Sport : Eishockey-WM: Kühnhackls Erben fürchten Schweizer

Claus Vetter

Einen Tag vor Beginn der Weltmeisterschaft fehlt rund um die Kölnarena noch das große Eishockey-Fieber. "Warum auch?", schimpft ein Taxifahrer, "die Deutschen haben doch sowieso keine Chance!" Früher, ja früher, da war das alles anders und - natürlich! - viel besser, meint der freundliche, ältere Herr. "Erich Kühnhackl oder Udo Kießling, die kannte man, da bin ich auch zu jedem Spiel von den Kölnern gegangen." Rund um die Heimstätte der Kölner Haie bietet sich dem neutralen Betrachter indes ein ungewohntes Bild. Die gigantische Kölnarena, größte Halle Deutschlands, wird eingerahmt von Bierbuden und Containern. Irgendwo dazwischen steht ein riesiges Pressezelt. Und in den Provisorien sitzt am Freitagmittag Hans Zach. Der Bundestrainer grantelt wie gewohnt. Einen Tag vor dem Auftaktspiel der deutschen Mannschaft gegen die Schweiz (heute, 15.15 Uhr, live in Sat.1) gibt es auf der ersten offiziellen Pressekonferenz der WM vorwiegend Bekanntes zu hören. "Wir haben gegen die Schweiz keine Chance", sagt Zach zum x-ten Mal, "aber die wollen wir nutzen." Der Bundestrainer ist bei seinem Lieblingsthema. "Die Schweizer haben zuletzt drei gute A-Weltmeisterschaften gespielt, haben sich im Konzert der Großen etabliert. Davon sind wir meilenweit entfernt." Grafik:
Die Gruppeneinteilung der Eishockey-WM Der Spielplan der deutschen Gruppe (A) Tatsächlich ist unstrittig, dass das Schweizer Eishockey jüngst dank intensiver Nachwuchsarbeit einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht hat. Beleg dafür ist auch Platz zwei bei der vor wenigen Tagen in Finnland zu Ende gegangenen U 18-Junioren-WM. Mit Torwart David Aebischer hat sich sogar ein Schweizer inzwischen in der nordamerikanischen Profiliga NHL etablieren können. Allerdings fehlt Aebischer bei der WM. Sein Klub, die Colorado Avalanche, ist noch in den Play-offs der NHL beschäftigt.

Geteiltes Leid also. Auch die Deutschen müssen auf ihren besten Torhüter verzichten. Olaf Kölzig von den Washington Capitals aus der NHL hat dem Bundestrainer bekanntermaßen abgesagt. Aber das irritiert Zach nicht. "Wir haben doch mit Künast und Müller zwei gute Torhüter." Gegen Ende der Pressekonferenz wird Zach plötzlich ungewohnt optimistisch. "Die Mannschaft wird das Beste aus sich rausholen", verspricht er.

Die Auftaktpartie der WM wird heute in der Kölnarena vor 18 500 Zuschauern stattfinden. Seit Dezember sind alle Eintrittskarten vergriffen. Nicht alle deutschen Eishockeyfans sind eben Nostalgiker und trauern den Zeiten von Kühnhackl und Co. ewig hinterher.

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