• Eishockey: Zu laut zum Nachdenken - Steve Walker hat sich beim EHC Eisbären schnell eingelebt

Sport : Eishockey: Zu laut zum Nachdenken - Steve Walker hat sich beim EHC Eisbären schnell eingelebt

Claus Vetter

Der Fan der Detroit Vipers ist ratlos: "Weiß irgendjemand, was mit Steve Walker passiert ist? Ist er verletzt, oder hat er seine Karriere beendet?" So fragt der verzweifelte Eishockey-Freund auf einer der Seiten im Internet, auf denen es um die Detroit Vipers, einen Klub aus der International Hockey League (IHL), geht. Immerhin, seit Anfang Dezember wissen die Vipers-Fans mehr über den Verbleib ihres ehemaligen Kapitäns. Denn ein anderer Fan teilt Folgendes im Internet mit: "Walker spielt in Deutschland" - also am Ende der Welt.

Dass es irgendwo da draußen eine Deutsche Eishockey-Liga (DEL) gibt, wissen nur ganz wenige US-Eishockey-Fans. Es interessiert sie auch nicht. Bei vielen amerikanischen Spielern ist das ganz anders. Seit einigen Jahren ist die DEL für Spieler, die den Sprung in die National Hockey League (NHL) verpasst haben, zu einer attraktiven Adresse geworden.

Auch Steve Walker war froh, als er im vorigen Jahr ein Angebot aus der DEL erhielt: Seit dieser Saison stürmt der 27-jährige Kanadier für den EHC Eisbären - und das äußerst erfolgreich. Das Kunststück, in zwölf Spielen hintereinander mindestens ein Tor oder eine Vorlage in die persönliche Statistik einzutragen, hat vor Walker im Sportforum Hohenschönhausen kein Spieler geschafft. Trotzdem, den Status seiner prominenten Sturmpartner John Chabot und Alex Hicks hat Walker bei den Fans nicht.

Walker stört sich nicht daran, auch wenn er aus Nordamerika anderes kennt. In Detroit war er nicht nur Kapitän, sondern auch Top-Scorer und Topstar der Vipers. In Deutschland zähle wohl mehr der Erfolg des gesamten Teams, meint Walker. Brimborium um einzelne Spieler wie in Nordamerika sei eben weniger angesagt. Daran habe er sich schnell gewöhnt. Andere Dinge hätten ihn schon mehr überrascht, etwa die Fans. In Detroit habe er vor wesentlich mehr Zuschauern gespielt als in Berlin, aber: "Dass 5000 Zuschauer mehr Lärm machen können als 13 000, hätte ich vorher nicht geglaubt." Niemals vergessen werde er sein erstes Berliner Derby. "Zu laut zum Nachdenken" sei es in der Halle gewesen, sagt Walker und lacht. Nein, die IHL vermisse er nicht, sagt der Kanadier. Nicht nur, weil es in der DEL mehr als in der IHL zu verdienen gibt. "Die DEL hat ein besseres Niveau als die IHL." Auf Akklimatisierungsprobleme sei er in der neuen Liga aber nicht gestoßen. Schließlich kenne er viele DEL-Spieler aus der IHL, sagt Walker. Selbst beim EHC stehen mit Godynyuk und Smith zwei Spieler im Kader, die mal bei den Detroit Vipers ihr Geld verdient haben.

Von wem will Walker in der nächsten Saison sein Gehalt beziehen? "Ich möchte auf jeden Fall hier bleiben." Also bei den Eisbären? "Es gab Gespräche, aber über Zahlen haben wir uns noch nicht unterhalten." Im Interesse der EHC-Führung ist da wohl ein wenig Eile angesagt, denn der Informationsstand bei der Liga-Konkurrenz über die Taten von Steve Walker ist doch erheblich größer als bei den Fans der Detroit Vipers. Denen wird auf der offiziellen Klub-Homepage nicht einmal mitgeteilt, wohin es Ex-Vipers-Torhüter Andrej Trefilow verschlagen hat. Nur gut, dass Walker da besser informiert ist, sogar weiß, wo sich "der beste Torwart, mit dem ich je in einem Team gespielt habe" heute aufhalten wird: Im Sportforum Hohenschönhausen und da im Tor des heutigen Gegners der Eisbären, der Düsseldorfer EG (Beginn 19.30 Uhr).

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