Sport : Eishockey: Wasser zur Schweinshaxe

Claus Vetter

Kaum einem Trainer in der Deutschen Eishockey-Liga wird mit so viel Respekt begegnet wie Hans Zach. Dem Tölzer eilt der Ruf voraus, immer den größtmöglichen Erfolg zu erreichen. Das ist bei den Kassel Huskies, bei denen mehr deutsche Spieler zum Kader gehören als bei jedem anderen DEL-Klub, nicht anders als bei der Auswahl, die der Bundestrainer Zach im Frühjahr nach jahrelanger Tristesse bis ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft führte.

Offene Kritik am leicht in Rage kommenden, Disziplin liebenden "einzigen Bayern, der zur Schweinshaxe Wasser trinkt" (Originalton Zach) gilt als verpönt. Bis jetzt jedenfalls war das so, denn beim EHC Eisbären werden die Kritiker Zachs erstaunlich mutig. Zum Beispiel David Cooper. Vor zwei Jahren war der 27-jährige Kanadier noch in Kassel aktiv. Am heutigen Freitag, wenn die Huskies ins Sportforum kommen (Spielbeginn 19.30 Uhr) steht für den - in dieser Saison bisher auffälligsten - Verteidiger der Eisbären "das Spiel des Jahres" an. "Zach ist ein guter Trainer", sagt Cooper, "aber er fordert viel, manchmal zu viel. Manche seiner Spieler mögen das nicht unbedingt."

Cooper, der nach einem eher unglücklich verlaufenen einjährigen Intermezzo in Nordamerika - er kam in der National Hockey League (NHL) nur auf zwei Einsätze bei den Toronto Maple Leafs - wieder in die DEL zurückgekehrt ist, spricht wohl auch von sich selbst. Denn als Cooper auf den Unterschied der Arbeitsweise von Zach und der seines jetzigen Trainers Uli Egen angesprochen wird, wird er deutlicher: "Uli und Hans? Das sind zwei ganz unterschiedliche Mentalitäten. Uli ist ein Trainer, der auf einer Wellenlänge mit den Spielern ist. Hans hingegen mag keinen Humor in der Kabine, oft wirkt er ein wenig zu angestrengt und emotional." Nun gut, Zach ist nicht als Possenreißer vom Dienst bekannt, aber wird das von einem Eishockey-Lehrer unbedingt verlangt? Uli Egen, ein Jahrzehnt in Kassel als Spieler, Manager und Trainer aktiv, weicht aus. "Der David ist beim Hans nicht zurechtgekommen", sagt der Trainer des EHC, "genauso war das."

Vielleicht hatte Cooper Probleme mit der defensiv ausgerichteten, bei Nordamerikanern nicht eben beliebten Taktik von Zach, die aber doch sehr erfolgreich ist? "Erfolgreiche Defensive?" Egen schmunzelt. "Am Dienstag hat Kassel in Oberhausen sieben Tore kassiert. Die haben früher nur von ihrem guten Torwart Chris Rogles gelebt und der ist jetzt in Köln. Wir haben in der vergangenen Saison 1:2 in Kassel verloren, dabei ein Schussverhältnis von 46 zu 19 zu unseren Gunsten gehabt. Da kann die Defensivtaktik ja wohl nicht so gut gewesen sein." Die Stimmungslage vor der Partie zwischen Eisbären und Huskies verheißt, dass der Unterhaltungsfaktor heute im Sportforum auf und vor allem abseits der Eisfläche über seinem Durchschnittswert liegen sollte. Aber das liegt er ja sowieso immer, wenn Hans Zach vorbeischaut.

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