Eishockey-WM : Schwarzer Mittwoch

Es sind dies keine schönen Tage für den Deutschen Eishockey- Bund. Nicht nur, dass der DEB die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) im Fall Florian Busch wieder im Nacken hat – nun ist auch noch das WM-Viertelfinale und damit die Olympiateilnahme in weite Ferne gerückt. Das deutsche Eishockey stolpert von Pleite zu Pleite.

Halifax - Nach dem 2:3 (1:0, 1:1, 0:2) gegen Norwegen kann die Mannschaft von Bundestrainer Uwe Krupp die Runde der besten acht Mannschaften der Welt und damit die direkte Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver nur noch durch ein Wunder erreichen. „Wir könnten jede Menge Ausreden finden“, sagte Krupp. „Das ist, was man vermeiden sollte. Wir haben unseren Job nicht gemacht und versucht, das Spiel ein bisschen auf Sparflamme zu gewinnen.“ Torhüter Robert Müller drückte es etwas weniger diplomatisch aus: „Wenn man keine Eier hat, kann man solche Spiele nicht gewinnen.“

In der Partie gegen Norwegen waren die vielen Strafzeiten ein Problem. So kassierte die deutsche Mannschaft nach einer 2:0-Führung durch Tore von Marco Sturm und Philip Gogulla zwei Gegentore bei 3:5-Unterzahl, beim 2:3 saßen die NHL-Profis Marco Sturm,und Christoph Schubert draußen. Der in Duisburg spielende Morten Ask krönte vier Minuten vor Schluss die Aufholjagd der Norweger. Im deutschen Lager charakterisierten Leere in den Gesichtern und Kraftausdrücke auf den Lippen die Stimmung.

Die Niederlage nimmt die deutsche Mannschaft nun mit in die nächste Runde. Schon in der Nacht zum Freitag muss die DEB-Auswahl zum Auftakt der Zwischenrunde gegen die USA wieder aufs Eis, am Samstag geht es gegen Titelverteidiger Kanada, in der Nacht zum Dienstag dann gegen die sportlich als einziger Gegner gleichwertigen Letten. Der erträumte Viertelfinaleinzug und die damit verbundene Olympiaqualifikation ist angesichts dieser Ausgangslage äußerst unrealistisch geworden – die deutsche Mannschaft muss sich wohl auf ein Olympia-Qualifikationsturnier im Februar 2009 im eigenen Land einrichten.

Immerhin, es gab auch eine gute Nachricht an diesem vermaledeiten Mittwoch: Der Einzug in die WM-Zwischenrunde war schon vor der Partie perfekt, weil das vorhergegangene 4:2 gegen die Slowaken nicht wie erwartet aberkannt wurde. Verteidiger Jason Holland, ein gebürtiger Kanadier, war in diesem Spiel unberechtigterweise eingesetzt worden war. Er war statt der bei einem Nationalitätenwechsel gefordert vier Jahre zuvor nur drei Jahre in seiner neuen Heimat tätig gewesen. Die Schuld in diesem Fall nahm Sportdirektor Franz Reindl auf sich: „Ich übernehme die Verantwortung für diesen unverzeihlichen Fehler.“ Holland musste abreisen, aber die Punkte blieben im DEB-Lager.

Zur Freude bestand freilich wenig Anlass, denn über allem thront immer noch der Fall Florian Busch. Zwar darf der Stürmer der Eisbären Berlin aufgrund einer Entscheidung des Eishockey-Weltverbands (IIHF) trotz seiner verweigerten Dopingprobe weiter an der WM teilnehmen. Ausgestanden ist die Affäre damit aber wohl noch nicht. Nur wenige Stunden nach der bitteren Pleite gegen Norwegen schloss die Wada weitere Maßnahmen gegen Busch nicht aus. Der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne ist denkbar, nachdem Busch nach seinem verweigerten Dopingtest vom Eishockey-Weltverband die Spielgenehmigung bekommen hatte. „Die Wada wird die Entscheidung des Weltverbandes bewerten und entscheiden, ob sie nachfolgende Maßnahmen einleitet oder nicht“, teilte die Wada am Donnerstag mit. dpa

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