Eishockey-Nationalmannschaft : Gigantisch klein

Deutschland ist bei der WM im eigenen Land ohne Chance auf eine Medaille. Dennoch ist jeder deutsche Sieg eine Chance, das nationale Eishockey wieder ins öffentliche Bewusstsein zu spielen.

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Deutschland wird Weltmeister. Zuschauer-Weltmeister. 76.000 werden am Freitag in der Schalker Arena sein, so viele Menschen wie noch nie bei einem Eishockeyspiel. Gigantisch. Für so was sind wir Deutschen ja gut. Auch sportlich sind die Deutschen ehrgeizige Gastgeber von Großveranstaltungen, etwa im Fußball oder zuletzt im Handball. Erfolge sind aber im Eishockey nicht zu erwarten. Deutschland tritt bei der Heim-WM als Außenseiter an – das will anscheinend kein Mensch außerhalb des Stadions sehen. Das Weltrekordspiel wird nur auf einem Spartensender übertragen.

Was waren das noch für Zeiten, als 1992 beim packenden Olympia-Viertelfinalspiel zwischen Deutschland und Kanada sogar die Tagesschau verschoben wurde? Davon ist die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft weiter entfernt denn je. Viel Interesse ist verspielt worden mit anhaltendem Misserfolg. Wer kennt schon die Nationalspieler, so wie die Menschen früher einen Erich Kühnhackl zuverlässig gekannt haben? Das Nationalteam ist sogar von vielen Eishockeyfans weit weg. Die Liga hat – mit gehörigem Abstand zum Fußball – die zweitbesten Zuschauerzahlen der Mannschaftssportarten. Bundestrainer Krupp dagegen tingelt bei Testspielen durch die Provinz oder muss wie am Dienstag in Hamburg in halbleerer Arena spielen. Das ist die traurige Realität, die aber nun mit der WM im eigenen Lande geändert werden kann. Jeder deutsche Sieg ist ein Plus und eine Chance, sich abseits der 76.000 von Schalke wieder ins öffentliche Bewusstsein zu spielen.

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