Sport : Eishockey-WM: Sehnsucht nach deftiger Kost

Claus Vetter

Marco Sturm wirkt müde. Der deutsche Stürmer von den San José Sharks aus der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL ist erst seit zwei Tagen in Deutschland. Und irgendwie noch gar nicht da. "Schade, dass ich mit San José in den Play-offs ausgeschieden bin", sagt der 22-Jährige, "aber jetzt steht eine neue Aufgabe bevor, und auf die freue ich mich." In die Rolle des großen Hoffnungsträgers der deutschen Mannschaft will sich der gebürtige Landshuter einen Tag vor Beginn der Eishockey-Weltmeisterschaft aber nicht drängen lassen. "Wir sitzen alle in einem Boot", sagt Sturm.

Sturm ist offenbar bewusst, dass manch ein Experte zwei andere deutsche Spieler aus der NHL noch lieber als ihn in Köln gesehen hätte. Doch Jochen Hecht, in der laufenden Saison bei den St. Louis Blues weitaus erfolgreicher als Sturm in San José, ist noch in den NHL-Play-offs beschäftigt. Torwart Olaf Kölzig von den Washington Capitals hat Hans Zach abgesagt. Der Bundestrainer ist darüber nicht pikiert. "Vor der Mannschaft habe ich nicht einmal den Namen Olaf Kölzig erwähnt", sagt Zach, "ich glaube, jetzt habe ich den zum ersten Mal komplett ausgesprochen."

Namen interessierten Zach also nicht so sehr. Trotzdem freut ihn die Anwesenheit von Sturm. Mit Einschränkungen allerdings. "Marco trägt das gleiche Trikot wie alle anderen Spieler", sagt Zach, "na gut, vielleicht motiviert seine Anwesenheit die anderen. Der Marco ist ja nun mal ein blendender Spieler, sonst wäre er ja nicht in der NHL. Aber vielleicht sehen die anderen, dass auch da nur Nuancen den Unterschied ausmachen." Das ist im Falle Sturms heftig untertrieben, denn der hat den meisten seiner Kollegen im deutschen Team einiges voraus. Sturms Talent erkannte man bei seinem Heimatverein, dem EV Landshut, früh. Wenige Tage vor seinem 17. Geburtstag schaffte Sturm den Sprung in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL). Sein damaliger Teamkamerad Mike Bullard, eine ehemaliger NHL-Star, wusste schon damals. "Der Marco ist so selbstbewusst, der wird mal ein Großer."

Sturm gehört in der NHL zwar nicht zu den ganz Großen, aber in San José seit zwei Jahren zum Stammpersonal. 14 Tore hat er in dieser Saison erzielt. Gegen Ende der NHL-Vorrunde geriet Sturm aber etwas außer Form und drückte auch mal die Bank. Angesichts seiner in Übersee gesammelten Erfahrung und seiner technischen Fertigkeiten ist er aber sicher in den kommenden Tagen der deutsche Stürmer, von dem man am meisten erwarten darf. Und was erwartet Sturm von der WM? "Wir haben eine sehr junge, aber auch willige Mannschaft. Vielleicht schaffen wir ja die eine oder andere Überraschung." Sturm sagt auch, er rechne wegen der im Vergleich zur NHL größeren Eisfläche mit Akklimatisierungsproblemen - und lacht dabei. "Da muss ich mehr laufen. Mal sehen, ob die Puste reicht." Nach Turnierende wird Sturm flugs in die alte Heimat aufbrechen - nach Landshut. "Einmal Bayer, immer Bayer", sagt Marco Sturm. "Besonders das deftige bayerische Essen fehlt mir in Amerika."

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