Eishockey: World Cup of Hockey : Firlefanz auf dem Eis

Der World Cup of Hockey sagt viel über nordamerikanisches Selbstverständnis aus und ist europäisch betrachtet Unfug. Abgesehen davon wird guter Sport geboten, wenn nun Kanada und das gecastete "Team Europe" um den Titel kämpfen

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Ganz viel Deutschland in Europa. Der Kölner Leon Draisaitl ist einer der Stars des Teams, hinten (Nummer 8) im Bild der Bayer Tobias Rieder.
Ganz viel Deutschland in Europa. Der Kölner Leon Draisaitl ist einer der Stars des Teams, hinten (Nummer 8) im Bild der Bayer...Foto: dpa/Sputnik

Kanada gegen Europa im Finale! Na, das ist ja mal so ein – Eishockeyding. Da haben sie unter der Regie der besten Eishockey-Liga der Welt, der NHL, den „World Cup of Hockey“ wiederaufleben lassen und bei ihrer sehr eigenen „Weltmeisterschaft“ die Teilnehmer zu einem Viertel erfunden. Sechs Länder haben die Ehre unter ihrer Fahne anzutreten, dazu kommen zwei Phantasieteams mit dem Namen „Team Europe“ und „Team North America“. Für Europa spielen NHL-Profis unter anderem aus der Slowakei, der Schweiz oder vor allem auch Deutschland – wohl weil die NHL glaubt, dass Teams aus diesen Ländern kaum ins Finale kommen würden.

Besser hätte die Profiliga aus Nordamerika nicht zum Ausdruck bringen könne, dass ihr schnuppe ist, was in Europa im Eishockey passiert: Der World Cup of Hockey ist NHL-Arroganz mit Firlefanz (schicke surreal wirkende Team-Logos, wer war da bekifft?) – und Eishockey auf allerhöchstem Niveau. Sind ja die besten Spieler der Welt am Start – und die rangeln zum Teil auch um neue Verträge in der NHL.

Das Gute ist: Die Veranstaltung wird die NHL in Europa nicht weiterbringen. Viele deutsche Eishockey-Fans werden weiter das Liveerlebnis im nächsten Stadion vorziehen, anstatt sich die Nächte um die Ohren zu hauen, um im Livestream zu sehen, was bei den Florida Panthers passiert. Schließlich ist ja die Stimmung in jedem deutschen Stadion ohnehin besser als beim Eishockey in Miami.

Was so ein Sieg gegen Kanada Wert wäre? Auf den ersten Blick nichts

Trotzdem kann jeder deutsche Eishockeyfan in der Finalserie ab kommender Nacht (1.55 Uhr, live auf Sport1) den Europäern die Daumen drücken, schließlich waren die deutschen Spieler um Leon Draisaitl bisher Leistungsträger im gebastelten Team. Was so ein Sieg gegen Kanada Wert wäre? Auf den ersten Blick nichts. Es würde weder in Bratislava, Bern oder Berlin Autokorsos geben, um ein Team zu feiern, dessen Nation es nicht gibt. Allerdings wäre womöglich die nordamerikanische Eishockey-Arroganz erschüttert. Das wäre was.

Und wenn es nicht klappt? Egal, dann ist der World Cup of Hockey eben egal. Denn dass das Beispiel Schule macht, ist eher unwahrscheinlich. Wobei, lustig wäre es: Dann könnte bei der Fußball-WM ein Zlatan Ibrahimovic für „Team Nordeuropa“ antreten oder Neymar angesichts der schwächelnden Brasilianer für das „Team Südamerika“ auflaufen.

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