Eishockey WM : Der Finnlandexperte

Eisbären-Torwart Rob Zepp hütet heute im zweiten WM-Spiel das Tor der Nationalmannschaft

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Endlich auf großer Bühne. Am Freitag musste Rob Zepp noch zusehen, im zweiten Gruppenspiel gegen Finnland wird der gebürtige Kanadier das deutsche Tor hüten. Foto: City-Press GmbH
Endlich auf großer Bühne. Am Freitag musste Rob Zepp noch zusehen, im zweiten Gruppenspiel gegen Finnland wird der gebürtige...Foto: City-Press GmbH

Vielleicht hat Rob Zepp geahnt, dass dieses Stück Papier noch einmal wichtig werden wird. Vor Beginn der Weltmeisterschaft hat er es extra vorbereitet und ausgedruckt. Darauf geschrieben steht der Text der deutschen Nationalhymne. Und seit gestern schaut der 28 Jahre alte Blondschopf noch ein bisschen öfter auf sein Zettelchen, denn im Falle eines Sieges wird sie eingespielt, die Hymne. Seit gestern steht fest, dass Rob Zepp im zweiten WM-Gruppenspiel das Tor der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft hüten wird – und „ein bisschen peinlich“ findet der gebürtige Kanadier es schon, das Lied seines Landes nicht zu kennen.

Sein Ehrgeiz, dieser eigene Antrieb, war es auch, der den Bundestrainer dazu bewogen hat, ihn am Montag gegen Finnland (20.15 Uhr, live bei Sport 1) ins Tor zu stellen. „Der Rob ist heiß und kann es kaum erwarten, aufzulaufen“, sagt Uwe Krupp. Zum einen. Zum anderen kennt Zepp die Gepflogenheiten des finnischen Eishockeys: Zwei Jahre hatte er in der finnischen Liga für SaiPa Lapeenranta gespielt, bevor er 2007 zu den Eisbären Berlin kam. „Hätten wir gegen eine Mannschaft aus Osteuropa gespielt, hätte ich mich für Dimitrij Kotschnew entschieden“, sagt Krupp. So aber übernimmt der Berliner Stammtorwart den Posten von Dennis Endras, der nach seinem herausragenden Auftritt beim 2:1-Auftakterfolg über die USA geschont werden soll.

Zepps Freude, seine Chance zu erhalten, war am Sonntag nicht zu übersehen. „Über die Entscheidung war ich überrascht, fühle mich jedoch geehrt“, sagte er grinsend. „Es ist ein Karriere-Highlight.“ Dass es bei seinem ersten WM-Spiel gleich gegen Finnland geht, ist für den Torhüter beides gleichermaßen: Motivation und Druck. Denn wie sein Trainer glaubt Zepp, „dass die Finnen aggressiv auftreten werden. Sie sind angestachelt.“

Tatsächlich dürfte bei Finnland der Frust mit aufs Eis der Kölnarena laufen. Schließlich waren die Finnen den Dänen in der ersten Vorrundenbegegnung 1:4 unterlegen – eine ähnlich große Überraschung wie die Niederlage der USA gegen Deutschland. Man könnte nun fast den Eindruck gewinnen, die Gruppe D dieser WM steht Kopf: Dänemark liegt vor Deutschland und dahinter erst kommen die Eishockeynationen USA und Finnland. Was ist da schief gelaufen? Nicht viel, meint der Bundestrainer: „Ich sage schon lange, dass Dänemark eine aufsteigende Tendenz hat.“ Dennoch hat nicht nur Marcel Goc vorher „nicht mit dem Erfolg der Dänen gerechnet“. Der deutsche Kapitän sah live mit an, wie die dänischen Anhänger auf den Rängen zum Sieg ihres Teams schunkelten, während die Finnen weitgehend harmlos ihre Kringel zogen.

Dass Finnland wie die USA mächtig unter Zugzwang geraten ist, macht die Aufgabe für das Team von Uwe Krupp in seiner Gruppe nicht einfacher. Der vermeintliche Vorteil durch den Sieg über die USA scheint mit dem gleichzeitigen Erfolg Dänemarks, das anders als die Deutschen nach regulärer Spielzeit gewann, dahin – eigentlich waren vor dem Turnier viele davon ausgegangen, dass Deutschland und Dänemark sich im letzten Gruppenspiel um den verbliebenen Platz in der Zwischenrunde streiten würden. Andererseits bräuchte sich das Nationalteam um diese Konstellation gar nicht zu scheren: Wenn es gegen die Finnen siegt, wäre es bereits für die nächste Runde qualifiziert.

An der Motivation ihres Torwarts sollte es dabei nicht scheitern. „Ich werde auf jeden Fall alles geben“, sagte Rob Zepp und wollte zum Schluss noch etwas Wichtiges loswerden „Ich lerne die Sprache sehr oft“, sagte er mit leichtem amerikanischen Einschlag auf Deutsch. Und: „Ich freue mich auf das Spiel.“

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