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Eishockey : Wie einst im Mai

Deutschlands Eishockey-Nationalmannschaft verliert nach dem Sieg über Kanada gegen die Slowakei mit 2:3 und muss nun gegen die Schweiz gewinnen, damit das Ziel Titelverteidigung noch erreicht werden kann. Egal, wie es weitergeht – die Fans sind jetzt schon begeistert.

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Schon wieder euphorisch. Alexander Weiss bejubelt sein Tor gegen Kanada. Foto: dpa Foto: dpa
Schon wieder euphorisch. Alexander Weiss bejubelt sein Tor gegen Kanada. Foto: dpaFoto: dpa

Als die Zuschauer nach dem Verhallen ihrer Hymne noch minutenlang im Gewinnertakt klatschten, musste sich die Eishockeynationalmannschaft für einen Moment in den Mai zurückversetzt fühlen. Damals, bei der Heim-WM, erfuhr die Euphorie für dieses erfrischend aufspielende Team ungeahnte Ausmaße.

Doch statt im aufregenden Frühjahr ließen sich die Deutschen mitten im grauen November feiern – auf kleinerer Eishockeybühne. Zum Auftakt des Deutschland-Cups hatten sie soeben einen gewiss etwas schwächer besetzten Olympiasieger Kanada 4:3 bezwungen. „Wir hatten ein fantastisches Publikum hinter uns“, sagte Bundestrainer Uwe Krupp. „Unser Einsatz war super, und Dennis Endras war da, als es darauf ankam.“

Die Massen jubeln und der Torwart schnappt sich Schuss um Schuss: So manches scheint sich herübergerettet zu haben in den Herbst. Und einiges hat sich sogar verbessert – glaubt man Franz Reindl, dem Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). „Unsere Nationalmannschaft ist in einen größeren Blickpunkt gerückt und hat uns viel Rückenwind verliehen.“ Am ehesten zeigt sich das in der Kooperation mit Sport 1. Der Fernsehsender wird wissen, warum er sich die Rechte am Deutschland-Cup bis zum Jahr 2013 und die an der WM sogar bis 2017 gesichert hat und selbst über den DEB-Nachwuchs berichten will.

Während die Liga nicht zuletzt durch juristische Schlachten mit den Vereinen, den Pleiten und Fast-Pleiten Glaubwürdigkeit und Zuschauer eingebüßt hat, scheinen dem Nationalteam die Sympathien zuzufliegen. Noch heute vergehe im Leben von Krupp kaum ein Tag, an dem er nicht auf die WM angesprochen werde. „Eine neue Atmosphäre“ hat der Bundestrainer rund um sein Team ausgemacht. Dass er trotzdem mit einem Engagement bei den Kölner Haien liebäugelt und dem DEB spätestens nach der WM 2011 abtrünnig werden könnte, mag nicht recht in dieses neue Gemeinschaftsflair passen. „Wir haben alle unglaublich viel Spaß“, sagt Torhüter Endras. „Und wenn man dann dieses goldene Trikot überstreift, ist man automatisch motiviert.“ Das goldene Trikot, das in Wirklichkeit hellorange schimmert, ist seit dem WM-Eröffnungsspiel in Schalke – auch marketingtechnisch – der Renner.

Dennoch wird sich das Nationalteam auch in diesem Dress kaum dauerhaft in der Eishockey-Elite tummeln können. Zwar kletterten die Deutschen nach Platz vier im Frühjahr in der Weltrangliste auf den neunten Rang, „viel hängt aber immer noch von Euphorie und Willen ab“, findet Reindl – erst recht, wenn, wie beim Deutschland-Cup, viele Debütanten und nur noch sieben Spieler aus dem WM-Kader auf dem Eis stehen. Dass diese unbedarfte Mannschaft nicht immer auf demselben hohen Energielevel spurten kann, merkten auch die 7100 Zuschauer in der Münchner Olympiahalle einen Tag nach dem Sieg über Kanada. Etwas matter starteten die Deutschen da und unterlagen der Slowakei 2:3 (0:1, 0:1, 2:0) nach Verlängerung. Das eigentlich bemerkenswerte daran ist, dass Krupps Team nach einem 0:2-Rückstand zurückkam und durch einen gewonnenen Punkt im letzten Spiel gegen die Schweiz am Sonntag (20.15 Uhr, live bei Sport 1) nun noch um den Turniersieg spielt.

„Wir wollten uns nicht geschlagen geben“, sagte der zweifache Torschütze Kai Hospelt, „das ganze Team hat immer an den Sieg geglaubt.“ Selbstbewusstsein: Auch das ist ein Erbe der Heim-Weltmeisterschaft.

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