Eishockey : Streit nach Absage der Champions League

Ärger um fehlende Millionen: Der Weltverband im Eishockey hat die Champions League nach dem Absprung von Sponsoren abgesagt. Die Eisbären sind sauer. Doch nun wollen die Klubs notfalls in Eigenregie spielen.

Claus Vetter
Zürich sensationell Premierensieger der neuen Champions League
Erster und einziger Sieger? Ari Sulander und Zürich gewannen die Champions League.Foto: dpa

Schickes Logo, schicker Pokal und schick viel Preisgeld: Die Champions Hockey League (CHL) startete in ihre erste Saison mit viel Brimborium, ein Urknall im europäischen Eishockey sollte das sein. Endlich spielten die besten Klubs einen ordentlich vermarkteten Europapokal aus, in dem es kräftig zu verdienen gab. Insgesamt zehn Millionen Euro an Siegprämien pro Saison – Summen, die es außerhalb des Fußballs in Europaligen sonst nicht zu verdienen gibt. Doch der Urknall entpuppte sich nach einem Jahr als Knallbonbon: Eine Investorengruppe um den russischen Energiekonzern Gasprom will nicht mehr, trotz Zusage, die CHL für die ersten drei Jahren zu finanzieren.

Die schlechte Kunde aus der Zentrale des Eishockey-Weltverbandes IIHF in Zürich erreichte die Eisbären Berlin am Montagabend. Der Deutsche Meister hatte vergangene Saison das Halbfinale in der CHL nur knapp verpasst. Für die kommende Saison hätten die Berliner die Europaliga-Startgage von 300 000 Euro im Etat aber nicht eingeplant, sagt ihr Manager Peter John Lee. Trotzdem ist er erzürnt: „Das ist unmöglich, wir hatten die Zusage, dass die Champions League für die kommenden zwei Jahre gesichert ist.“ So wurden für die Berliner Vorrundenheimspiele der kommenden Saison in der Arena am Ostbahnhof Termine geblockt. Moritz Hillebrand, Sprecher des Halleneigners Anschutz-Gruppe, sagt: „Schade um ein gutes Produkt, das beim Publikum gut ankam.“

Für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) hat in Sachen Europaliga-Absage bereits die Verlängerung begonnen. Neben den Eisbären sind noch die Hannover Scorpions als CHL-Teilnehmer betroffen. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke sagte dem Tagesspiegel: „Unserem Vertragspartner IIHF ist die Refinanzierung der Liga um die Ohren geflogen. Aber das ist nicht unser Problem, das hätte sich der Verband vorher überlegen müssen.“ Man werde nun mit anderen Ligen in Europa prüfen, inwieweit Ansprüche aus dem Vertrag bestehen. Klaus Sturm, ein Anwalt der Eisbären, sagt: „Verträge sind dazu da, dass man sie einhält. Wenn eine Partei ausfällt, dann hat die andere Schadenersatzansprüche.“

Dieser Anspruch wird für die Klubs nicht einfach umzusetzen sein. Denn:  In den Verträgen zwischen Weltverband und Teilnehmerländern heißt es, dass alle Dispute ausschließlich vor dem internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne verhandelt werden müssen – also eine Klage vor keinem anderen Gericht der Welt möglich ist.  Interessant ist auch Punkt 16 des Vertragswerkes, das dem Tagesspiegel vorliegt. Dort steht: Die Vereinbarung gilt bis zur Saison 2010/2011. Anscheinend hat sich der Weltverband mit dem Projekt überhoben. Die Investorengruppe bestand neben Gasprom noch aus der schwedischen Firma „Lundin Petroleum“ und einer dritten Firma – mit Sitz außerhalb Europas, laut Tripcke ist die Gruppe „eine Briefkastenfirma in der Karibik".

Neben den Regressansprüchen an den Weltverband könnte es nun passieren, dass die europäischen Klubs den Wettbewerb in Eigenregie weiterführen. „Wir versuchen da etwas zu organisieren“, sagt Tripcke. Und es könnte auch eine Affäre sein, über die Weltverbandspräsident René Fasel stolpert. Angeblich gibt es auch schon einen potenziellen Nachfolger für Fasel, der ihm erst jüngst seine Wiederwahl ermöglicht hat: Alexander Medwedew, Präsident der russischen ersten Liga und nebenbei Vizepräsident bei Gasprom.

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