Sport : Eishockey-WM: Steine auf dem Eis

Claus Vetter

Die Ränge in der Preussag-Arena zu Hannover waren aus unerfindlichen Gründen nicht ausverkauft und das, was die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft am Freitag vor 8000 Zuschauern bot, nicht gerade sehenswert: Gegen Italien kassierten die Deutschen bei ihrem ersten Auftritt in der Zwischenrunde der Eishockey-Weltmeisterschaft eine 1:3 (0:1, 0:1, 1:1)-Niederlage. Der Weg ins Viertelfinale dürfte nun für das deutsche Team bei der Weltmeisterschaft recht steiniger Natur sein - trotz der seit einigen Tagen im Lande aufgekommenen Euphorie.

Schon beim letzten Vorrundenspiel gegen Weißrussland hatte sich Deutschland beim Spielaufbau nicht eben leicht getan. Hatte man sich zuvor gegen die höher gewetteten Gegner aus der Schweiz und Tschechien mit einer defensiv ausgerichteten Taktik noch blendend verkauft, so zeigte sich bereits beim 0:2 am Mittwoch, dass es die Deutschen schwer haben, wenn alle Welt erwartet, dass sie das Zepter schwingen. An Spielanteilen gemessen, waren die Deutschen zwar überlegen, doch wenn man dann mal aussichtsreich vor das Tor von Italiens Keeper Mike Rosati kam, zeigte man sich oft einfallslos. Ähnlich verhielt sich das auch mit dem deutschen Powerplay bei Überzahlsituationen: Manchmal lief ein bisschen etwas zusammen, meist jedoch nichts - und wenn es um den Abschluss ging, dann ging gar nichts.

Ein Fehler des Kölners Mirko Lüdemann kurz vor Ende des ersten Drittels ebnete Italien den Weg zum Führungstreffer. Lüdemann legte aus unbedrängter Situation hinter dem eigenen Tor stehend für Mario Chitarroni auf. Der ehemalige Stürmer des EHC Eisbären Berlin spielte mit Vezio Sacratini Doppelpass, stand dann ganz allein vor dem deutschen Tor und traf aus spitzem Winkel über den zu früh am Boden liegenden Torhüter Robert Müller. Auch das zweite Tor der Italiener fiel in die Kategorie überflüssig. Mit vielen Strafzeiten brachten sich die Deutschen im Mitteldrittel völlig aus dem Konzept, bei einem Powerplay der Italiener war wieder Chitarroni zur Stelle. Es kam dann noch einmal Hoffnung auf, als Thomas Daffner kurz nach Beginn des letzten Drittels zum Anschluss traf. Doch spätestens nach dem 3:1 für Italien durch Manuel de Toni war alles gelaufen.

Nach den Erfolgen zu Anfang des Turniers war die gestrige Niederlage für das Team von Bundestrainer Zach natürlich entäuschender Natur. Zu laut sollte man nach dem Auftritt gegen Italien in Deutschland nun nicht mehr vom Viertelfinale reden, aber vielleicht noch leise. Noch ist nicht alles gelaufen, auch wenn die kommenden Gegner eine wohl zu hohe Hürde für die deutsche Auswahl darstellen: Heute trifft Deutschland auf Kanada, am Dienstag geht es gegen Russland - jeweils in Hannover. An der Stätte, wo gestern nicht annähernd eine ähnliche Stimmung aufkommen wollte wie bei den ersten beiden Spielen der Deutschen in der Kölnarena.

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