Sport : Eishockey: Verständigung durch Zeichensprache

Claus Vetter

"Kreisen" statt "stoppen und starten": Vor einer Woche ist Alex Hicks in Berlin gelandet. Und von dem, was ihn bei den Eisbären und in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) erwartet, hatte der Kanadier bis zu seiner Ankunft am Flughafen Tegel kaum eine Vorstellung. Einige neue Eindrücke auf und abseits der Eisfläche galt es für den 31-jährigen Stürmer in den zurückliegenden Tagen zu verarbeiten. "Das ist hier ein anderes Spiel als in Nordamerika. Vor allem wegen der größeren Eisfläche, die viel mehr Kombinationen erlaubt. Da musst du deine Kreise drehen, dich anbieten." Und dann wäre da die Stimmung auf den Rängen: "Unglaublich, wie laut das hier in den Stadien ist. Da kannst Du dich mit deinen Mitspielern ja nur per Zeichensprache unterhalten."

Ab 1995 war Hicks in der nordamerikanischen Profiliga NHL aktiv, bei fünf verschiedenen Arbeitgebern hat er sein Glück versucht. Ob nun in Anaheim, Pittsburgh, San Jose, Calgary und oder schließlich bei den Florida Panthers: So richtig Fuß gefasst hat der Kanadier in der NHL nie. Statt bei den Panthers musste er in der zurückliegenden Saison zumeist beim Farmteam in Louisville seinen Dienst verrichten. 25 Tore hat Hicks in 258 NHL-Partien erzielt, nicht unbedingt eine berauschende Marke für einen Stürmer - die sich angesichts der meist an ihn gestellten Anforderungen allerdings erklärt: "In der NHL sind die ersten beiden Sturmreihen für die Tore zuständig. Meine Aufgabe bestand darin, für die nötigen Checks zu sorgen, besonders im Unterzahlspiel."

Trotzdem, ganz so schlecht sieht es mit den spielerischen Qualitäten des Alex Hicks nicht aus, das deutete sich bei seinem ersten Auftritt im Eisbären-Trikot gegen Iserlohn an. Dass die Berliner allerdings vor allem dank Hicks ihre Anfang dieser Saison offenbarten Schwächen vor des Gegners Tor beheben können, glaubt er nicht. "Ich bin von Natur aus kein Torjäger, meine Stärke liegt darin, einen guten Pass zu spielen." Und eine gewisse Anlaufzeit müsse man ihm auch gestatten, der Sprung vom Flieger aufs Eis war dann doch ein wenig heftig. Rund 30 Stunden nach der Landung musste Hicks am vergangenen Freitag schon gegen Iserlohn spielen. "Da war ich noch nicht fit, schließlich habe ich keine Vorbereitung gehabt."

Trotz des unvermittelten Starts in die Saison, in Berlin gefällt es Hicks schon jetzt. Obwohl es jemanden, der vergangene Woche noch in Miami - der Heimat der Florida Panthers - weilte, angesichts der Temperaturen an der Spree schon ein wenig fröstelt? "Nein, das Wetter hier ist gut. Schön kalt - eben wie bei mir zuhause in Calgary." Andere Mitglieder der vorrangig aus Kanada stammenden neuen Eisbären-Crew scheinen da größere Akklimatisierungsprobleme als Hicks zu haben. "Hier musst du ja jeden Tag in der Zeitung nachlesen, was für einen Fehler du gemacht hast", sagt Assistenztrainer Rich Gosselin erstaunt über die Berliner Sitten. "Und wenn du mal drei Fehler auf einmal machst, dann liest du darüber wahrscheinlich im Flugzeug auf dem Weg nach Hause."

So weit ist es natürlich nicht, bei den Eisbären sitzt keiner auf gepackten Koffern. Die Berliner sind mit drei Punkten aus zwei Partien in die Saison gestartet, die Arbeit von Trainer Glen Williamson und Assistent Gosselin müsste demnach bei der Klub-Führung für zufriedene Mienen sorgen. Freilich, die nächsten Aufgaben haben es in sich: Heute kommen die Krefeld Pinguine ins Sportforum Hohenschönhausen (Beginn 19.30 Uhr), am Sonntag bitten die Capitals zum Lokalderby in die Eissporthalle an der Jafféstraße. Für dieses Wochenende ist also Konzentration gefragt, jedenfalls mehr als am Dienstag beim 3:5 von Oberhausen, meint Eisbären-Torwart Klaus Merk: "Da haben wir zu wenig geboten, um zu gewinnen."

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