Sport : Eishockey: Sauer aufgestoßen

Claus Vetter

Internet-Fragestunde bei den Capitals, und Udo Döhler fällt beim Chatten mit den Fans fast vom Stuhl: Da hatte doch ein vermeintlicher Eishockey-Anhänger den Torhüter per E-Mail gefragt, warum er das Training stets mit einem geräuschvollen Aufstoßen beschließe. Einen Moment sei er irritiert gewesen, berichtet Döhler. "Dann war mir klar, das kann nur ein Insider sein." Und tatsächlich, der Witzbold war bald enttarnt: Verteidiger Martin Ulrich hatte seinen Torhüter erschreckt.

Eine amüsante Randnotiz bei den Berlinern, die ansonsten vor dem heutigen Spiel gegen Tabellenführer Mannheimer Adler (Beginn 19.30 Uhr, Eissporthalle Jafféstraße) nicht zum Scherzen aufgelegt sind. Auf dem sechsten Platz rangieren die Capitals derzeit in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Dem guten Saisonstart in den nächsten Tagen große Taten folgen zu lassen, dürfte nicht einfach werden. Denn mit Couturier, Gross, Brännström, Hecker und Pellegrims fallen derzeit gleich fünf Akteure aus. Zudem ist für heute der Einsatz von Sjögren (Grippe) fraglich. Angesichts der personelllen Nöte bekommt heute vermutlich sogar Jonas Lanier eine Chance. Beim gestrigen Training war der 18-jährige Stürmer jedenfalls mit von der Partie. "In dieser Woche hatten wir immer zu wenig Leute beim Training", stöhnt Coach Michael Komma, "jeden Tag musste ich andere Reihen zusammenstellen."

Nach dem Heimspiel gegen Mannheim geht es für die Capitals am Sonntag zu Meister München Barons, am Dienstag kommt Oberhausen nach Berlin. Angesichts des straffen Programms mache er sich schon Sorgen, sagt Komma, auch weil er seine Mannschaft - trotz zuletzt vier Siegen in Folge - noch nicht an der Spitze ihres Leistungsvermögens angekommen sieht. "Stabil waren wir noch nicht, nur beim 4:2 gegen die Eisbären hat mir das gefallen." Auch der Internetsurfer Ulrich stuft die kurzfristigen Aussichten der Capitals nicht als rosig ein: "Uns fehlen einfach zu viele wichtige Spieler. Unsere einzige Chance gegen Mannheim ist wohl, möglichst defensiv zu agieren."

Am Siegeswillen werde es trotzdem nicht mangeln, erst recht nicht beim ihm, sagt der ehemalige Manneimer Ulrich. "Spiele gegen die Adler sind für mich immer noch wichtiger als Spiele gegen andere Gegner." Viel Arbeit hat der Österreicher übrigens auch abseits der Eisfläche. Dafür, dass er Udo Döhler erschreckt hat, folgte nämlich die Strafe auf dem Fuße: In drei Wochen muss nun Ulrich per Internet mit den Anhängern konferieren. "Wieso Strafe", meint der Österreicher, "das macht mir Spaß. Wollen wir doch mal sehen, was sich der Udo da einfallen lässt."

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