Eishockey-WM : Kampf um den Rekord

Kanada und Russland spielen am Sonntag bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz um den Titel. Der Sieger des Duells wird Rekordchampion, beide Teams gewannen bisher 24 mal bei einer WM

Claus Vetter

Russland gegen Kanada – das ist für viele Eishockeyanhänger das Weltmeisterschaftsfinale schlechthin. Und heute streiten sich die beiden großen Eishockeynationen in der Berna Arena auch noch um den inoffiziellen Titel des  Rekordweltmeisters, beide Länder gewannen jeweils 24 Mal Gold bei einer WM.

 

Russland gegen Kanada - das ist tatsächlich eine Finalansetzung, die es bei Weltmeisterschaften in den vergangenen 20 Jahren nur einmal gab. Denn nach dem politischen Zusammenbruch des Ostsblocks hatten sich die Wege getrennt: Während kanadische Teams die internationale Szene stärker denn je dominierten, schlidderte das russische Eishockey in eine große strukturelle Krise. 1990 gewann zum letzten Mal die ehemalige Eishockeymacht UdSSR ein WM-Turnier, den Russen gelang dies noch einmal, 1993. Die Spielergeneration danach hatte selten Grund zum Feiern – bis zum vergangenen Jahr. Da holten die Russen nach 15 Jahren wieder einen WM-Titel, ausgerechnet beim Turnier in und gegen Kanada: Ilja Kowaltschuk traf beim Finale in Quebec City zum 4:4-Ausgleich und zum 5:4 in der Verlängerung.

 

Kowaltschuks Tor hat im eishockeyverrückten Kanada (fast 600.000 Spieler laufen in dem Land in Vereinen dem Puck hinterher, dazu kommen noch Millionen von Hobbyspielern) eine Wunde gerissen. Interessierte früher in Kanada nur die National Hockey League (NHL), so ist nach der WM 2008 das Interesse an dem internationalen Turnier deutlich gewachsen. Center Derek Roy von den Buffalo Sabres sagt dann auch vor dem Finale gegen die Russen: „Wir sind hierher gekommen, um Gold zu gewinnen. Ich war vergangenes Jahr dabei, und weiß, worum es geht.“

 

Es geht für die Kanadier um die Wiederherstellung der alten Hierarchie im Welteishockey. Einfach wird es für sie nicht, die Finalgegner liegen vom läuferischen und kämpferischen Niveau nicht auseinander, die Spielstile beider Teams sind ähnlicher den je. Überhaupt hat das Turnier in der Schweiz interessante Erkenntnisse gebracht. Die Schweden (im Halbfinale 1:3 gegen Kanada unterlegen) und die USA (2:3 gegen Russland) sind angesichts schwächelnder Tschechen und Finnen wohl die Nationen, die in naher Zukunft den Russen und Kanadiern Gegenwehr leisten werden. Auffällig gut ist die Entwicklung der USA. Inzwischen gibt es in dem Land nach Kanada die meisten registrierten Eishockeyspieler (rund 500.000). In den USA wird viel in die Zukunft investiert, in diesem Jahr gewann das U-18-Team den Weltmeistertitel.

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