Sport : Eishockey ohne Eis

Schnell, leicht und universell einsetzbar: Floorball will spätestens 2028 zu den Olympischen Spielen.

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Hakelhockey. Ein Sport will hoch. Foto: dpa
Hakelhockey. Ein Sport will hoch. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Klick-klack, klick-klack, links- rechts tickt der Schläger an den weißen Ball, der Richtung Tor rast. Kurzer Stopp, scharfer Schuss, die hohle Plastikkugel fliegt mit einem pfeifenden Zischen auf den Torwart zu, der sie an seiner dicken Panzerung abprallen lässt. Ein bisschen sieht es nach dem Wintersport Eishockey aus, wie er knieend und mit massivem Polster das kleine Tor schützt. Aber der Ball läuft über einen Kunststoffboden und für eine Eishalle wären die Spieler auch sicher zu wenig gepolstert. Und warum hat der mandarinengroße Ball eine Oberfläche wie ein durchlöcherter Golfball?

Timo Krohne und Jan Kratochvil sind es gewohnt, ihren Sport erklären zu müssen. Die beiden Spieler von der BA Tempelhof erläutern geduldig, dass Uni-Hockey, wie Floorball früher genannt wurde, nichts mit Universitäten zu tun hat, sondern von „universal“ kommt. So kann man auch den Sport erklären: Aus der Gesamtheit der Hockey-Spielarten pickten sich die Floorballer etwas heraus. Aus dem Eishockey übernahmen sie das Spielsystem in Reihen, bei dem eine komplette Besetzung ausgewechselt wird, damit sich die Spieler zwischen den harten Einsätzen ausruhen können. Beim Hallenhockey fanden sie den Untergrund und das Hallenklima angenehm. Das brachte ihnen dann den Ruf ein, nicht viel anderes zu machen als die Hallenhockeyspieler. Deshalb ließ die Anerkennung als eigenständige Sportart auf sich warten.

Über 20 Jahre nachdem der Deutsche Floorball-Verband gegründet wurde, bekommen nun auch die letzten regionalen Floorball-Verbände Zutritt in die Landessportbünde (LSB), in Berlin seit Januar. Das ist entscheidend für den Sport, der nun auch international um mehr Anerkennung kämpft. „2028 wollen wir bei den Olympischen Spielen vertreten sein“, sagt Jan Kratochvil. Der 29-Jährige ist für die Öffentlichkeitsarbeit seines Vereins zuständig und Herausgeber einer Floorball-Zeitschrift. Selbermachen ist die Devise, obwohl die BA Tempelhof auf Platz sechs der Bundesligatabelle steht. „Wir sind der guerillamäßigste Verein in der Bundesliga“, sagt Kratochvil lächelnd. Mit dem Beitritt in den LSB verbindet der kleine Verein große Hoffnungen: nicht ständig die Halle wechseln zu müssen. Weil viele Berliner Klubs mit kleinen Turnhallen Vorlieb nehmen mussten, spielten sie jahrelang im Kleinfeld-Modus auf 26 mal 14 Metern statt auf 40 mal 20 Metern.

Zehn Vereine mit Floorballabteilung gibt es in Berlin und an zwei Schulen rennen die Kinder im Sportunterricht dem leichten Ball hinterher. Doch die Dunkelziffer ist noch viel größer. Vor allem an Grundschulen findet man häufig die Plastikschläger und den leichten Ball. „Häufig können die Leute mit Floorball nichts anfangen“, sagt Timo Kohne, der in Tempelhof nicht nur spielt, sondern die Mannschaft gleichzeitig auch trainiert. „Aber wenn man dann den Ball zeigt, sagen sie: Das haben wir auch schon gespielt.“ Die Sportart ist bei Jugendlichen nur beliebt, weil Verletzungsgefahr und Materialaufwand niedrig sind, und dazu istFloorball auch leicht zu erlernen. „Eigentlich muss man nur laufen können“, sagt Krohne.“

Dazu kommt natürlich noch die Technik, damit einem an der Bande oder im Sturm nicht der Ball abgeluchst wird oder damit der die Plastikkugel zielgenau am gut gepolsterten Torhüter vorbeikommt. Stürmen, stoppen, in die Verteidigung rennen – die Spieler müssen schnell umschalten können, sowohl mental als auch körperlich. Damit die Zuschauer nicht nur einen verschwommenen Blitzschweif sehen, haben die Bälle eine gelbliche oder rosa Farbe. Team-Kapitän Kratochvil grinst: „Das ist nicht so wie beim Fußball, wo man sich noch eine Tasse Kaffee holt, bis der Ball wiederkommt.“

Und warum hat dieser Ball nun eine Oberfläche wie ein durchlöcherter Golfball? Na, weil er so ganz furchtbar schnell werden kann. Bis zu 200 Stundenkilometer! Nantke Garrelts

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