Sport : Eishockey-WM: Die besten Underdogs

Claus Vetter

Zwei Jahre ist es her, da fand ein wichtiger Auftritt der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Seinerzeit musste der damals neue Bundestrainer Hans Zach mit seinem zuvor aus der A-Gruppe abgestiegenen Team bei der B-Weltmeisterschaft in Dänemark antreten. Ein Sportsender übertrug zwar ein paar Spiele, doch neben dem Fernsehen fanden sich gerade mal drei Journalisten aus Deutschland ein. Zu berichten gab es ohnehin nichts Erbauliches. Die deutsche Mannschaft verpasste den Aufstieg in die A-Gruppe, nach Niederlagen gegen Eishockey-Zwerge wie Dänemark und Kasachstan.

Was allerdings dem Desaster von Dänemark folgte, konnten selbst kühnste Optimisten nicht erwarten. Ein Jahr später gelang der deutschen Mannschaft souverän der Aufstieg in die A-Gruppe. Es gab dann bei der Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2002 einen glatten Durchmarsch. Damit nicht genung, heute steht die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im eigenen Lande im Viertelfinale. Sie trifft am Nachmittag in der Kölnarena auf Finnland.

Natürlich sind die Deutschen - im Vorfeld der WM selbst von Zach nach außen hin als Abstiegskandidat hingestellt - gegen die Finnen, die mit zwölf Spielern aus der nordamerikanischen Profiliga NHL antreten, Außenseiter. Allerdings einer, der nichts zu verlieren hat. Das deutsche Team kann nur noch gewinnen. Selbst ein Erfolg gegen Finnland wäre kein Wunder, sondern erklärbar: Die Deutschen haben mit der Rolle des Underdogs bei dieser WM blendend gelebt und zudem bewiesen, dass sie mit allen Nationen mithalten können. In keinem ihrer sechs Spiele haben sie mehr als drei Gegentore kassiert. So etwas hat noch nie eine deutsche Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft bewerkstelligt. "Das ist die stärkste Mannschaft, die wir je hatten", behauptet Zach sogar. Da liegt der Bundestrainer wohl nicht mal falsch, auch die Trainer der gegnerischen Mannschaften haben ihm da bisher nicht widersprechen wollen.

Den Spielern, den Verantwortlichen des unerwarteten Erfolges, kommt der Aufschwung mitunter noch unheimlich vor. Für Stürmer Jürgen Rumrich ist es "das schönste Erlebnis meiner Karriere". Sein Kollege Marcel Goc hatte bei den ersten beiden Spielen in der Kölnarena gar Angst nach oben in die Ränge zu blicken: "Wenn ich dann die fast 20 000 Zuschauer sehe, schaue ich schnell wieder nach unten. Das ist mir fast zu gigantisch."

Nicht minder beeindruckend ist, was sich im Umfeld der Nationalmannschaft abspielt. In Hannover wurden die Spieler bei jedem ihrer kurzen Gänge vom Hotel zur Preussag-Arena von Autogrammjägern abgefangen. Und an den Ständen mit Souvenirartikeln werden inzwischen auch Trikots mit den Namenszügen von Christian Künast (München) oder Robert Müller (Mannheim) gekauft. In ihren Klubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sind beide Torhüter nur zweite Wahl. Dass sie trotzdem ihr Fach beherrschen, haben sie nun auf internationalem Niveau bewiesen.

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