Eishockey: Olympia-Qualifikation : Der neue Angstgegner heißt Japan

Vor der schwierigen Olympia-Qualifikation, die am Donnerstag in Hannover beginnt, gerät Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp in die Kritik. Er setzt lieber auf Profis kanadischer Herkunft als auf Spieler mit deutschem Geburtsort.

Claus Vetter
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Dienstältester Stürmer. Sven Felski.Foto: dpa

Uwe Krupp hat viel geredet in den jüngsten Tagen. Der Eishockey-Bundestrainer hat seinen Spielern Vorträge über Teamgeist gehalten und an ihr Ehrgefühl appelliert. „Eine gute Spannung“ hat Krupp in seinem Team beobachtet. Sven Felski hat den Bundestrainer beobachtet. Der Nationalspieler der Berliner Eisbären sagt, dass Krupp „relativ entspannt“ wirke. Dabei stehe dem deutschen Eishockey doch bei dem Olympia-Qualifikationsturnier ab Donnerstag in Hannover „eine sehr schwere Aufgabe“ bevor. „Denn die drei Gegner sind auf Augenhöhe mit uns.“

Japan, Österreich und Slowenien – auf Augenhöhe mit dem deutschen Eishockey? Drei Mannschaften, die sich aus Ligen zusammenstellen, die mit dem Niveau in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wenig zu tun haben. Wie konnte es so weit kommen, dass eine deutsche Mannschaft Japan fürchten muss? Sven Felski, dienstältester Nationalstürmer, sagt: „In Hannover fehlen uns eben einige gute Spieler.“

Die deutsche Mannschaft ist ersatzgeschwächt

Felski hat viel gesehen mit dem Nationalteam. Auch wenn der ehemalige Bundestrainer Hans Zach den Berliner nicht mochte, so hat Felski Anfang des Jahrzehnts oft miterlebt, wie Deutschland drei Mal ins WM-Viertelfinale einzog und dann unter Zachs Nachfolger Greg Poss in die Zweitklassigkeit abstürzte. Dann kam Krupp. Ein großer Mann mit großer Vergangenheit. Mit dem einstigen Verteidiger aus der National Hockey-League kam das Team 2006 nach oben. Aufbruchstimmung, Deutschland konnte bei den WM-Turnieren wieder mitspielen.

„Krupp hatte uns deutschen Spielern neues Selbstbewusstsein gegeben“, sagt Felski. Hatte? Nun schlägt Krupp einen eigenwilligen Weg ein. Scheinbar traut der Mann, der fast die gesamte Karriere in Nordamerika verbrachte, Spielern mit deutschem Geburtsort weniger zu als Profis kanadischer Herkunft. So hat Krupp den zurückgetretenen Hannoveraner Sascha Goc – bester Verteidiger in der DEL – nicht zum Mitmachen überredet. Düsseldorfs Starstürmer Daniel Kreutzer wollte er nicht. Dafür hat sich Krupp im Leistungsmittelfeld der DEL bedient und tiefer: Die Hamburger John Tripp (Geburtsort: Kingston, Kanada), Richard Mueller (Richmond, Kanada) sowie der Iserlohner Chris Schmidt (Beaver Lodge, Kanada) und der Tölzer Zweitligastürmer Travis James Mulock (Langley, Kanada) sollen es richten. Eingedeutschte Kanadier als Hoffnungsträger des deutschen Eishockeys? Die Zeiten waren vorbei.

Deutschland trifft mit vier Deutsch-Kanadiern an

Felski will das lieber nicht kommentieren. „Es sind viele neue Gesichter dabei, es ist eben ein Umbruch“, sagt er. Peter John Lee, Manager der Eisbären, sagt, er schaue mit Sorgen nach Hannover, wo das deutsche Team heute zum Auftakt gegen Japan, Sonnabend gegen Österreich und dann am Sonntag gegen Slowenien spielt. „2010 ist nicht nur Olympia, sondern auch die WM in Deutschland. Da muss etwas kommen! Wie stehen wir sonst da mit der DEL und dem Eishockey?“ Andernorts werden die Zweifel an den Kruppschen Auswahlkriterien klarer formuliert. Düsseldorfs Trainer Harold Kreis sagt zur Nichtnominierung Kreutzers: „Das ist eine Frechheit.“

Das aber wird keinen interessieren, wenn die Deutschen in Hannover die Qualifikation schaffen. Nach Vancouver zu den Olympischen Winterspielen 2010 kommt nur, wer das Turnier gewinnt. Sven Felski hat schon mal optimistischer geklungen. „Die Spieler, die in Hannover sind, müssen es reißen. Wer nicht mitspielen will oder kann, der darf keinen Einfluss darauf haben. Irgendeinen Weg müssen wir finden.“ Denn bei einem Scheitern, sagt Krupp, „wird uns allen das Wasser bis zum Hals stehen“. Das gilt wohl besonders für den Trainer.

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