Eishockey-WM : Das Ende der Mathematiker

Finnland kann seine starke Eishockey-WM nicht krönen, durch ein 2:0 im Finale wird Kanada zum 26. Mal Weltmeister.

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Konfetti für Kanada. Das kanadische Team durfte am Sonntagabend jubeln.
Konfetti für Kanada. Das kanadische Team durfte am Sonntagabend jubeln.Foto: AFP

Als ein an sich unspektakuläres WM-Finale in Moskau vorbei war, gab es doch noch eine kleine Überraschung. Obwohl seine Russen im Endspiel nicht beteiligt waren, trat Wladimir Putin vor das Mikrophon, um dem alten und neuen Weltmeister Kanada zu gratulieren. Mit  harmlosen Aussagen. Nur als der russische Staatspräsident der eigenen Mannschaft zum dritten Platz „gratulierte“, war der Jubel in der Arena groß. Leiser wurde es unter den 11.500 Zuschauern dann, als der Sieger den WM-Pokal bekam. 2015 hatte beim WM-Finale von Prag noch die absolute kanadische Star-Mannschaft um Sidney Crosby gezaubert, diesmal reichte die Hälfte an Stars zum 26. Weltmeistertitel. Das Eishockey-Endspiel vom Sonntag gegen Finnland werden sie in der Eishockeynation aber wohl eher schnell  abhaken, denn der 2:0-Sieg war zwar verdient, aber auch keine grandiose Zauberei.

Finnland hatte zuvor alle Spiele gewonnen

Finnland gegen Kanada – das war das logische Finale in Russland. Das taktisch stärkste gegen das spielerisch beste Team. Besser konnte es nicht kommen, auch wenn das die Fans in Moskau zu einem großen Teil anders sahen. Aber die russische Mannschaft war auch diesmal, wenn auch fast in bestmöglicher Besetzung, einen Tick zu unreif für den Titel. Das ist natürlich trübe, wenn so ein Riesenland in seiner großen Sportart im entscheidenden Moment zu oft den anderen an der absoluten Weltspitze hinterherläuft (den WM-Titel von 2014 mal außen vor gelassen). Und ein Mini-Land wie Finnland den Russen trotz ihrer Superstars aus der NHL wie Pawel Dazjuk oder Alexander Owetschkin (auch bei dieser Heim-WM eine große Enttäuschung) in punkto Spielstrategie so vieles voraushat. Finnlands Trainer Kari Jalonen sagte nach dem 3:1-Erfolg gegen die Russen im WM-Halbfinale: „Finnische Mathematik hat russische Artistik geschlagen.“

In der Vorrunde war Kanada mit 0:4 untergegangen

Die Finnen stehen fast immer richtig, verlassen selten die für den Moment richtige Position und sie machen ganz selten Fehler. An sich gar keine, weder im Pass- noch Stellungsspiel. Neun Siege in neun Spielen lautete ihre Bilanz vor dem Finale. Die Kanadier waren unter den Geschlagenen, hatten  in der Vorrunde gleich 0:4 gegen die finnische Mannschaft um den erst 18 Jahre alten Jungstar Patrik Laine verloren. Allerdings verliert eine kanadische Auswahl in einem Turnier nicht zwei Mal gegen denselben Gegner. Das 0:4 hatte die Mannschaft um gestandene NHL-Größen wie Corey Perry, Matt Duchene, Brad Marchand und Taylor Hall offensichtlich zum Nachdenken angeregt. Am Sonntag in Moskau überfielen sie den Gegner zu Beginn nicht mit einem viel zu lockeren Sturmlauf wie beim Vorrundenspiel in St. Petersburg, sondern spielten geschickter und ließen sich defensiv auch nicht vom finnischen Passspiel zermürben.

Eine große Party in Kanada? Wohl kaum

Tatsächlich schaffte Kanada es früh, die finnische Defensive zu verunsichern. Der Gegner war völlig aus dem Gefüge, als Connor McDavid zum 1:0 traf. Und fortan rannten die Finnen hinterher – wie eigentlich immer, wenn es im Finale gegen Kanada geht. Schon zehn Mal stand Finnland mit Sonntag in einem WM-Finale. Nur zwei Mal (1995 und 2011) konnten die Finnen dann aber auch den Titel gewinnen, beide Male hieß der Gegner Schweden.
Mit dem kanadischen Tor zum 2:0 in letzter Sekunde  endete eine insgesamt gute WM, die das deutsche Team sehr solide auf Rang sieben beendet hat, mit einem Sieg der Favoriten. Schade für Finnlands, das damit um eine größere Feier herum kam – es wird besonders die Gastwirte in Helsinki geärgert haben.  In Kanada wird es wohl keine großen Feierlichkeiten geben. Vielleicht ein paar kleine, denn in den Play-offs der National Hockey-League (NHL) war und ist diesmal kein einziges kanadisches Team am Start. Doch obwohl die Kanadier die WM seit Jahren viel intensiver verfolgen als früher – so ein Titel wie am Sonntag ist für das eishockeyverrückte Land eine Selbstverständlichkeit. Und Selbstverständlichkeiten sind ja selten ein Grund für eine großen Party. 

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