EIshockeynationalmannschaft : Deutsch denken, amerikanisch stürmen

Mit sieben NHL-Profis startet die deutsche Eishockeynationalmannschaft ins olympische Turnier - und sieht sich dank der Verstärkung aus Nordamerika als Außenseiter mit Chancen.

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Vancouver 2010 - Eishockey
Taktikbesprechung. Seit einer Woche ist die Nationalmannschaft mit Bundestrainer Uwe Krupp in Vancouver. -Foto: dpa

Es war ein putziges Bild, das man in den vergangenen Tagen vor dem „Britannia Centre“ im Süden Vancouvers beobachten konnte. Vor der kleinen Vorstadt-Eishalle, in der ansonsten Schulklassen trainieren, hielt nachmittags regelmäßig ein großer Bus, und heraus stieg ein Haufen deutscher Eishockeyspieler. Die Schlittschuhe in der Hand, stapften sie gut gelaunt zum Training. „Wir sind sehr froh, dass wir hier dabei sein dürfen“, sagte Sven Felski von den Eisbären Berlin. „Wir genießen das einfach nur.“
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Die Busfahrt in voller Montur war kein Problem. Es musste halt so sein, denn die Mannschaftskabine befindet sich am „Canada Place“, und dort spielte der ortsansässige Klub aus der National Hockey League (NHL), die Vancouver Canucks, noch bis Sonntag. Einmal immerhin durften die Deutschen in der großen Arena trainieren, bevor sie am Mittwoch in ihr olympisches Abenteuer starten. Erst muss das Nationalteam gegen Titelverteidiger Schweden (1.30 Uhr MEZ, live in der ARD) antreten, dann am Freitag gegen Finnland, den Silbermedaillen-Gewinner von 2006 und schließlich am Samstag gegen Weißrussland.

Es war eine Erleichterung für Krupp, dass nun, da die NHL endlich pausiert, Verstärkung kam. Mit Marco Sturm (Boston Bruins), Christian Ehrhoff (Vancouver Canucks), Dennis Seidenberg (Florida Panthers), Thomas Greiss (San José Sharks), Marcel Goc, Alexander Sulzer (beide Nashville Predators) und Jochen Hecht (Buffalo Sabres) stießen sieben deutsche NHL-Profis zur Mannschaft. Und alle Sieben sind, obwohl sie zum Teil am Wochenende noch in der Liga aktiv waren, einsatzbereit. Auch die zuletzt angeschlagenen Angreifer Marcel Goc und Marco Sturm.

Stärkstes Eishockeyturnier aller Zeiten

Bundestrainer Uwe Krupp kann jeden Mann gebrauchen, er schätzt das Eishockey-Turnier von Vancouver, wie viele Trainer und Experten, als das stärkste aller Zeiten ein. „Das ist eine historische Sache, und wir sind dabei, das ist toll für uns“, sagt der 44-Jährige. Für die Eishockeynation Kanada ist es in jedem Fall das Ereignis der Spiele. In Vancouver prägen die roten Trikots mit dem Ahornblatt seit Tagen das Bild in den Straßen.

Neben den Kanadiern sind die USA, Russland und die Schweden die großen Favoriten. Dennoch wollen die Deutschen in Vancouver nicht nur brav mitspielen: „Für uns ist das eine sehr ernste Sache, die nimmt man nicht leicht. Wir sind hier nicht im Urlaub.“ Konkrete Angaben dazu, wie Krupps ehrgeizige, aber zum Teil läuferisch und technisch unterlegenen Profis gegen die Topteams, etwa die Schweden mit ihren Sedin-Zwillingen von den Vancouver Canucks, bestehen wollen, macht der Bundestrainer nicht. Er bleibt lieber allgemein. „Es wird in jedem Spiel ums Überleben gehen“, sagt Uwe Krupp. „Wir wollen ein unbequemer Gegner sein und die Stars ärgern.“ Und womöglich werden die Underdogs aus Germany unterschätzt. Hier wittert Krupp die Chance: „Sie werden sich gegen uns einspielen wollen, vielleicht nehmen sie uns nicht richtig ernst.“

Ins Tor wird Krupp beim Auftakt gegen Schweden den ehemaligen Kölner Thomas Greiss stellen, denn „er ist an die NHL und Spiele auf der kleinen Eisfläche gewöhnt“. Die erste Sturmreihe werden Kapitän Sturm, Goc und Hecht bilden. Krupp setzt auf seine NHL-Profis, um die Schweden zu ärgern. Ansonsten ist es so: Am Ende soll ein besseres Resultat herauskommen als 2006 in Turin, als die deutsche Auswahl sieglos Rang zehn belegte. Angreifer Marcel Goc sagt: „Wir haben die beste Mannschaft seit Jahren, so viele NHL-Spieler wie noch nie, die Voraussetzungen sind sehr gut.“

So aussichtslos ist die Lage der deutschen Eishockeynationalmannschaft also wohl doch nicht. Außenseiter Schweiz zum Beispiel schlug beim olympischen Turnier in Turin hintereinander die Tschechen und Kanadier. Und die Schweizer traten nur mit zwei NHL-Profis an.

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