Eishockey-Stars : Mein Puck gehört mir

Bösewicht, arroganter Altmeister oder aufstrebender Jungspund: Jede Weltmeisterschaft braucht ihre Köpfe. Hier stellen wir die populärsten vor.

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Laut am Schläger. Der Russe Alexander Owetschkin zählt zu den extrovertierteren NHL-Profis.
Laut am Schläger. Der Russe Alexander Owetschkin zählt zu den extrovertierteren NHL-Profis.Foto: AFP

ALEXANDER OWETSCHKIN

Böser Junge! Alexander Owetschkin verkörpert ihn noch, den Eishockeyspieler, wie ihn sich der gemeine Bürger oft vorstellt: Lauter Bursche ohne Manieren. Ein Image, das der 24 Jahre alte Russe sorgfältigst pflegt – und mit dem sich gut Geld verdienen lässt. Für die Rekordsumme von 124 Millionen US-Dollar haben ihn die Washington Capitals 2008 für 13 Jahre (!) an sich gebunden. Hinzu kommen einige Werbemillionen und auch im Fernsehen gibt es ihn zu sehen: Alexander Owetschkin als Bösewicht. In einem Spot ordert er im Namen von Sidney Crosby, mit dem er sich aktuell um den Titel des weltbesten Eishockeyspielers streitet, Unmengen Essen – nicht nett. Doch während sein smarter Gegenpart Crosby, ein kanadischer Vorzeige-Saubermann, in der nordamerikanischen Profiliga NHL mit Pittsburgh noch um die Meisterschaft spielt, sind die Capitals raus. Und Owetschkin somit im Einsatz für sein Land, das von seiner Nationalmannschaft nach dem vermasselten Olympiaauftritt in Vancouver nicht weniger als den WM-Titel fordert. Das ist: realistisch. Denn die Russen sind mit einer starken Mannschaft nach Deutschland gereist und zählen auch dank des Mannes mit der markanten Zahnlücke und ihrer nationalen Aufgabe zu den Favoriten. Doch auch in Amerika weiß man die Kunst eines Alexander Owetschkin zu schätzen. Erst vor kurzem hat sich US-Präsident Barack Obama im Rahmen eines Staatsbesuchs beim russischen Volk für das Talent des Angreifers bedankt. Manchmal taugt eben auch ein böser Junge zum Idol.

JAROMIR JAGR

An Selbstvertrauen hat es Jaromir Jagr noch nie gemangelt. Als er für die New York Rangers in der NHL spielte, teilte er einem jüngeren Mitspieler rüde sein Selbstverständnis mit: „Ich bin einer der besten Spieler, die jemals in dieser Liga gespielt haben. Also hast du mir gefälligst immer den Puck zu geben.“

Arroganz gehört im großen Eishockeygeschäft dazu. Vor allem, wenn man es sich leisten kann. Stanley Cup, Art Ross Trophy für den besten Punktesammler oder die Auszeichnung als wertvollster Spieler der NHL – es gibt keinen Titel, den der Tscheche während seiner Zeit in Nordamerika nicht gewinnen konnte. Bereits im ersten Jahr holte er im Trikot der Pittsburgh Penguins und an der Seite von Eishockey-Legende Mario Lemieux die Meisterschaft. Später, als Jagr selbst zu den Topstars der Liga zählte, kam es zum Bruch zwischen Lemieux und dem Egozentriker Jagr, worauf dieser zu den Washington Capitals wechselte und dort mit elf Millionen Dollar Jahresgehalt zum bestbezahlten Profi seiner Zeit aufstieg. Gebrochen hat Jagr im Laufe der Jahre auch mit seinem Vokuhila-Haarschnitt, der ihn zu Beginn seiner Karriere auszeichnete und heute in Tschechien nur als „Jagr“ bezeichnet wird. Mit 646 Toren ist Jaromir Jagr bis heute der erfolgreichste Europäer, der jemals in der NHL gespielt hat. Mit der tschechischen Nationalmannschaft gewann der bullige Flügelspieler 1998 die olympische Goldmedaille in Nagano und nahm an mehreren Weltmeisterschaften teil. Mittlerweile ist Jagr ein Vertreter der alten Generation. Seine ganz großen Zeiten liegen wohl hinter ihm: Zurzeit spielt er in Russland bei Awangard Omsk. Hat Jaromir Jagr schon genug? Wer weiß: Zuletzt hatte es wieder Spekulationen um eine Rückkehr des 38-Jährigen in die NHL gegeben.

STEVEN STAMKOS

Steven Stamkos
Steven StamkosFoto: AFP

Mit einem wie Jaromir Jagr hat Steven Stamkos nicht viel gemein. Das liegt zum einen am Alter, zum anderen an seiner Bodenständigkeit, die ihre Gründe hat. Obwohl gerade einmal 20 Jahre alt, hat Steven Stamkos in seiner Karriere schon einige Höhen und Tiefen durchlaufen. Vor zwei Jahren wurde der Center im jährlichen Draftverfahren der NHL-Klubs von Tampa Bay Lightning an Position eins ausgewählt und in seiner Heimat Kanada bereits als Nachfolger von Eishockeylegenden wie Mark Messier oder Steve Yzerman gefeiert. Doch Stamkos war dem riesigen Erwartungsdruck nicht gewachsen und enttäuschte. Erst als im vergangenen Sommer der defensiv ausgerichtete Trainer John Tortorella bei den Lightning durch Rick Tocchet ersetzt wurde, blühte Stamkos auf und spielte eine überragende zweite Saison in Florida. Mit 51 Treffern sicherte er sich gemeinsam mit Sidney Crosby die Auszeichnung für den besten Torjäger. Trotz seiner starken Spielzeit nominierte ihn Kanadas Teamchef Mike Babcock nicht für die Olympischen Spiele in Vancouver. Dass er dort vor heimischen Publikum keine Goldmedaille umgehängt bekam, hat ihn traurig gestimmt. Nun hat Steven Stamkos bei der WM mit Kanada die Chance auf Gold.

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