Eishockey-WM : Wunschfinale Kanada gegen Russland perfekt

Die 72. Eishockey-Weltmeisterschaft hat ihr Traumendspiel zwischen Gastgeber Kanada und Russland. Die einstigen Rivalen treffen erstmals seit dem Zerfall der Sowjetunion aufeinander.

Robert Semmler[dpa]

Québec"Das ist ein Traum für beide Mannschaften", sagte der russische Trainer Wjatscheslaw Bykow zum Endspiel am Sonntag (19 Uhr/DSF). Erstmals seit dem Zerfall der Sowjetunion treffen in einem WM-Finale die einstigen Erzrivalen aufeinander, die zu Zeiten des eisernen Vorhangs nur beim legendären Kanada-Cup in bester Besetzung ihre Kräfte maßen.

Diesmal fehlen zwar noch einige Stars wegen der Playoffs der nordamerikanischen Profiliga NHL, doch der 5:4 (1:1, 4:2, 0:1)-Sieg von Rekordweltmeister Kanada über Olympiasieger Schweden begeisterte am Freitag (Ortszeit) die 13.000 Fans im altehrwürdigen Colisée von Québec. Russland hatte zuvor beim 4:0 (1:0, 1:0, 2:0) über Vizeweltmeister Finnland weniger Probleme, Revanche für die letztjährige Halbfinal-Pleite daheim in Moskau zu nehmen. Dort hatte Kanada seinen 24. WM-Titel geholt, für die Russen soll nun eine 15-jährige Durststrecke endlich zu Ende gehen, nachdem die Sowjetunion zuvor 22 Mal Weltmeister war.

"Sie lassen dich für kleine Fehler bezahlen"

"Wir haben im vorigen Jahr einige Fehler gemacht und nicht Gold gewonnen. Diese Fehler wollen wir nicht wiederholen", sagte Stürmerstar Alexander Owetschkin von den Washington Capitals, der an der Traumkombination zum 1:0 durch Sergej Fjodorow beteiligt war. "Russisches Eishockey", sagte Owetschkin und schmunzelte. Auch Kanadas Trainer Ken Hitchcock hatte zugesehen. "Sie lassen dich für kleine Fehler bezahlen", sagte Hitchcock respektvoll.

Fjodorow erklärte, Trainer Bykow, der wie sein legendärer Vorgänger und Ex-Coach Viktor Tichonow kaum eine Miene verzieht, habe eine defensivere Spielweise angeordnet. Der einstige Stürmer Bykow zeigte sich in fließendem Französisch sehr zufrieden mit seiner Auswahl und erwartet "ein offenes Finale mit vielen Toren".

Genau so verlief das Halbfinale zwischen den Kanadiern und Schweden, bei dem die erneut überragende erste Angriffsreihe mit Dany Heatley, Ryan Getzlaf und Rick Nash herausragte. Alle drei erzielten je einen Treffer, für den designierten Torschützenkönig Heatley war es bereits der elfte im laufenden Turnier.

"Er war erschöpft und fühlte sich ausgebrannt"

Die Entscheidung fiel, als Mike Green das turbulente zweite Drittel sieben Sekunden vor der Sirene mit dem 5:3 abschloss. Es war schon das 48. Tor der Hausherren bei der Premieren-WM im eigenen Land. Schwedens Star-Torhüter Henrik Lundqvist von den New York Rangers saß im Schlussabschnitt nur noch auf der Bank. "Er war erschöpft und fühlte sich ausgebrannt", erklärte Nationaltrainer Bengt-Ake Gustafsson. Seine Schützlinge sorgten durch Fredrik Warg (55.) immerhin noch für eine spannende Schlussphase.

Auch Hitchcock freute sich bereits auf ein großes Endspiel, das die Finnen im vorigen Jahr in Moskau noch verhindert hatten. Diesmal treffen die auch nach acht Spielen einzigen noch ungeschlagenen Mannschaften des Turniers aufeinander. "Es sind die beiden besten der WM", sagte Gustafsson, der mit Schweden auch gegen Russland knapp verloren hatte. Seinem Kollegen Hitchcock rief er trotz aller Enttäuschung lächelnd zu: "Los Ken, schlagt die Russen."

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