Eishockey : Meister der Verlängerung

Ausgerechnet der umstrittene Florian Busch schießt die Eisbären im vierten Finalspiel zum Sieg. Es ist bereits der dritte Titel der Vereinsgeschichte.

Claus Vetter[Köln]
eisbären
Die Berliner Mannschaft mit dem Siegerpokal. -Foto: dpa

Der Champagner fehlte. Der neue deutsche Eishockeymeister feierte im Trockenen. Zunächst jedenfalls. Auf dem Eis der Kölnarena umarmten sich die Spieler der Eisbären und fuhren auf einer kleinen Ehrenrunde ihren frisch gewonnenen Pokal spazieren. Die Kölnarena leerte sich derweil, von den 18 678 Zuschauern war die Mehrheit nicht in Feierlaune. Nur im Oberrang der großen Halle brüllte eine 400 Männer und Frauen starke Minderheit „Ost-Ost-Ost-Berlin“ und „Meister werden ist zu schön“. Auswärts Meister zu werden ist eben ein wenig unspektakulärer als in eigener Arena. Gestern haben sie nach dem Pokal auch den Meistertitel geholt: Nach Verlängerung rangen die Berliner die Kölner Haie im vierten Spiel 2:1 (0:0, 0:0, 1:1/1:0) nieder und beendeten die Finalserie mit 3:1 Siegen.

Als der Erfolg schon ein paar Minuten alt war, schien der Trainer der Eisbären erst zu begreifen, was passiert war. Don Jackson stand mit Siegermedaille um den Hals auf dem inzwischen recht ramponierten Eis. Die jubelnden Menschen, die Ordner und die Reporter um sich herum schien er kaum zu bemerken. Der große Mann atmete tief durch. Sonst ist der US-Amerikaner selten für große öffentliche Emotionsausbrüche zu haben. Gestern war das anders, Jackson sagte mit belegter Stimme: „Das ist ein ganz großer Moment für mich. Jetzt habe ich drei Kinder und drei Titel.“ Jackson hat als Spieler in der besten Eishockeyliga der Welt, der NHL, immerhin zweimal den Titel geholt. Als sich seine Emotionen etwas gelegt hatten, deutete Jackson an, dass jetzt gefeiert werden könne. Das ging aber eher verhalten los, auf dem Flughafen kauften sich einige Spieler noch ihr Bier selbst.

Die Eisbären hatten sich aus Vorsicht auf keine Feier in Köln eingestellt. Zu eng waren die drei Spiele in der Serie gegen die Haie zuvor gewesen, zu nah lagen die beiden Teams in einer der wohl dramatischsten Finalserien der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zusammen. Gestern erlebte diese Serie noch einen unglaublichen Höhepunkt. 1:1 hatte es nach 60 Spielminuten gestanden, sieben Minuten und 55 Sekunden waren in der Verlängerung gespielt, als Florian Busch mit seinem Tor die Saison der DEL beendete. Ausgerechnet Florian Busch, der zuletzt vor allem durch seine verweigerte Dopingkontrolle auffiel. In der Finalserie wollte dem jungen Bayern bis gestern wenig gelingen. Dass Busch das Tor zur Meisterschaft erzielte, freute seinen Kollegen Stefan Ustorf. „Florian hat einen Fehler gemacht, der mit dem Finale nichts zu tun hat. Er hat das Tor gemacht, weil er ein guter junger Spieler ist.“

Busch wurde zusammen mit Deron Quint (je sechs Treffer) auch der erfolgreichste Berliner Torschütze in den Play-offs und war Teil einer Mannschaft, die sich ihren Erfolg auch gestern wieder mit viel Willen erarbeitet hat. Nachdem das sehr diszipliniert geführte Spiel erst nach Anfang des letzten Drittels das erste Tor erlebt hatte, sahen die Kölner schon wie die Sieger aus. Doch den Treffer von Sebastian Furchner konnten die Haie nicht über die Zeit retten. Wieder einmal, wie schon beim 4:3-Sieg am Freitag in Berlin, waren die Eisbären für ein spätes Tor gut. Jackson nahm Torwart Rob Zepp zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis und 81 Sekunden vor der Sirene gelang Quint tatsächlich der Ausgleich.

Für die Eisbären folgte dann bereits ihre vierte Verlängerung in den Play-offs und sie gewannen sie zum vierten Mal. „Was unsere Mannschaft geleistet hat, ist unglaublich“, fand Ustorf. „Wenn wirklich herauskommt, mit welchen Verletzungen hier einige gespielt haben, dann wird es noch unglaublicher.“

Natürlich hatte sich das „unglaubliche“ Team seine Party verdient, auch wenn die Festivität nicht gleich begann. Es war ein wenig schade, dass sich die Eisbären unmittelbar nach dem Erfolg zunächst nicht im Wellblechpalast vom eigenen Anhang feiern lassen durften. Auswärts Meister zu werden war dann aber trotzdem schön: Vom Flughafen Tegel aus fuhren die Berliner Spieler am späten Abend doch noch zum Wellblechpalast, wo ihre Fans schon auf sie warteten. Diesmal war Champagner vorhanden.

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