Sport : Eishockey: Wie beim großen Krimi

Claus Vetter

Berlin. Zwei Spieltage sind in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) erst absolviert und schon trennen die beiden Berliner Teams zwölf Punkte. Gestern, beim Derby im ausverkauften Sportforum Hohenschönhausen, kam der EHC Eisbären gegen die Capitals zu einem 4:2 (1:1, 2:0, 1:1) und damit schon zu seinem zweiten Saisonsieg und zur Tabellenführung. Die Capitals, nach dem Theater um ihre Lizenz von der DEL mit sechs Minuspunkten belegt, sind hingegen nach zwei Niederlagen - die Hypothek eingerechnet - nun auf dem letzten Platz.

Schon zwei Stunden vor Spielbeginn bot sich vor der Halle im Sportforum ein für Berliner Derbys im Eishockey bekanntes Bild. Riesenschlangen vor den wenigen Kassenhäuschen, viele Fans kamen allerdings zu spät. Die begehrten Tickets wurden dann auf dem Schwarzmarkt für mehr als 100 Mark gehandelt. Der große Andrang durfte angesichts der Tatsache, dass gestern an sich kein großer Krimi auf dem Programm stand, dann doch ein wenig überraschen. Denn zu eindeutig waren die Rollen zwischen den Kontrahenten im Vorfeld verteilt worden - allerdings zu Unrecht, wie sich schnell zeigen sollte.

Die favorisierten Eisbären taten sich lange recht schwer, der Außenseiter aus Charlottenburg überraschte hingegen. Das in wenigen Tagen zusammengestellte Team von Trainer Gunnar Leidborg deutete an, dass im Saisonverlauf durchaus mit ihm zu rechnen ist. Aber bis es so weit ist, müssen wohl noch einige Trainingszeiten absolviert werden. Insbesondere in konditioneller Hinsicht haben die Capitals noch erhebliche Probleme.

Obwohl die Eisbären dank ihres fleißigen neuen Stürmers aus den USA, Chris Marinucci, und einer Unachtsamkeit von Andrej Mezin, dem Torwart der Capitals, schon nach sieben Minuten in Führung gingen, zeigten sie sich anfangs doch erstaunlich konzeptlos. Für den Höhepunkt sorgte in dieser Hinsicht zweifellos Geburtstagskind Lee Sorochan. Der Gabentisch war gestern im Hause des Kanadiers offensichtlich so reichlich gedeckt, dass Sorochan etwas abzugeben hatte. Marinucci profitierte, legte völlig unbedrängt auf Fredrik Öberg ab und der schwedische Stürmer in Diensten der Capitals konnte Richard Shulmistra im Tor der Eisbären mühelos überwinden.

Dass im Folgenden die Charlottenburger dem Führungstreffer näher waren als ihre Kollegen aus Hohenschönhausen, musste überraschen. Aber die Capitals ließen durchblicken, dass noch nicht vieles einstudiert werden konnte. So brachten sie auch bei einer - immerhin 91 Sekunden währenden - 5:3-Überzahl Ende des ersten Drittels nichts zustande. Und da die Fehlerquote bei den Capitals spätestens Anfang des Mittelabschnitts zunahm, hatten die Eisbären häufig freie Bahn. David Cooper nutzte dies als Erster mit einem sehenswerten Treffer ins rechte Eck, Mitte des zweiten Drittels konnte David Roberts nach schöner Vorarbeit von Jeff Tomlinson den machtlosen Mezin überwinden. Auch im letzten Drittel wehrte sich der Außenseiter tapfer, wurde mit dem Anschlusstor von Wjatscheslaw Fandul auch belohnt. Doch nach dem 4:2 für die Eisbären durch Steve Walker war die Frage nach dem Sieger beantwortet.

Während bei den Capitals vor allem der schwedische Stürmer Fredrik Öberg überzeugte, war beim EHC vielleicht schon zu erkennen, dass in dieser Saison ein altes Problem gelöst sein könnte. Erwies sich die Position des Torwarts bei den Berlinern in der Vergangenheit doch häufig als recht wackelig, so scheint mit Richard Shulmistra nun endlich ein überzeugender Kantonist gefunden zu sein. Der Kanadier gab sich gestern - wie schon beim 4:1 in Frankfurt - keine Blöße. Zudem scheint Shulmistra zu wissen, was bei den Fans ankommt. Im Stil von Klaus Merk - inzwischen beim EHC zweiter Torhüter - fällt bei dem Kanadier manche Parade doch ein wenig ausführlicher aus als vielleicht nötig.

Aber ein bisschen Show, daran haben die Anhänger der Eisbären immer ihre Freude. Die hatten sie gestern ohnehin. "Die Nummer eins, das sind jetzt wir" - so schallte es von den Rängen. Und dies war naturgemäß noch der harmloseste Schmähruf in Richtung Anhänger der Capitals. Viele haben gestern von denen ohnehin nicht zugehört, denn Fans der Capitals waren mal wieder - wie so häufig beim Derbys, ob nun in Ost oder West - klar in der Unterzahl. Nur rund 200 von ihnen hatten den Weg ins Sportforum gefunden.

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