Eishockey-WM : Vorspielen für 2010

Mit Eishockeystar Jochen Hecht wollen sich die Deutschen bei der WM in der Schweiz nach vorn kämpfen. Am Freitag spielt das Team von Uwe Krupp zum Auftakt gegen Russland. Hecht darf spielen, weil seine Dopingprobe negativ ausgefallen ist.

Claus Vetter
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Abflug in die Schweiz. Hecht (vorn) verpasste in der NHL mit Buffalo die Play-offs.Foto: AFP

Die Hoffnung heißt Hecht. Jochen Hecht. Groß, kantig, schnell und torgefährlich ist der Eishockeystürmer von den Buffalo Sabres aus der National Hockey League (NHL). Am Donnerstag ist Hecht in Zürich gelandet und fühlte sich „trotz des Jetlags fit“. Hecht soll die Deutschen schon am Freitag im Auftaktspiel der Weltmeisterschaft in Bern gegen Russland verstärken (Beginn 16.15 Uhr, live im DSF). „Soll“ ist das Stichwort: Denn wieder einmal hat es der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) geschafft, die Dinge so wackelig zu gestalten, dass der Einsatz des besten deutschen Stürmers bis zwei Stunden vor Spielbeginn unsicher ist.

Da Hecht die Athletenvereinbarung nicht fristgerecht unterzeichnet hatte, musste die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada den DEB-Antrag auf Eingliederung Hechts ins Testprogramm genehmigen. Das passierte unter der Prämisse, dass die Analyse einer von Hecht in den USA genommenen Dopingprobe negativ ausfällt. Das Ergebnis musste bis 14 Uhr am Freitag vorliegen. Sonst hätte Hecht nicht spielen dürfen. Beim DEB ging Sportdirektor Franz Reindl davon aus, „dass es klappt“. Besser war es für Team und DEB, der sich sonst wieder einmal blamiert hätte. Am Freitagnachmittag teilte der DEB im Mannschaftshotel in Bern mit, dass die  Dopingprobe des 31- jährigen negativ ausgefallen sei. Hecht ist somit für das Turnier spielberechtigt.

Jochen Hecht interessierte sich für das Hickhack weniger. Deutschland sei mit dem Bundestrainer auf einem guten Weg, sagt Hecht. „Uwe Krupp hat Erfolg, sie spielen wieder gut mit. Im Detail kann ich mir aber kein Urteil erlauben, dazu bin ich zu weit weg.“ Das letzte Mal, als Hecht für Deutschland auflief, endete das mit einem Fiasko. 2005 bei den WM in Österreich stieg das Team ab – allerdings war Hecht an der Hand verletzt und dann „hatten wir damals auch eine schlechtere Mannschaft“. Das Eishockey in Deutschland ist viel besser geworden, die Deutsche Eishockey-Liga auch“, glaubt Hecht. Und mit Greg Poss sei 2005 da ein Trainer gewesen, der nicht jeden Spieler erreicht habe.

Mit Krupp ist das offensichtlich anders. 2006 stieg das Team auf, hat seitdem bei zwei WM-Turnieren die Zwischenrunde erreicht. Der Bundestrainer glaubt, dass diesmal das Erreichen des Viertelfinales möglich ist. Dazu müssten die Deutschen von ihren Vorrundengegnern mindestes einen schlagen: Gegen Russland ist ein Sieg kein Muss, gegen die Schweiz am Sonntag ein Kann und am Montag gegen Frankreich ein Muss. Welche Rolle kann Hecht dabei spielen? 676 Spiele in der NHL hat der 31-Jährige mit dem Jahressalär von rund drei Millionen Euro hinter sich. In seinem Team ist er Assistenz-Kapitän und Führungsfigur – auch wenn er zuletzt in Buffalo eher defensive Aufgaben annahm und eine schwache Saison mit nur zwölf Toren hatte. Aber: In Nordamerika ist er kein Unbekannter, hat sich durch Hartnäckigkeit den Ruf des „Meisters der Duseltore“ erworben. Mit Hecht sei Deutschland besser, die mit NHL-Profis gespickte Gegnerschaft werde gleich mehr Respekt haben, sagt Krupp.

Ob sich Weltmeister Russland, gespickt mit Profis von Jochen Hechts Klasse und drüber – Ilja Kowaltschuk verdient in der NHL doppelt so viel –, beeindrucken lassen wird? Fraglich. Deutschland wird sich bei der WM wohl durchwurschteln müssen – in komfortabler Nebenrolle allerdings. Als WM-Gastgeber von 2010 können die Deutschen nicht absteigen. Sie könnten in der Schweiz aber Werben für das Turnier im eigenen Lande.

Das aber wird schwierig. Denn wieder einmal tritt nicht die bestmögliche deutsche Mannschaft an. Neben Hecht ist mit Verteidiger Christoph Schubert nur ein weiterer NHL-Profi dabei. Mühelos ließ sich ein starkes Team zusammenstellen aus Profis, die nicht können, weil sie in den NHL-Play-offs spielen (Dennis Seidenberg, Christian Ehrhoff, Marcel Goc), verletzt sind (Marco Sturm, Alexander Sulzer) oder nicht wollen (Stefan Ustorf, Sascha Goc). Der Hannoveraner Goc will nicht, weil er es unfair findet, dass Spieler anderer Länder nicht so oft getestet werden wie die Deutschen von der Nada. Ein Glück für das deutsche Team, dass sich zumindest Jochen Hecht hat testen lassen.

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