Eishockey-Weltmeisterschaft : Der Titel gehört Köln

Die Eishockey-WM prägt das Stadtbild der Metropole am Rhein, im Spielort Paris dagegen ist wenig los.

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Da geht noch was. Soll ja nicht nur Knäckebrot in Köln geben.
Da geht noch was. Soll ja nicht nur Knäckebrot in Köln geben.Foto: Monika Skolimowska/dpa

Im Kölner Hauptbahnhof ist dieser Tage ein Schnellkurs in Sachen Eishockeyregeln möglich. Auf einer großen Tafel neben in Eishockeyausrüstung gekleideten Schaufensterpuppen hinter Glas und Riesenwänden mit Spielergebnissen stehen die Regeltafeln. Das ist sinnvoll, schließlich werden auf Großbildschirmen im Bahnhof auch die Spiele der Eishockey-Weltmeisterschaft live übertragen. Das läuft alles ganz gut in Köln, hat doch die Stadt am Rhein Routine mit so einer Großveranstaltung. Schon 2001 und 2010 fand eine Eishockey-WM in der Kölnarena statt, und unvergessen ist auch die Handball-WM 2007 von Köln.

Im Zentrum ist es nicht zu übersehen, dass das WM-Turnier für zweieinhalb Wochen Gast ist. Bei der Werbung für das Turnier ist das Thema Kölner Haie omnipräsent: Auf Plakaten im Bahnhof wird für eine Autogrammstunde mit Haie-Idol Mirko Lüdemann und Klub-Maskottchen „Sharky“ geworben. Die Schaufensterpuppen am Hauptbahnhof sind in Trikots der Haie gekleidet, im offiziellen Video zum WM-Song von Casada tragen die Spieler Ausrüstung mit dem Klub-Emblem und auf Plakaten wurde die WM im Vorfeld bundesweit als „das Kölner Sport-Highlight des Jahres“ beworben. Die Eishockey-WM ist in Wirklichkeit nicht in Deutschland, sondern in Köln.

Das liegt natürlich daran, dass es keinen anderen WM–Spielort im Land gibt und fast die Hälfte der Spiele in Paris stattfinden. Frankreich ist ja Co-Gastgeber der WM. Bei der Eröffnungsfeier war diesmal nicht – wie 2010 Bundespräsident Horst Köhler – überregionale Politprominenz am Mikrofon, sondern regionale. Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat die WM am Freitag mit einer Kurzrede eröffnet. Aber sie machen das sehr gut in Köln, vor allem auch für die Fans der anderen Nationen. So erzählt zum Beispiel ein Kneipier in Deutz, dass sie in seinem Lokal umgeschwenkt seien. „Wir setzten jetzt auf die Schweden.“ Anhänger der Skandinavier hätten ihn gefragt, ob es ein Lokal in Köln gebe, dass die Spiele der Schweden zeige. Jetzt gibt es das und „das lohnt sich richtig“, sagt der Wirt.

Auch die russischen Fans prägen zwischendurch mal ein wenig das Stadtbild mit ihren weiß-blau-rot geschminkten Gesichtern und den großen Fahnen. Der Alkoholkonsum einiger russischer Anhänger rund um die Arena ist schon erstaunlich, die vielen Letten halten sich da auch nicht so sehr zurück. Allerdings sind die Russen nach den Spielen ihrer Mannschaft, die bislang ausverkauft waren, zum großen Teil schnell verschwunden aus Köln – sie kommen eben nicht aus Moskau, sondern haben zum großen Teil den Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen. Köln liegt in der Gunst der Zuschauer weit vor Paris, am Rhein kamen im Schnitt bisher 14.500 Zuschauer, die ersten Auftritte der deutschen Mannschaft waren mit je 18.700 Besuchern ausverkauft.

In Paris dagegen sind zur die Zuschauerzahlen enttäuschend, auch beim Gastgeber: Immerhin 11.433 Zuschauer sahen das sensationelle 5:1 gegen Finnland, beim 4:3-Sieg gegen die Schweiz dagegen war das für viel Geld umgebaute Palais Omnisport in Bercy halbleer – nur 6447 Zuschauer kamen. Wenn es auch einen schrägen Lapsus beim ersten Spiel der Slowaken gegen Italien gab, als dem Sieger Slowakei die slowenische Nationalhymne gespielt wurde: Die Organisatoren in Köln sind insgesamt etwas erfahrener, die Besucherzahlen in Köln stimmen – auch wenn es am Mittwoch noch Restkarten für das vierte Spiel der Deutschen gegen die Slowakei gab (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet). „Das Ziel sind 600.000 Zuschauer insgesamt in allen 64 Spielen“, hat Franz Reindl gesagt, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes. Sollte das Ziel verpasst werden, ließe sich am Ende dann sagen: An Köln lag es nicht.

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