es weiter im Viertelfinale, und zwar in Berlin (15 Uhr, Jafféstraße). Um möglicher Überheblichkeit in seiner Mannschaft vorzubeugen, floskelte Mannheims kanadischer Trainer Bill Stewart schon mal von einem "zweiten Spiel, das sehr spannend werden wird" und von einer "langen Serie im Viertelfinale gegen diese starke Berliner Mannschaft". Das ist nett und lustig gesagt, aber leider (aus Berliner Sicht) nicht allzu aufrichtig. Wer die Capitals auf ihrem jüngsten Betriebsausflug beobachtet hat, der weiß, dass nach allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit die Saison für die Berliner nach dem dritten Spiel am Dienstagabend in Mannheim beendet sein muss.

"Halbherzig geht das eben nicht", sagte Lutz Schirmer nach dem 1:5. Viele Spieler schienen nicht so recht bei der Sache zu sein, was wiederum niemanden verwundern dürfte. Kein Geld, keine Leistung - nach dieser Gleichung definieren die Berliner in den Play-offs ihre Arbeitsbereitschft. Seitdem das Gehalt nicht mehr pünktlich gezahlt wird, haben viele der Angestellten haben das Vertrauen in ihren Arbeitgeber verloren. Dennoch: Wer weiter in der DEL spielen möchte, ob nun in Frankfurt, Düsseldorf oder beim Berliner lokalrivalen EHC Eisbären, der muss ein wenig mehr Engagement zeigen, als es die Capitals es zum Play-off-Auftakt taten. Als Bewerbung für künftige Arbeitgeber war das Spiel am Dienstag jedenfalls für keinen Berliner Spieler geeignet.

Nicht nur auf dem Eis ging am Freitag so ziemlich alles schief. Dank des Warnstreiks auf dem Flughafen Tegel trafen die Berliner am Freitag erst dreieinhalb Stunden vor Spielbeginn in Mannheim ein. Dass sich der Mannschaftsbus dann auf dem Weg zum Hotel auch noch verfahren hatte, passte ins Bild. "Es kann nur besser werden", sagte Martin Ulrich, der österreicchische Verteidiger in Berliner Diensten. Für ihn war der Auftritt am Freitag besonders bitter. 1997 und 1998 war Ulrich im Mannheimer Trikot Deutscher Meister geworden.

Ob am heutigen Sonntag schon Besserung angesagt ist? Dagegen sprechen die lustlose Vorstellung der Capitals vom Freitag und ein - tatsächlich wohl ernst gemeintes - Statement von Mannheims Trainer. "Wir werden am Sonntag besser spielen als im ersten Spiel", sagte Stewart - und zwar noch vor dem ersten Bully. Da dürfte er noch nicht geahnt haben, wie schwach dieser vermeinlich unbequeme Gegner aus Berlin in Wirklichkeit sein würde.

Bei den Capitals gab es im ersten Play-off-Spiel nur wenige Lichtblicke, etwa die nach dem 0:3 gebrachte vierte Sturmreihe: Es kam wohl nicht von ungefähr, dass ausgerechnet Patrick Senger das einzige Berliner Tor gelang. Der Stürmer zählt sonst nicht gerade zu den torgefährlichen Spielern seiner Mannschaft.

Ob den Capitals heute in eigener Halle noch etwas gelingt? Immerhin gibt es heute aus Berliner Sicht einen Vorteil, der allerdings nur die Zuschauer betrifft: Kisten wie am Mannheimer Friedrichspark benötigen die Fans hier nicht, um ein Spiel ihrer Mannschaft zu verfolgen. Schade eigentlich, denn mitunter möchte man derzeit vielleicht gar nicht alles sehen, was an der Jafféstraße passiert.

Vor allem, wenn man Fan der Berlin Capitals ist.

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