Eishockey : Kleine Haie, große Seuche

Das Kölner Eishockey steckt in der größten Krise seiner Geschichte. Sieben Niederlagen in sieben Spielen - so liest sich die Bilanz des schlechtesten Saisonstarts überhaupt.

Christiane Mitatselis[Köln]
Mirko Lüdemann
Mirko Lüdemann hat schon bessere Zeiten mit seinem Klub erlebt. -Foto: dpa

Wenn es so weitergeht, wird sich Rodion Pauels einen Klubanzug in einer kleineren Größe zulegen müssen. Abgemagert sieht der Manager der Kölner Haie in diesen Tagen aus, geplagt und gebeutelt. „Wir sind in einer völlig neuen Situation“, sagte der 45-Jährige am Freitagabend nach der 1:2-Heimniederlage gegen Hamburg. Es war eine vorsichtige Umschreibung des Kölner Desasters: Sieben Niederlagen in sieben Spielen und null Punkte stehen für die Kölner Haie zu Buche. Ihren Höhepunkt fand die Pleiteserie der Kölner gesterrn beim 2:5 in Nürnberg. So schlecht ist der achtmalige deutsche Eishockey-Meisters in seiner 36-jährigen Klubgeschichte noch nicht in eine Saison gestartet. „Wenn man mir vor zwei Wochen gesagt hätte, dass wir nach sechs Spielen so dastehen, hätte ich viel Geld dagegen gewettet“, sagte Pauels. Im April spielten die Haie noch in der Finalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und verloren knapp gegen die Eisbären Berlin. Nun befinden sie sich in einem Existenzkampf, der allen an die Nerven geht.

Die Situation ist so neu für die Kölner, dass ihr Krisenmanagement von Ratlosigkeit geprägt ist. Trotz einer verheerenden Mannschaftsleistung beim 1:5 gegen Kassel sprach Geschäftsführer Thomas Eichin vor gut einer Woche am vierten Spieltag seinem Trainer Doug Mason das Vertrauen aus. Es könne nicht plötzlich alles schlecht sein, was vorher gut gewesen sei, sagte Eichin und appellierte an den Kampfgeist der Mannschaft. Er wolle sehen, wer „den Arsch in der Hose“ habe, um „den Karren aus dem Dreck zu ziehen“. Die Antwort fiel eher kläglich aus. Gegen harmlose Hamburger spielten die Haie am Freitag zwar nicht mehr wie eine Schülermannschaft, die sich überrumpeln lässt. Sie dilettierten jedoch vor dem gegnerischen Tor und vergaben Chance um Chance. Die Freezers hatten hingegen nur vier echte Tormöglichkeiten und trafen zweimal. Mit freundlicher Unterstützung des 22-jährigen Kölner Torhüters Stefan Horneber.

„Die Haie haben ein Torwartproblem“, sagte Don Jackson, Trainer der Eisbären Berlin, in einer Fernanalyse. Sucht man nach Gründen für die Krise der „Seuchenfische“, wie der Kölner „Express“ die Haie betitelte, so ist die Torwartposition eine der Schwachstellen im Team. Der gedachte Stammtorhüter Robert Müller musste sich erneut einen Tumor aus dem Kopf entfernen lassen und fällt somit für unbestimmte Zeit aus. Nachwuchsmann Horneber spielt noch nicht auf DEL-Niveau. Der nachverpflichtete Kanadier Frank Doyle hat einen Trainingsrückstand. Hier hatten die Haie Pech, in anderen Dingen haben sie sich verkalkuliert. Da sind zum einen Neuverpflichtungen, die nicht überzeugen. Stürmer Mike Johnson verfügt über die Routine von mehr als 600 Spielen in der nordamerikanischen Profiliga NHL, ist aber bislang nicht mehr als ein Mitläufer. Verteidiger Harlan Pratt, der aus Augsburg kam, steht völlig neben sich. Hinzu kommt, dass sich langjährige Leistungsträger wie Stephane Julien, Mirko Lüdemann, Dave McLlwain oder Mats Trygg in schwacher Form befinden. Schmerzlich vermisst wird der Stürmer Ivan Ciernik, der nach einem Zerwürfnis mit Trainer Mason ins russische Nowosibirsk wechselte.

In das deprimierende Gesamtbild passten Kapitän McLlwain Aussagen nach der Hamburg-Pleite. „Wir können jetzt nichts mehr ändern“, sagte Kanadier. Änderungen kann nur die Klubführung herbei führen. Und dazu hat sie sich wohl auch endlich durchgerungen. Schon heute wollen sich Geschäftsführer und Manager mit Trainer Doug Mason zusammensetzen. Sieben Niederladen sind wohl auch bei den Kölner Haien zu viel.

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