Sport : Eishockey: Zachs Respekt vor Japan bleibt auf alle Fälle erhalten

Claus Vetter

Hans Zach ist für gewöhnlich ein Mensch, der gerne gegensteuert. Erst recht, wenn im Umfeld der von ihm trainierten Eishockey-Nationalmannschaft Euphorie ausbricht. Am Donnerstag, nachdem die Deutschen in der Kölnarena im Viertelfinale der Weltmeisterschaft gegen Finnland mit 1:4 ausgeschieden waren, lernte man den anderen Hans Zach kennen. "Das war eine überragende WM meiner Mannschaft", sagte der Bundestrainer, "wir sind in keinem Spiel von einem Gegner beherrscht worden, haben gezeigt, dass wir mit jedem Gegner mitspielen können."

Im Vorfeld der WM hatte Zach noch allen vorgehalten, dass sein Team "höchstens mit Japan mithalten könne". Diesen Beweis musste die deutsche Mannschaft dann aber im Turnier nicht erbringen. Man konnte den Asiaten aus dem Wege gehen, Japan landete in der Abstiegsrunde, für Zach und sein Team war erst im Viertelfinale Endstation. Damit befindet man sich in bester Eishockey-Gesellschaft: Auch für Rekordweltmeister Russland, den 20-fachen Titelträger Kanada und den Vizeweltmeister des Vorjahres, die Slowakei, ist das Turnier seit Donnerstag beendet.

Zach sieht das Erreichen des Viertelfinales vor allem auch als Beleg dafür, dass die Nationalmannschaft erst auf dem Weg nach vorne ist. Ein großer Teil der deutschen Nationalspieler hat den Höhepunkt der Karriere wohl noch vor sich, wie die vier Teenager Marcel Goc, Dennis Seidenberg, Christoph Schubert oder Thomas Greilinger. Zudem wurde das deutsche Team von einem Spieler geführt, dessen Karriereende auch noch in weiter Ferne liegt: Der vierfache Torschütze Marco Sturm ist erst 22 Jahre alt und hat trotzdem schon vier Spielzeiten in der nordamerikanischen Profiliga NHL absolviert. "Wir haben mit der Nationalmannschaft eine sehr gute Perspektive", meinte Sturm, "wichtig ist nur, dass die jungen Spieler in ihren Vereinen mehr Eiszeit bekommen." Das alte Problem also, oder vielleicht auch nicht: Ab kommender Saison müssen in der DEL bei jedem Klub vier deutsche Spieler unter 23 Jahre im Aufgebot sein, vielleicht hilft diese - oft kritisierte - Regel tatsächlich dem Nachwuchs.

Zusammengeschweißt hat der Erfolg der Nationalmannschaft bei der WM den Bundestrainer und die Herren von der DEL nicht. Erst vor ein paar Tagen veranlasste DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke die München Barons, ihren Nationaltorhüter Christian Künast abzumahnen. Künast hatte sich abfällig über die DEL-Verantwortlichen geäußert. "Ich reiche dem Tripcke gern die Hand", sagte Zach, "aber wenn ich merke, dass kein Respekt zurückkommt, dann gehe ich keinen Millimeter zurück. Wir können die Probleme doch nur gemeinsam lösen, mit Abmahnungen kommen wir nicht weiter."

Das deutsche Eishockey ist bei dieser WM zweifellos vorangekommen. Trotzdem darf man den Blick nach unten nicht verlieren, mahnt Hans Zach. "Wir müssen auf dem Weg der kleinen Schritte bleiben, dürfen nicht hochnäsig werden." Natürlich nicht, und wer Hans Zach kennt, kann sich schon zusammenreimen, was der Bundestrainer im Vorfeld der WM im nächsten Jahr erzählen wird. Zach wird vor einem Gegner besonders eindringlich warnen: Seit Donnerstag steht nämlich fest, dass die Deutschen bei der WM 2002 in Schweden in der Vorrunde auf Japan treffen.

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