Sport : Eishockey: Verjüngung auf dem Eis

Claus Vetter

Nun gibt es im Disput zwischen Senat und den Capitals um den noch nicht unterzeichneten Mietvertrag für die Eissporthalle an der Jafféstraße die nächste Kapriole: Die Profimannschaft des Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist geschlossen in die eigene Nachwuchsabteilung eingetreten. Die "Young Capitals" sind im Gegensatz zum Profiteam keine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), sondern ein eingetragener Verein (e. V.). Und die Young Capitals stellten den "neuen" Vereinsmitgliedern gestern eine Trainingszeit zur Verfügung. "Dagegen kann rechtlich niemand etwas machen", sagt Manager Lorenz Funk. Auf einem anderen Rechtsweg sind die Capitals dagegen gestern gescheitert. Das Kammergericht bestätigte die Entscheidung des Landgerichts, nach der die Capitals nicht mehr in der Halle an der Jafféstraße trainieren dürfen. Am kommenden Mittwoch planen die Fanklubs der Capitals und der Eisbären einen Autokorso, um gemeinsam gegen die Forderungen des Senats zu protestieren.

Das Hickhack an der Spree wird längst von der DEL-Führung mit Interesse verfolgt. "Wir sehen die Berliner Probleme mit Besorgnis", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, "wollen uns aber uns nicht ins politische Gemenge einmischen." Sollten sich die Capitals nicht bis Saisonbeginn mit dem Senat einigen, drohe ihnen allerdings das Aus, kündigt Tripcke an: "Wenn keine Spielstätte zur Verfügung steht, muss die Lizenz entzogen werden. Für die entstehenden Schäden würden die übrigen Gesellschafter der DEL sicher Forderungen stellen."

Daran denkt die Konkurrenz noch nicht. "Alle wollen, dass die Capitals spielen", sagt Bernd Kress, Geschäftsführer der Frankfurt Lions. Streitigkeiten mit der Stadt seien auch den Lions nicht fremd: "Wir zahlen eine hohe Hallenmiete. Allerdings müssen wir vor der Saison keine Kaution hinterlegen." Dafür verdiene man nichts am Catering oder an den Parkplätzen. Das tun die Capitals auch nicht, im Gegenteil: Die Miete für den Schotterplatz neben der Halle beträgt pro Saison rund 20 000 Mark. "So schlimm ist es bei uns dann doch nicht", sagt Kress, "zudem haben wir die schönere Halle." In einer ganz anderen Situation sind die Mannheimer. "Wir zahlen der Stadt nichts", sagt Marketingleiter Doug Heydecker, "hier wird so ziemlich alles für uns getan."

Generell gibt es in der DEL zwei Konstellationen: Während sich Klubs, die in städtischen Stadien spielen, mit der Gemeinde über die Miete einigen, machen dies andere mit privaten Betreibern. Diese können auch Mitglieder der jeweiligen GmbH - also des Klubs - sein. So berappen zum Beispiel Hannover Scorpions und Kassel Huskies keine Miete, weil die Hallenbetreiber auch in der Klub-Führung sind. Manch anderer wird aber zur Kasse gebeten, insbesondere Vereine mit modernen Großarenen, wie die Revier Löwen, die in der "Arena Oberhausen" (Fassungsvermögen 9425 Zuschauer) spielen, oder die Kölner Haie in der Kölnarena (18 500 Zuschauer). "Wir haben mit dem Betreiber einen Zehn-Jahresvertrag", erläutert Kölns Sprecher Holger Rathke. "Wir zahlen keine feste Miete, die Zuschauereinnahmen werden im Verhältnis von 65 zu 35 Prozent zu unseren Gunsten geteilt." Seit Juni haben die Haie ein neues Trainingszentrum gemietet. "Da zahlen wir einen Festbetrag, allerdings können wir die Halle durch Vermietung refinanzieren", sagt Rathke. "So kommen wir bei null raus."

Von diesen Bedingungen können die Capitals nur träumen. Auch verhält sich die marode Halle an der Jafféstraße zur Kölnarena eher wie die Charlottenburger Friedenskirche zum Kölner Dom.

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