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Eishockey-WM : Trotz Sieg: Deutschland ausgeschieden

Deutschland hat sich mit einem Sieg gegen Frankreich von der Eishockey-Weltmeisterschaft verabschiedet. Die Auswahl von Bundestrainer Pat Cortina gewann am Dienstag mit 3:2 (1:1, 0:1, 1:0/1:0) nach Verlängerung, verpasste in Helsinki aber dennoch den Einzug ins Viertelfinale.

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Zwei Tore zum Abschluss. Christian Ehrhoff (li.).
Zwei Tore zum Abschluss. Christian Ehrhoff (li.).Foto: Reuters

Den schlimmsten Moment des Tages erlebten die deutschen Spieler, Trainer und Betreuer zwei Stunden vor dem Duell gegen Frankreich. Als sie im Mannschaftsbus des Deutschen Eishockey-Bundes in den Katakomben der Hartwall Arena zum Stehen kamen, liefen in der Halle die letzten zwei Minuten zwischen der Slowakei und den USA. Die Slowaken führten 3:1, und noch während die deutschen Spieler den Bus verließen, fiel das 4:1. Die Slowakei siegte und zog als letztes Team ins Viertelfinale ein. So hatte das letzte Gruppenspiel Deutschlands gegen Frankreich schon vor Beginn jede Relevanz für diese WM verloren.

Zu allem Überfluss lag die deutsche Kabine schräg gegenüber der slowakischen. So musste der DEB-Tross wenige Minuten später in der eigenen Umkleide mitanhören, wie die Konkurrenz auf dem Flur ihren Erfolg feierte. An eine konzentrierte Spielvorbereitung war nicht mehr zu denken.

Trotzdem wandte Deutschland die letzte verbliebene Energie auf und holte im siebten Spiel in zwölf Tagen trotz zweimaligen Rückstands noch einen 3:2 (1:1, 0:1, 1:0/1:0)- Sieg nach Verlängerung. „Das sagt viel über den Charakter dieser Mannschaft aus“, sagte Bundestrainer Pat Cortina. Nach der verpassten Olympia-Qualifikation hatte er die Weltmeisterschaft zu einer Frage der Ehre erkoren. „Diese Frage haben wir positiv beantwortet“, sagte der 48-Jährige. „Wir haben uns hier einen großen Teil unserer Ehre zurückgeholt.“

Das befand auch Cortinas wichtigster Mann Christian Ehrhoff. Der Verteidiger hatte mit dem Ausgleich zum 1:1 und dem Siegtreffer in der Verlängerung großen Anteil am versöhnlichen Ausklang der Weltmeisterschaft in Finnland. „Nach der letzten WM und nach Olympia sah es ziemlich düster aus“, sagte der Kapitän, „aber wir haben Stolz und Ehre zurück ins deutsche Eishockey gebracht.“ Er blicke zwar mit einem weinenden Auge auf die vielen verpassten Chancen. „Aber realistisch stehen wir da, wo wir hingehören“, sagte Christian Ehrhoff.

Als Weltranglisten-Zehnter haben die Deutschen die WM auf Rang neun beendet. Rein statistisch gesehen ist das Team also im Rahmen seiner Möglichkeiten geblieben. Die erhoffte Sensation gegen einen der Favoriten blieb aus. Das DEB-Team war zwar nah dran, in den entscheidenden Momenten fehlten aber entweder das nötige Glück oder die Qualität.

„Bei einigen Spielern haben die Leistungen gepasst, bei anderen nicht“, resümierte Coach Cortina, ohne Namen zu nennen. „Jeder muss individuell an sich arbeiten und besser werden wollen“, forderte Ehrhoff. Der NHL-Star hatte als tragende Säule in der Defensive und dreifacher Torschütze in der Offensive ebenso eine starke Weltmeisterschaft gespielt wie die mit ihm als beste Spieler ausgezeichneten Rob Zepp und Marcus Kink. Dem Trainerteam stellte der Kapitän ein gutes Zeugnis aus. „Sie haben einen guten Job gemacht“, sagte Ehrhoff, „man muss ihnen aber Zeit geben, Kritik wäre völlig fehl am Platz.“

Zeit forderte auch der Bundestrainer, der künftig auch als Sportdirektor agieren wird. „Das war mein erstes Jahr und das erste Jahr für die Mannschaft mit mir“, sagte Cortina. Er habe mit seinen Spielern erst einmal „herausfinden müssen, wer wir sind“. Jetzt hoffe er, mit den Lehren aus seinem ersten Jahr den DEB und die deutschen Ligen davon überzeugen zu können, näher zusammenzurücken, um für das deutsche Eishockey zu kämpfen. „Wir müssen eine gemeinsame Vision verfolgen und der Nationalmannschaft absolute Priorität einräumen“, sagte der Bundestrainer, „sie ist das Spiegelbild der Liga.“

Diese will der Italo-Kanadier in den nächsten Wochen mit allen Verantwortlichen entwickeln. Wie viel Zeit er aber bekommen wird, um diese auch umzusetzen, ist schon jetzt fraglich. Denn DEB-Präsident Uwe Harnos hat angekündigt, die Sinnhaftigkeit einer Doppelfunktion, wie sie Cortina inne haben wird, diskutieren zu wollen.

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