Eishockey-WM : Marcel Goc: Der Mann fürs Riesending

Lange galt er nur als Talent, doch in dieser Saison hat sich Marcel Goc in der NHL etabliert. Nun will er das deutsche Team bei der Eishockey-WM anführen.

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Das Talent liegt in der Familie. Seine Brüder Sascha und Nikolai wurden Meister mit Hannover, mit 26 Jahren hat Marcel Goc schon fast 500 Mal in der NHL gespielt.
Das Talent liegt in der Familie. Seine Brüder Sascha und Nikolai wurden Meister mit Hannover, mit 26 Jahren hat Marcel Goc schon...Foto: AFP

Berlin - Hamburg, kaltes Schmuddelwetter. Am Sonntag ist Marcel Goc gelandet. Als der Eishockeyprofi in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee in das Flugzeug stieg, waren dort 30 Grad. Das deutsche Wetter gefällt Goc nicht. Aber zum Glück betreibt er eine Hallensportart, die in den kommenden Tagen in Deutschland ihre Weltmeisterschaft abhält. Jetlag? „Und wie. Deshalb habe ich Montag keinen Mittagsschlaf gemacht, sondern bin aufs Eis zum Training. Spätestens in drei Tagen bin ich bei 100 Prozent.“

Eine Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland, das ist eine besondere Geschichte für Marcel Goc. 2001 war es, als ein Jugendlicher aus dem Schwarzwald mit 17 Jahren und Junioren-Gitter vor dem Helm die Gegner mit seinem Talent erschreckte und so eine große internationale Karriere versprach. Groß ist der junge Mann aus der Eishockeyfamilie aus Calw seitdem geworden. Seine Brüder Sascha und Nikolai wurden unlängst Deutscher Meister mit Hannover, Marcel aber ist Stammspieler in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Der ganz Große ist er da aber nicht geworden. Noch nicht: Denn in der zurückliegenden Saison hat er bei seinem neuen Klub Nashville Predators die Rolle des defensiv ausgerichteten Stürmers, die er in San Jose Sharks jahrelang gespielt hat, aufgeben dürfen. „Für meine Entwicklung war der Wechsel nach Nashville ganz wichtig“, sagt Goc. „Da konnte ich mich nach vorne spielen.“

30 Scorerpunkte gelangen Goc diese Saison in Nashville. Das ist eine solide Marke, über die aber viele Profis des letzten deutschen Testspielgegners vor dem WM-Auftakt gegen die USA am Freitag eher schmunzeln dürften: Am Dienstag geht es in Hamburg (20 Uhr, live auf Sport 1) gegen Kanada um Olympiasieger Corey Perry. Nach der Generalprobe wird Bundestrainer Uwe Krupp den 23 Spieler starken Kader für die WM nominieren.

Sturm, Hecht und Seidenberg sind verletzt

Marcel Goc wird dazugehören – als prominentester Spieler eines deutschen Teams, dem viele seiner NHL-Spieler fehlen. Marco Sturm kann nach seinem Kreuzbandriss nicht nachkommen zur WM, Jochen Hecht und Dennis Seidenberg sind verletzt und Christian Ehrhoff ist in den NHL-Play-offs beschäftigt. Wie bitte will man ohne Sturm & Co. mit den ganz Großen des Welteishockeys mithalten? Goc sagt, das geht: „Das Spiel auf Schalke mit den 76 000 Zuschauern wird ein Riesending. Wenn wir geduldig spielen, haben wir eine Chance. Die Amerikaner werden von der Atmosphäre beeindruckt sein. Da bin ich mir sicher.“

Kampfgeist, Heimvorteil – das seien die Zutaten für eine Überraschung, sagt Goc. So wie 2001, als Deutschland mit dem 17 Jahre alten Center aus Schwenningen das Viertelfinale erreichte. 2010 kann Goc noch wertvoller für das deutsche Team sein – als Torjäger. Beim verkorksten Olympiaauftritt der Deutschen in Vancouver gelangen ihm zwei Treffer. Und wenn Goc auf dem Eis ist, dann fallen wenig Gegentore. In der sogenannten Plus-Minus-Statistik, die sich mit erzielten und kassierten Toren eines Teams beschäftigt, war er in seinem NHL-Team zweitbester Stürmer. Nashville habe ihn selbstbewusst gemacht, sagt Goc. Da habe er sich seinen Platz erkämpft, die Ellbogen ausgefahren. „Bundestrainer Uwe Krupp erwartet jetzt bei der WM von mir, dass ich eine Führungsrolle übernehme, und das erwarte ich auch von mir.“

Er sei übrigens in jeder Hinsicht reifer geworden, schwäbelt Marcel Goc und lacht. Vor neun Jahren habe ihm in Schwenningen Mitspieler Mike Bullard Tipps für Nordamerika gegeben. Nicht etwa fürs Eishockey. „Bullard hat mir gesagt, dass ich mein Golfspiel verbessern müsse.“ Golf, das sei das Hobby aller NHL-Profis. „Beim Golf treffe jetzt fast immer den Ball. Auch wenn ich noch Luft nach oben habe.“ Wie beim Eishockeyspielen eben.

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