Eishockey-WM : Russland wieder Weltmeister

Russland ist erstmals seit 15 Jahren wieder Eishockey-Weltmeister. Die Russen entthronten den gastgebenden Titelverteidiger Kanada im Finale in Québec.

Robert Semmler[dpa]
Eishockey-WM
Russland ist Eishockey-Weltmeister. -Foto: AFP

QuébecAusgerechnet bei der ersten Eishockey-WM in Kanada hat Russland seine lange Durststrecke beendet und ist nach einem Triumph über den gastgebenden Titelverteidiger erstmals seit 15 Jahren wieder Weltmeister. Die Russen entthronten den Rekordchampion und einstigen Erzrivalen am Sonntag im Finale in Québec nach toller Aufholjagd im letzten Drittel mit 5:4 (1:3, 1:1, 2:0) nach Verlängerung. Matchwinner war Ilja Kowaltschuk nach 2:42 Minuten der Extraspielzeit.

Damit verpassten die Kanadier nicht nur ihr 25. WM-Gold, sondern konnten auch nicht den Fluch des Gastgebers besiegen. Zuletzt hatte 1986 die Sowjetunion auf eigenem Eis einen ihrer 22 Titel geholt, dem die Russen 1993 den bisher einzigen weiteren folgen ließen. Den dritten Platz hatte sich am Samstag Finnland mit 4:0 über Schweden gesichert.

Deutsche WM-Gegner für 2009 stehen fest

Die "Sbornaja" erwischte einen Traumstart, als Alexander Sjomin nach nur 83 Sekunden ein Zuspiel von Alexander Owetschkin verwertete, der ebenfalls bei den Washington Capitals spielt. Doch das 16. Tor der Capitals-Reihe, zu der auch Routinier Sergej Fjodorow zählt, beeindruckte die Gastgeber nicht. Verteidiger Brent Burns (4.), Chris Kunitz (10.) mit Kanadas 50. WM-Tor nach Fehler von Maxim Suschinski und erneut Burns (15.) bei 5:3-Überzahl sorgten für das verdiente 3:1 nach dem ersten Drittel. Gegen die geballte Offensivkraft fanden auch die Rothemden zunächst kein Mittel.

Sjomin (22.) verkürzte gleich nach der Pause mit seinem sechsten WM-Tor für die Russen, die nun weniger Strafzeiten kassierten und weitere gute Chancen ausließen. Das bestrafte WM-Torschützenkönig und Topscorer Dany Heatley (30.). Mit seinem zwölften Tor übertraf er Eric Lindros, dessen elf Treffer 1993 kanadischer Rekord für eine WM waren. Alexej Tereschtschenko (49.) und Ilja Kowaltschuk (55.) sorgten im Schlussabschnitt aber noch für den Ausgleich und für Hochspannung. Am Ende stand die erste Niederlage der Kanadier bei Weltmeisterschaften nach 17 Spielen.

Durch den Endspiel-Ausgang stehen sowohl die neue Weltrangliste als auch die deutschen WM-Gegner 2009 in der Schweiz fest. Die DEB-Auswahl trifft in Bern auf den neuen Weltmeister Russland, Gastgeber Schweiz sowie Frankreich.

Weitere Austragung in Kanada befürwortet

13.339 Zuschauer im Colisée von Québec, darunter zahlreiche russische Fans, sahen mit dem tollen Finale einen gelungenen Abschluss des Turniers. Die Premieren-WM in Kanada kam nach anfänglicher Skepsis gut beim Publikum und den Gästen an. "Die Kanadier haben das prima gemacht", sagte Finnlands aus Kanada stammender Trainer Doug Shedden, der sich dank des zu hohen Sieges über Schweden als Nationalcoach des letztjährigen Vizeweltmeisters verabschiedete. Den Finnen gelang eine kleine Revanche für das verlorene Olympia-Finale 2006 und nach dem ernüchternden 0:4 im Halbfinale gegen Russland schon beim vierten großen Turnier in Folge ein Medaillengewinn.

Schweden, das in einem großen Halbfinale mit 4:5 knapp an Kanada gescheitert war, wurde dagegen wie vor einem Jahr in Moskau Vierter. "Ich hätte jetzt gern diese Medaille umhängen", sagte Schwedens Trainer Bengt-Ake Gustafsson mit Blick auf Sheddens große Plakette. Auch Gustafsson sprach von einem großen Turnier, das neben den Playoffs der nordamerikanischen Profiliga NHL seinen Platz fand. Bundestrainer Uwe Krupp hatte nach Platz zehn des deutschen Teams vor dem Abschied aus Halifax eine weitere Austragung in Kanada befürwortet: "Es wäre schade, wenn es wieder so lange dauern würde."

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